Außeneinsatz // May26/02


// Außeneinsatz // May26/01

Ich schlafe, neben einer kurzen Wachphase um etwa 05:45 Uhr, wie ein Stein. 05:45 Uhr. 30 Minuten vor Dienstübergabe; mein biologischer Rhythmus hat sich an meine Nachtdienste angepasst und ich hasse es. Es ist mehr als nur ein Symbol dafür, dass die Arbeit rabota rabota sich so in das Leben einfrisst. Kurz sich strecken und ein bisschen lesen und auf einmal werde ich um 10:02 Uhr wieder wach. 28 Minuten vor Hotelschlüsselübergabe. Bis 10:00 Uhr war Frühstück angesagt, die Rezeptionistin am Vorabend wollte noch wissen, ob ich da Wünsche habe und ich bin jetzt schon ein bisschen froh, dass ich abwinkte und meinte, ein schwarzer Kaffee und ein Wasser würden reichen. Hätte ich mir irgendetwas bestellt, um es dann zu verschlafen, das wäre mir peinlich.
Ich schaffe es, mich innerhalb von 22 Minuten, inklusive Duschen, fertig zu machen und meine wenigen Sachen zu verstauen, mein Reisegepäck ist wenig umfangreich, gebe den Schlüssel fast püntklich zu 10:32 Uhr bei der Rezeptionistin ab.

Ich setze mich in mein Auto und suche mir oberhalb von Friedrichroda einen kleinen Platz neben der Landstraße, um erstmal meinen Morgen zu beginnen. Der Tee, den ich mir am Vortag noch in Berlin brühte, ist in der Thermoskanne noch warm und angenehm süß. Eigentlich hätte ich schon gerne einen Filterkaffee, aber 36 Minuten nach dem ich erst aus dem Bett alarmstartete, habe ich auch noch keinerlei Neigung, mich irgendwo unter Leute zu begeben, sei es auch nur um einen Kaffee zu kaufen.

Kurz vor 11 innerhalb der Woche hat der Tag für so ziemlich alle schon vor Stunden begonnen, während ich noch in meiner Morgenträgheit abhänge. Kein neues Phänomen bei mir. Diesmal zeigt sie sich als ausgeprägte innere Ruhe und ich wünsche mir, dass das den ganzen Tag so bleibt.

Warum bin ich eigentlich hier?

Nun zum einen auf Grund einer Empfehlung (Danke an dieser Stelle, Anzeige ist raus!) und weil ich eigentlich mal wieder Tatrabahn fahren möchte. Mitfahren. Nicht selber fahren, leider. Der KT4D, bei den Berliner Verkehrsbetrieben damals auch als „tschechischer Streitwagen“ bezeichnet, rollt hier noch bei der Thüringer Waldbahn TWSB und ich fand, dass kann man sich zusätzlich zu den Städtetrips in die ostdeutsche Provinz mal gönnen.
Vorweg: ich bin nicht mit einer Tatrabahn mitgefahren. Alle Umläufe verpasst. Die Thüringerwaldbahn, welche ein Teil der Straßenbahn Gotha ist, fährt nicht Typenrein, sondern hat ein etwas wundersames Sammelsurium aus Tatras, irgendwelchen Ex-BRD-Bahnen aus dem Ruhrgebiet und – hier ein Unikat in Deutschland – schweizer Fahrzeugen.

Die TWSB ist ein kleiner Betrieb und musste durchaus mit klammen Kassen klarkommen, somit konnten keine Neufahrzeuge von der Stange gekauft werden, sondern aufgearbeitete Gebrauchtfahrzeuge, welche die alternden Tatras ergänzen sollten. Auch konnte nicht von überall gekauft werden, denn die Gothaer Straßenbahn hat keine 1435mm-Vollspur, sondern 1000mm-Schmalspur, so wie auch zB die Harzquerbahn.

Nach einem kurzen Spaziergang fahre ich wieder nach Friedrichroda rein und parke am Sommerbad. Sehr nett: in der Kurtaxe für mein Hotelzimmer war die Tagesfahrkarte für die TWSB mit inbegriffen. Es ist sowiesoschon klamme Luft, aber nun fängt es an zu regnen und hört überhaupt nicht mehr auf. An sich ist Regen kein Problem und es sind sogar Plusgrade, aber dennoch zieht eine gewisse Kälte durch alle nun ja durchaus notwendigen Öffnungen der Kleidung. Und meine Hose ist etwas zu dünn.

Mir fällt auf, dass ich zu Hause bereits seit 4 Tagen nicht mehr in den Briefkasten schaute.

Etwa 20 Minuten werde ich im Regen in einem entglasten Wartehäuschen warten und überlege bereits, ob ich mir das für Straßenbahnfahren wirklich antun will. Der Regen wird mehr. Nun gut.

Aus der Gegenrichtung kommt sie. Die Tatra KT4D-Doppeltraktion, für die ich hier bin. Der Zug ist leise und rollt auf einmal ein, während ich etwas geistlos auf mein Smartphone starre und Blödsinn lese. Aber es ist schön, die Kisten mal wieder zu sehen. Ich gucke hoch und der Triebfahrzeugführer grüßt mich sogar, wahrscheinlich weil sich mein Gesicht beim Anblick sofort aufhellte. Ich grüße zurück, genieße es, das Ding an mir vorbeirollen zu sehen. Wirklich schöne Fahrzeuge. Klare Formsprache, große Fenster für einen hellen Innenraum, der ebenfalls schon recht großzügig wirkt und wenig durch Technikschränke und Fahrkartenautomaten eingeengt wird. Ein einfaches Bestuhlungskonzept, um möglichst viele Proletarier auch sitzend über weite Strecken (im urbanen Sinne) zu transportieren. Auch stehend passen noch eine Menge Fahrgäste in den Zug. Dagegen ist der Aufenthalt in einer der derzeitigen Flexity-Bahnen der BVG ein klaustrophobischer, dunkler Zustand, das man sonst beim Besuch des Diesel-U-Bootes im Museum der Bundesmarine in Wilhelmshaven erleben kann. Aaauuuuf Sehrohrtiefe gehen. Ruder vorne unten zehn, hinten oben acht. Fluuuuuuten. Aber in einer Bahn der M13 auf dem Weg in den Virchowbunker.

Ist ja auch klar, bei einer Niederflurbahn muss die ganze Technik irgendwie in den Innenraum. Sandbehälter, Leit- und Steuerungstechnik, ganzen Aufhängungen für die Einzelradantriebe, dazu der Fahrkartenautomat und schon ist der Innenraum vollgestellt. Das entfällt natürlich, wenn man das alles, bis auf den Fahrkartenautomaten, unter dem Fahrgastraum installieren kann. Schonender für die Gleise waren die Tatras mit ihren klassischen zwei Drehgestellen auch, sie folgen der Spur besser, weil sie leichter bei Richtungswechseln eingelenkt werden, während die Einzelradsätze neuerer Bahnen gerne gerade beim Ein- und Ausfahren aus Gleisbögen die Gleise richtig wegdengeln. Das kann man an einigen Stellen im Berliner Netz sogar sehen und höhren und sorgt gerne für Langsamfahrstellen und erhöhtem Aufwand bei der Infastrukturinstandsetzung.

Tatras haben klare Kanten. Ich mag klare Kante. Die Thüringerwaldbahn ist auch einer der Betriebe, für die diese Fahrzeuge geschaffen wurden. Mit genügend Motorleistung, den zwei Drehgestellen und dem Mittelgelenk war der KT4D extra für Bahnen mit großen Steigungen, engen Gleisbögen (vulgo: Kurven) und ggf auch schlechter Gleislage gebaut. Der Einsatz in Berlin war einem Zufall geschuldet.

Heute sind zum Fußgänger- und Autofahrerschutz Bahnen vollverkleidet, aber mit der offensiven Scharfenbergkupplung der Tatrabahnen konnte man so einigen KFZ-Lenkern, welche Vorrang oder Fahrstreifen der großen Elektrischen missachteten, das Fürchten lehren.

Kurz bevor mein Zug eintrifft, kommt auch die unvermeidliche alte-Leute-Wandergruppe an der Haltestelle an. Sofort erfahre ich, dass eine topfitte Teilnehmerin einen elektrischen Regenschirm hat.

Einen elektrischen Regenschirm. War früher alles besser? Nein. Aber es gab keinen solchen Blödsinn wie elektrische Regenschirme (Mit LED! Mit Motor!) und Straßenbahnen mit einem Außendesign aus dem Waldorf-Kindergarten (die Kindergedanken dürfen sich nicht an Kanten stoßen!). Die Herstellerwebseite sagt: „Der langlebige Lithium-Akku ist in nur 90 Minuten vollständig aufgeladen und ermöglicht bis zu 150 Öffnungs-/Schließvorgänge.“

Ich, jetzt schon mit grauer Strähne und einzelnen grauen Haaren im Bart, werde auch irgendwann ein Wanderrentner sein, so Asklepios will.

Meine Bahn kommt an. Es ist ein schweizer Be 4/8, ursprünglich in Basel im Einsatz. Aber auch dieses Fahrzeuge gefallen mir. Durch die spitz zulaufende Front wirken sie sehr schmal, sind aber auch im Innenraum recht großzügig und mit breiten Bänken als Sitzen. Auch der Innenraum ist durch die großen Fenster sehr hell.

Die Wanderrentnergruppe nimmt im Viererabteil neben mir Platz, aber nach der kurzen Demonstration des elektrischen Regenschirmes bleiben sie tatsächlich bei einer verträglichen Gesprächslautstärke. Angenehm auch, dass sie in einem mecklenburgischen Dialekt reden. Kein richtiges Platt, aber man kann heraushören, wo sie herkommen.

Die Bahn scheint entweder eine pneumatische oder eine Drucklufthaltestellenbremse zu haben, das Zischen ist bei jedem Anhalten durch den ganzen Wagen zu hören und der Zug ruckt leicht. An den nächsten Haltestellen steigen mehr Leute ein und es wird voll. Denn natürlich wird es das, es ist ein Wochentag und Leute haben Dinge zu tun. Eine Familie mit Schreikindern steigt in den Niederflur-Mittelteil ein. Dann ein Typ, der so richtig nach Pumper-Stiernacken aussieht und eine kleine rosafarbene Plastiktüte trägt.

Die Fahrt in Richtung Gotha ist tatsächlich sehr schön, auch landschaftlich. Es regnet weiter, die Nässe kriecht auch in die Bahn und geheizt ist hier gar nichts. Eigentlich wollte ich sogar bis nach Gotha und dann zurück fahren, aber bis zum Krankenhaus wird die Bahn wirklich voll. Ich steige am Krankenhaus aus und stelle fest, dass ich außer einer Kleinigkeit beim warten noch nichts aß. Nun denn, sehen wir was die Krankenhauskantine zu bieten hat. Weil, wenn man schon im Urlaub ist, dann könnte man sich ja auch mal im Kreiskrankenhaus mal richtig was gönnen!

Beim Aussteigen sehe ich aber, dass die Bahn, welche wieder über Friedrichroda zurückfährt bereits in zwei Minuten eintreffen wird und ich verwerfe den Kreiskrankenhauskantinenplan und fahre zurück. Es regnet weiter. Mir wird kalt, auch, weil ich bisher keine ausreichende Mahlzeit zu mir nahm. Darauf sollte ich besser achten.

Die Rückfahrt wird etwas unentspannter. Wird sind halt im Öffentlichen Nahverkehr, da kommt halt alles zusammen. Einerseits ein Typ, der die ganze Zeit sichtbar am schwitzen ist. Es ist nicht der Regen, die Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn und laufen und laufen. Mir tut er schon etwas leid, er sieht nicht aus wie jemand, der sonst Straßenbahnen zustinkt, aber sogar unter seinen Achseln bilden sich große Flecken in seinem Pullover. Und dann die Grundschülergruppe. Ja, ja, nein. Also nee. Klar, die sind alle halt am Wachsen und Frühpubertär und so richtig nachtragen kann man ihnen das alles nicht, aber mit einer Schülergruppe zusammen in einem Wagen zu sitzen, ist wie eine Zahnarztbehandlung. Es ist auf jeden Fall schön, wenn es vorbei ist.

ICH SAG JA NICHTS, ICH SAG JA NICHTS

Ich steige in Friedrichroda aus und laufe noch etwas durch den Stadtpark, den ich jetzt auch mal im Hellen sehe. Der Regen und die tief liegende Wolkendecke drücken das Bild natürlich etwas, aber Friedrichroda gefällt mir auch am Tage. Eine Truppe vom Kommunalwesen reinigt die Trinkquelle, ich esse ein belegtes Brötchen und trinke meinen Tee. Es ist Zeit, loszufahren. Einen richtigen Plan für die Heimreise habe ich nicht. Ganz grob: Gotha, Erfurt, Autobahn, Berlin.

Nach Gotha fahren ich neben der Thüringer Waldbahn her, sogar die Tatra-Doppeltraktion begegnet mir noch einmal.

Ab hier bin ich den restlichen Tag fast nur damit beschäftigt, Auto zu fahren. Im Gothaer Regen rolle ich durch die Stadt und versuche, einen Imbiss zu finden, an dem man eine thüringer Rostbratwurst essen kann. Ich finde keinen. Nirgendswo. Nix, nada, njiet, ist nicht. Schon in Berlin ist es schwierig, spontan irgendwo eine Currywurst zu bekommen. Weggentrifiziert durch die kleinen cupcake-Läden irgendwelcher Muttis, mit Öffnungszeiten die kundenfeindlicher sind als die der KfZ-Zulassungsstelle und wo man sich fragt, wie sich dieses Geschäft eigentlich trägt. Das tut es meist nicht, der Laden besteht für drei Monate und dann ist Schluss; jedoch hängt noch weitere drei Monate die Dekoration im Schaufenster.
Und nun ist Thüringen auch betroffen. Keine Imbissstände, keinen Fleischer gefunden. Wo ist der klassische Imbissstand auf dem Bahnhofsvorplatz geblieben?

In Gotha findet sich am Bahnhof jedoch keiner. Was es gibt, sind eine Dreiergruppe Säufer, die sich strategisch am Eingang zum Bahnhofsgebäude platziert haben und jeden anlabern, der den Fehler macht, in das Gebäude zu gehen. An der Bus/Straßenbahnhaltestelle gibt es einen Kiosk, der aufgeplatzte Bockwürste und Senf aus einem Behälter mit angetrockneten Rand anbietet. Ich entscheide mich dagegen. Sonst gefällt mir Gotha in Teilen schon, zB der große Stadtpark im Zentrum.

Eine witzige Begegnung hatte ich dann mit einem Tatrabahnfahrer. Er rollte mit seiner schönen großen blauen Einzeltraktion an mir vorbei, ich lies das Fenster herunter um den Anblick noch einmal zu genießen. Anscheinend gefiel dem Triebfahrzeugführer mein Gefährt genauso gut wie mir seins und so schauten wir gegenseitig mit viel Wohlwollen unsere blauen Kisten an. Allzeit gute Fahrt!

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Die ganze Fahrt geschieht ohne Navi oder google maps. Ich folge nur den Schildern, ich werde sehen, wo ich am Ende ende. Ja, ich hätte vielleicht auch den Taschencomputer befragen können. Aber ich wollte nicht.

Somit verlasse ich Gotha und fahre nach Erfurt. Denn also in Erfurt, der Landeshauptstadt Thüringens, wird es ja wohl irgendwo eine Rostbratwurst geben, oder? Herr Höcke, was ist denn das da in Ihrem Bundesland? Der Untergang des Rostbratwurstlandes ist da und Sie geben belanglose viereinhalb Stunden Interviews und ich wette, dieses Thema haben Sie gekonnt ignoriert. Man sieht: auch die Blauen werden sich nicht für die Arbeiterschaft einsetzen! Ich fordere: Rostbratwurstquote für Thüringen und Currywurstquote für Berlin! Oder eine ordentliche Pommesschranke. Taxiteller.

Ich habe das Landeskriminalamt schneller gefunden als alles andere, vor allem Rostbratwurst. Das Luftwaffenmusikkorps Erfurt. Dann nahm mir eine Frau, durchaus nach Beamtin aussehend, in einem großen schwarzen BMW die Vorfahrt, aber es ist okay, ich würde in Berlin auch nicht hinter einer Frau mit Erfurter, oder schlimmer: Nürnberger, Kennzeichen hängen wollen.

Vielleicht am Thüringer Landtag? Ich bin an dem Ding fast vorbeigefahren, es sieht eher nach Versicherungszentrale als nach Sitz der demokratischen Macht (*hust*) in Thüringen aus. Der Glasteil des Gebäudes gefällt mir aber.

Nun gut. Ich rolle weiter. Vielleicht gibt es ja in Erfurt am Bahnhof eine Thüringer Rostbratwurst. Ich finde nicht einma den Bahnhof. Wahrscheinlich bin ich beim Folgen der Schilder des Parkleitsystems einmal um den Bahnhof herumgefahren, auf der Suche nach einem Parkplatz, aber irgendwie finde ich nichtmal die (kostenpflichtigen, weil Innenstadt, d’uh) Parkplätze und somit erlebe ich Erfurt fast nur aus der Perspektive des Autofahrers.

So richtig Lust hatte ich auch nicht, jetzt irgendwie sinnlos durch die Landeshauptstadt zu irren, ich hatte schließlich auch noch einen weiten Heimweg anzutreten. Warum nehme ich mir das nächste Mal nicht ein Hotel für zwei Nächte?

Spontan entscheide ich mich gegen die BAB71 und fahre die Bundesstraße 4 Richtung Norden. Bis zu den ersten Ausläuferchen des Kyffhäusergebirges ist die Fahrt unglaublich langweilig. Ich habe kein Radio. Ich bin hier wirklich allein mit mir selbst.

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Ich komme in Nordhausen an und hoffe, vielleicht am Bahnhof einer, ja genau, Thüringer Rostbratwurst zu begegnen. Zur besten nachmittäglichen Verkehrszeit stehe ich an Nordhausener Ampeln und zum ersten Mal in dieser kurzen Reise denke ich „Meine Fresse ist das hässlich hier!“. Denn Nordhausen ist hässlich, der Sprühregen und das kaltgraue Licht eine Regentages hilft nicht. Sonne würde auch nicht helfen.

Eigentlich könnte der mitteldeutsche Rundfunk mdr hier wunderbare Polizeiruf 110-Folgen drehen. Mordhausen. Eine etwas emotional herausgeforderte Kommissarin aus der Ostdeutschen Provinz muss mit dem neu aus Essen gewechselten Kommissarkollegen den Mord an einem Nordhausener Kunstsammler aufklären. Sie möchte am Bahnhof eine Bratwurst essen, aber er ist Vegetarier.
Der mdr hat jedoch die Neuproduktion von Krimiformaten für die nächsten drei Jahre eingestellt, weil die auch kein Geld haben.

Außerdem gibt es am Bahnhof in Mordhausen keine thüringer Rostbratwurst. Es gibt Nordhauser Doppelkorn. Ich parke und zahle einen sagenhaften Euro Parkgebühren für eine Stunde und gehe über den Vorplatz. Ich muss wieder irgendetwas angestellt haben oder so, aber ich werde begutachtet von der lokalen Bahnhofsklientel. An einer Haltestelle liegt ein Typ mit nach oben gerollten Augen, ich gehe seine Nähe und gucke kurz, ob er noch atmet, dann verziehe ich mich in das Bahnhofsgebäude. Auf dem Vorplatz steht schonmal keine Imbissbude, im Gebäude habe ich aber auch kein Glück. Der Kaffee, den ein Mann an mir aus der Bäckerei heraus vorbeiträgt, reicht stark angebrannt und nach konzentrierter Säure, somit trage ich neben meinem Parkplatzeuro nur noch zwo fuffzich für eine kleine Colaflasche zur Nordhausener Finanzlage bei.

Eigentlich dachte ich mir, das ich nach der Rostbratwurst mir vielleicht noch etwas die Harzer Schmalspurbahn anschaue, vielleicht rollt ja etwas, wenn ich hier bin, aber als ich auf den Vorplatz gehe, fangen mehrere der anwesenden Doppelkorn-gespeisten Gestalten sich anzumachen. Die Lage wird sich wohl auch hochschaukeln, aber mir reicht es damit. Keinen Bock, nicht im Urlaub. Nichtmal als Unbeteiligter. Ich bin mir hier nichtmal sicher, wie weit das alles gehen würde. Meines Erlebens nach kennen die Kaputtniks in Berlin noch durchaus Grenzen, weil es auch viele andere streitlustige Leute einerseits und eine auch präsentere Polizei gibt, aber ist das hier auch so?

Was ist eigentlich los hier im Land? Warum müssen wir wirklich überall irgendwelche Assis ertragen? Egal wo, sie dürfen als Bürger nun immer mit dem raumgreifenden Geplärre total kaputter Typen rechnen, wenn nicht sogar damit, selbst zum Ziel zu werden, einfach weil sie nur existieren.
Vielleicht werd ich auch konservativer oder ähnliches und jetzt stört es mich mehr. Oder die Zahl dieser Leute ist doch angestiegen.

Ich steige in mein Auto und mobbe andere aus dem Weg, denn ich muss hier verschwinden. Nordhausen ist hässlich und die Straße nach Ilfeld auch.

Aber danach wird es wieder richtig schön! Schaltwagen, keine Assistenzsysteme, keine Tempomaten, kein Piepen. Aber auch keine Airbags.
Und ich sage Ihnen, keine Airbags zu haben diszipliniert beim Fahren ungemein!
Aber es macht Spaß! Die Straße, die Kurven, das Auto und ich. Fühlen, wie man in die Kurve gleitet, Beschleunigen aus der Kurve heraus. Achtung Steigung, also herunterschalten, Anlauf nehmen, hoch den Berg, hoffen dass auf der Kuppe einem kein total gestörter Motorradfahrer entgegenkommt und zack geht es wieder runter, sogar meine Ohren knacken leicht. Scharfe Rechtskurve, scharfe Linkskurve, Fliehkräfte spüren und dann irgendwo Pause machen.

Nach dem Harz, der schnell durchfahren ist, wird es einfach nur noch langweilig. Mein Auto ohne Radio und ich mit meinen Gedanken fahren erst nach Bitterfeld, die Luft riecht wieder nach Chemiewerk und die Kilometer bis zur Autobahn ziehen sich wie Gummi. Das wird auf der Autobahn nicht besser, der einzige Nervenkitzel ist hier die Frage, ob eigentlich irgendwann mal eine Tankstelle kommt.

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Und irgendwann ist man dann in der Heimat. Ich befahre zum ersten Mal den neuen Teilabschnitt der BAB100 Stadtautobahn und es sieht wirklich wunderbar hässlich aus. Aus nachvollziehbaren Lärmschutzgründen ist alles in grau-braunen Lärmschutzbeton und übergroße Gitterzäune eingefasst. Und am Ende steht man sogar kurz vor 21:00 Uhr im Stau, weil die Ampelkreuzung am derzeitigen Ende eine Katastrophe ist.

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Nachts vom Methzombie verfolgt, Tatrabahnen verpasst und keine Thüringer Rostbratwurst gefunden. 7/10 Sternen

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Eine Antwort zu “Außeneinsatz // May26/02”

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