Außeneinsatz // Oct26/03 // Tiere gucken in Kopenhagen


// Die Zoo-Hypothese und der Kohlenstoffchauvinismus

Es gibt einige Theorien, warum die Menschheit noch keinen Kontakt zu extraterrestrischen Intelligenzen oder irgendeine Art dieser entdeckt hat, sollte es sie denn geben. Neben dem zumindest augenscheinlich griffigen Argument der unglaublichen Weite des Weltalls und der daraus resultierenden Reisezeit, gibt es die so genannte Zoo-Hypothese. Also die Erde und die auf ihr angesiedelte Menschheit ist ein planetengroßer Zoo und wir als Zivilisation sind unterhaltsam oder anthropologisch interessant genug, um beobachtet zu werden. Aber Vorsicht! Bitte nicht die Einwohner füttern oder streicheln! Bitte klettern Sie nicht über die Absperrungen!

Meiner Meinung nach könnte die Nichtentdeckung nicht-irdischen Lebens auch auch am Kohlenstoffchauvinismus der Erdbewohner liegen. Ja, das ist ein weiterer -ismus, mit dem Sie sich möglicherweise auseinandersetzen müssen. Üben Sie Selbstkritik! Kohlenstoffchauvinismus bedeutet, dass wir quasi nur nach kohlenstoffbasiertem Leben Ausschau halten, weil wir uns andere Arten des Lebens gar nicht vorstellen können oder wollen.
Das gilt aber auch für das menschheitliche Verständnis für Physik, in dem bestimmte Konstanten unumstößlich oder nicht umgehbar sind, wie zB die Lichtgeschwindigkeit.

Jedenfalls besuchten wir den Zoo Kopenhagen. Man kann von außen auf die Tiere gucken, aber anders als die meisten Erdbewohner, die sich keine Gedanken um die Zoobesucher von JWD machen, wissen die meisten Insassen hier, dass sie beobachtet werden.

Der Besuch beginnt wie immer beim Einlass, wo erstmal dänische Prenzlmom Nummer 1 mit dem Verkaufspersonal über irgendetwas diskutiert. Leider bekommt man am Verkaufsstand keine richtige Eintrittskarte aus dickerem Papier, die man sich dann an Pinwand oder Kühlschrank hängen kann, sondern einen kleinen ausgedruckten Zettel, der wie ein Pfandbon wirkt und mit einem QR-Code versehen ist. Den hält man dann vor den Scanner der Drehschranke. Trotzdem müssen neben den Schranken Menschen stehen, die einem in die Benutzung der Menschenvereinzelungsanlage einweisen.

Danach erstmal was futtern. Klar, so ein Zoorestaurant wird übermäßig teuer sein, aber was solls. In Dänemark ist sowieso alles teuer (außer Parken). Ich habe Pommes mit zwei panierten Fischscheiben. Die Pommes sind etwas labberig und der panierte Fisch durchaus knackig, aber trotzdem nicht unlecker und es gibt dazu frischen Salat und diese wirklich gutschmeckende dänische Remoulade.

Auftritt dänische Prenzlmom Nummer 2. Ich, bzw wir, sitzen an einem Tisch, da kommt sie mit ihrem übermäßig großen Kinderwagen mit einem kleinen blonden dänischen Kind angeflogen und fährt ihren Wagen erstmal gegen meinen Stuhl. Das stört sie nicht sonderlich, sie nimmt den Wagen zurück und fährt an mir vorbei. Aber der Platz da hinten gefällt ihr nicht, also wendet sie ihren Supertanker-großen Kinderwagen und stößt gegen einen anderen Tisch. Stört sie auch nicht. Zurück an mir vorbei macht der Muttisupertanker eine große Drehung und dampft Richtung Fensterplatz, der ihr aber auch nicht gefällt. Also bleibt sie stehen und erstarrt. Natürlich mitten in einem Gang. Um sie herum versuchen nun alle anderen, sich mit ihr zu arrangieren, aber es stört sie nicht.
Damit haben wir das erste Gehege schoneinmal abgehakt. Homo prenzlbergensis, sehr interressant. Das werde ich nach Hause telephonieren müssen. Ich hätte ja gerne Photos von diesem Exemplar gemacht, aber diese Spezies reagiert darauf immer sehr gereizt, vor allem bei Blitzlicht. Und warum sehen die typischten Vertreter dieser Art immer so etwas speckig aus?

Der Kopenhagener Zoo ist recht klein, leider auch die Gehege der Tiere. Das ist im Berliner Zoo auch so, deshalb hat Berlin als sozialistische Errungenschaft auch den Tierpark Friedrichsfelde, der seinen Tieren um einiges mehr Auslauffläche bietet und in dem man auch abseits der Tiere einfach sehr schön spazierengehen kann. Gut, das ist auch schwer zu schlagen, denn der Tierpark Friedrichsfelde ist der größte seiner Art in Europa.

Es gibt hier einen großen Turm, auf den man raufsteigen könnte, der ist aber wegen Reparaturarbeiten geschlossen. Schade!

Da der Zoo klein ist, kommt man schnell an die Gehege der ersten größeren Tiere. Löwen. Wildkatzen sind schon sehr elegante Wesen und es ist auch witzig, wenn diese Verhaltensweisen aufzeigen, die denen der Hauskatzen ähneln. Der Löwe ist kein sehr aktives Tier, die meiste Zeit liegt er herum. Und warum auch nicht? Einmal jagen und fressen am Tag, was insgesamt sich zu einem 2-Stunden-Arbeitstag zusammenfasst. Herrlich!

MIAU!

Aber da der Zoo klein ist, ist es auch das Gehege der Löwen. So richtig viel Jagen können Sie ja hier nicht – das würde auch die Besucher verschrecken, denke ich – also muss Raubkatze sich anders beschäftigen.

Äh, ja. Gut. Weiter geht es.

Das Berliner Wappentier. In der frühen Nachmittagszeit noch im Mindset Mittagspause. Der Kollege schläft währenddessen in einem Loch. Dit is Berlin, wa?!

Es gibt auch einen Eisbär, der sah aber sehr traurig aus. Eigentlich sah der Berliner Braunbär auch traurig aus, aber so ist das, wenn man in einer Großstadt wohnt und das vielleicht eigentlich gar nicht möchte. Das ist für mich sehr gut nachvollziehbar. Das Großstadtleben ist keine artgerechte Haltung, für niemanden.

Der Kopenhagener Zoo hat aber auch ein paar wirkliche Hingucker. Da sind zum einen die Elefanten.

Kleine Zottelviecher, dahinter Elefanten

Sogar Nachwuchs hatten sie und so ein kleiner Elefant ist schon eine sehr niedliche Sache. Überhaupt ist es faszinierend, den Tieren bei der fachkundigen Nutzung ihres Rüsselwerkzeuges zuzusehen. In Echt ist es noch beeindruckender als in einer Fernsehdoku, wie gut sie mit dem Rüssel Dinge manipulieren können.

Und zum anderen:

Pandas! Und oh je sind die Viecher süß! Das ist wahrscheinlich ihre Überlebensstrategie inzwischen: einfach so niedlich und harmlos zu wirken, dass die Menschheit diese Spezies einfach am Leben erhalten MUSS.

Verspielt sind die süßen Viecher auch, vor allem, wenn es darum geht, an Fressen zu kommen.

Denn das ist auch das, was der handelsübliche Panda die meiste Zeit macht: Fressen. Bambus wächst schnell und so ziemlich überall, ist aber auch nicht so nährreich, dass ein oder zwei Pflänzchen reichen. Der Panda futtert einfach den ganzen wachen Tag über Bambus und sieht dabei unglaublich niedlich aus.

Dass sie stets auch etwas tollpatschig unterwegs sind trägt natürlich ungemein zum Aaaaaaaaawwwwwwwwww-Faktor bei.

Ach ja, süße Viecher. Die beiden Pandas des Kopenhagener Zoos heißen Mao Sun und Xing Er. Wie alle diese Bären sind auch die Genossen Mao und Xing chinesische Staatsbürger, sie gehören quasi der VR China und werden an die Tierparks sozusagen ausgeliehen. Meist in Begleitung diplomatischer Offerten.

Es gibt auch ein Panda-Restaurant in dem Zoo, da sitzen Sie dann auf Ebene des Geheges und der Panda und Sie können sich gegenseitig beim Fressen beobachten. Kostet aber extra. Aber das ist immernoch besser als im Berliner Zoo, wo einem wieder jeder Cent aus der Tasche gezogen wird. Dort müssen Sie extra zahlen und einen Termin vereinbaren. Bürgeramtstermin is nich, aber Pandas gucken. Gegen Aufpreis. Dit is meine Heimat.

Was gibts noch?

Känguruhs, bei welchen man sogar in das Gehege darf. Und die sich fast lautlos, aber schnell, fortbewegen. Eines sprang direkt an mir vorbei und ich hätte es nicht bemerkt, hätte ich es nicht direkt angeschaut. Schön auch, dass Kanguruhs einen stets skeptischen Gesichtsausdruck aufweisen, sollte man denn menschliche Maßstäbe anlegen (siehe Kohlenstoffchauvinismus).

Noch ein paar Bilder:

Manchmal fragt man sich, wer hier wen beobachtet.
BULLENSCHWEINE!

Alles in allem ein durchaus netter Tierparkbesuch, auch wenn, wie geschrieben, die Gehege so ziemlich alle recht klein geraten ist. Es gibt natürlich auch noch einige andere Tiere mehr in dem Zoo, aber das soll hier ja keine Tierparktierekatalogisierung sein.

Und nach dem Ende des Zoobesuches setzen wir uns mit vielen anderen Menschen in ein Gefährt, dass für ein Wombat komplett unerklärlich ist, viele Lichter außen und innen hat, die sich der Wombat womöglich nicht erklären kann. Es bringt uns dann mit einer für einen Wombat nicht vorstellbaren Geschwindigkeit durch eine Art erleuchteten Tunnel zu einem anderen Punkt des Universums. Würde das Wombat seinen Artgenossen erzählen, dass es so etwas gibt, käme wahrscheinlich sofort ein Skeptiker angelaufen und erklärte dem Wombat, dass so etwas gar nicht möglich sei. Natürlich buddele man selbst auch Tunnel, aber Tunnel in denen seltsame Lichter scheinen und mit großeren Tieren, in die die anderen großen Tiere einsteigen und die ebenfalls Lichter außen und innen haben und die dann den Tunnel entlanglaufen? Oder rollen? Tiere, die Rollen unten dran haben? Unmöglich. Die reinste Spinnerei, die das bezeugende Wombat da von sich gibt.

Der Wombat-Skeptiker vergräbt sich vollgefressen in der Wombat-Version des Kohlenstoffchauvinismus.

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