Vor sechzig Jahren kam eine meiner Lieblingssserien das erste Mal auf den Bildschirm: Star Trek. Die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, geschaffen von Gene Roddenberry.
Roddenberry hatte durchaus eine gewisse Vision für sein neues Projekt, in dem auch im Kalten Krieg und mit der noch frischen Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg ein friedliches Zusammenleben der Völker gezeigt wird. Die Wachmannschaft der Brücke der USS Enterprise setzte sich daher divers zusammen. Natürlich ein echter Amerikaner als Captain („Ich komme nicht aus dem All, ich arbeite dort nur. Ich komme aus Iowa!“ und eines meiner jugendlichen ersten großen Vorbilder), der außerirdische erste Offizier und Wissenschaftler Mr. Spock (Rest in Peace, Leonard Nimoy) und der grummelige Schiffsarzt Dr. McCoy (Rest in Peace, DeForest Kelley) als Führungstriumvirat. Nur zu dritt allein lässt sich ein Sternenflottenkreuzer jedoch nicht steuern. Also kamen dazu ab der ersten Staffel der trinkfreudige, schottische Ingenieur Mr. Scott (Rest in Peace, James Doohan, Weltkriegsveteran), der technische Wunder vollbringen kann; der japanische Steuermann Mr. Sulu und natürlich die erste schwarze Frau, die zum Stammensemble einer amerikansichen Serie und, das war damals auch im Rahmen der Bürgerrechtsbewegung in den USA ein kleiner Skandal, reguläre Brückenoffizierin Lt. Uhura (Rest in Peace, Nichelle Nichols). Ab der zweiten Staffel gesellte sich dann ein junger russischer Offizier zur Besatzung des Sternenschiffes: Pavel Andrejevich Chekov.
Jung, mit furchtbarer Pagenfrisur, im Weltraum noch unerfahren und etwas heißspornig, zeigte er, dass die Animosität zwischen den Supermächten und Völkern der USA und der Sowjetuntion überwunden werden und man zusammen die Weiten des Weltalls erkunden, neue Zivilisationen und neues Leben entdecken kann. Vielleicht sollten auch heutzutage wieder mehr Menschen diesem Star Trek-Ideal folgen.
Walter Koenig, der Pavel Chekov verkörperte, wuchs in Chicago als Sohn jüdisch-russischer Emigranten auf. Er stellte Chekov in zwei Staffeln und sieben Kinofilmen der Star Trek-Reihe dar.

Später „begegnete“ Walter Koenig mir in einer anderen, mir ebenso liebgewonnenen Science Fiction-Serie wieder.
In mehreren Episoden der von J. Michael Straczynski geschaffenen Serie „Babylon 5“ spielte Koenig den durchaus skrupellosen Telepathen und Geheimpolizisten Alfred Bester (benannt nach einem Autor der klassischen SciFi-Literatur).
Die Telepaten, erst verfolgt und zur bedinungslosen Mitgliedschaft in einer Sammelorganisation gezwungen, wurden mit ihrem PsiCorps („Corps is mother, Corps is father. TRUST the Corps.“) von einer verfolgten Minderheit zu einem Staat im Staate der Erdallianz, inklusive eigener Geheimpolizei. Koenig nahm seine Rolle als telepathischer Gestapo-Mann Alfred Bester ernst, er lies die Rolle nicht zu einer Karikatur eines einseitigen, fiesen und dunklen Übeltäters verkommen. Seine Motive hatten ein in der Babylon 5-Serienlogik nachvollziehbaren Hintergrund, so furchtbar dieser auch sein mochte. So „goofy“ Serien aus den 90ern auch waren, Koenig brachte eine gewisse Subtilität für diese Rolle mit und es funktionierte einfach.

Walter Koenig starb am 25. Oktober 2026 in Los Angeles, California.
Ruhen Sie in Frieden, Mr. Walter Koenig.
To boldly go, where no man has gone before…
