Logbuch // 30sep26


„Leiche im Tegeler See gefunden“ Klick. Gefällt mir. Klick.
Warum klickt man bei so etwas auf „gefällt mir“? Steht dann in der social media timeline „Eine Leiche wurde im Tegeler See gefunden – das gefällt dir!“? Vielleicht sollte die Kriminalpolizei die Liste der Leute und social media bots durchgucken, ob da der Täter dabei ist. Obwohl es der täternden Person wohl eher nicht gefallen wird, dass die Leiche im Tegeler See auffindbar war. Klick. Gefällt mir.

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Und was ist eigentlich in Köpenick und Baumschulenweg los? Schweineöde kennt man aus den 90ern noch als Neonazi-Shithole, in dem man besser nicht wie ein Ausländer oder eine Zecke aussah, sonst gab es was auf’s Maul. Von so richtigen echten Neonazis mit weiß beschnürsenkelten Springerstiefeln, freiwilligem Haarausfall und loNSDAale-Jacke, teils mit Baseballschläger und Schlagringen. Ist fast vorbei der Spuk, es gibt wohl noch ein paar uralt-Kneipen, aber die NPD ist so ziemlich verstorben. Naja. Follow your leader!

Aber jetzt: Mehrere Schießereien in den letzten paar Monaten, jetzt diese Nacht erst wieder. Im so beschaulichen Baumschulenweg. Gut, man muss sagen, der Stadtteil ist voll geworden. Als ich dort eine Zeit lang wohnte, war es eine kleine, ruhige Gegend. Viel Grün, viel Wasser, wenig Leute. Aber jetzt ist es laut und dreckig und zugesiedelt. So viele Leute auf einmal, das erzeugt natürlich Zivilisationsdruck, aber muss man gleich zur Schusswaffe greifen?
Nein, ich vermute eher, es werden wiedereinmal Auseinandersetzungen um Drogen, Geld, territoriale Ansprüche oder als super-dämlicher Grund irgendwelcher social media beef sein.
Glauben Sie nicht? Letzteres hat tatsächlich (allerdings im Wedding, wenn ich mich recht entsinne) zu Schießereien geführt. Weil sich zwei oder mehr Leute aus diversen Millieus auf instragram in die Wolle bekamen. Klick. Gefällt mir!

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Der rbb kümmert sich derweilen um die wirklich wichtigen Hauptstadtthemen:

screenshot rbb24.de 30sep26

Beim rbb gibt es keinen „Gefällt mir“-Knopf. Wurde vielleicht eingespart, weil das Ruhegeld für ex-Intendanten so hoch ist, dass der komplette Sender entkernt wurde. Und ja, ich trauere immernoch dem alten inforadio-Programm hinterher. Angenehme Stimmen, interessante Sendungen. Jetzt: 40jährige, die sich wie Ersties im Journalistikstudium benehmen. Dislike!

screenshot rbb24.de 30sep26

Ich krieg die Krise: der Beitrag ist ein dank Hochformat titktok-brainrot-fähiges animiertes Video zu „Potty Parity“. Infantilisierung pur. Poopoo, potty poopoo. Gemeint ist, dass Frauen genau 1,6mal mehr Toiletten bräuchten, als Männer, weil sie für den Behördengang mehr Zeit benötigen und es damit zu Schlangen vor dem Bürgerinnenbüro kommt.
Gender Bathroom Gap hörte sich wohl zu erwachsen an. Bubu wutzi dutzi. Ich zahl fast 20€ pro Monat für den rbb-Blödsinn. Der Springerkonzern mag widerlich sein wie er will, aber auf der Webseite der BZ Berlin gibts immerhin Bilder von den ganzen Polizeieinsätzen. Klick. Das gefällt mir!

Nichts darf man mehr heutzutage!

Es gibt übrigens einen Verein – Buschfunk e.V. – der such für die Potty Parity einsetzt.

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Buschfunk. Ehrlich jetzt?

Ich dachte erst ich bin zu infantil, aber das bin nicht ich. Das meinen die wirklich so.

Mir fallen zu viele derbe Wortspiele ein…

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Falls Sie mich jetzt als üblen Misogynisten sehen, könnense dit stecken lassen (ha ha!), ich hab mehr zum Empowerment von Frauen in einem Männerberuf und damit zur Gleichberechtigung geleistet, als es Sophie und Antonia vom Toilettengleichberechtigungsverein je tun werden.

Es gibt so viele Dinge, für die man sich engagieren kann. Und dann kommt man beim Klogang an. Entschuldigt Mädels, aber da ist mir Herr Stimpel vom Fußgängerverein Fuß e.V., der eScooteridioten und Fahrradfaschos aktiv abnervt, echt sympathischer.

Aber gut, Deutsche müssen sich Ideen qua Volksseele immer tausendprozentig verschreiben und somit mordeten unsere Ur- und Großeltern quer durch Europa; da ist es vielleicht besser, wenn diese fast-religiöse Energie lieber per Buschfunk e.V. kanalisiert wird. Wären Sie in, keine Ahnung, einen Fußballverein oder eine x-beliebige Freiwillige Feuerwehr eingetreten, hätten die Damen mehr zur Emanzipation beigetragten. Nun ja.

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Heute gibts Reis mit Hühnchen-Erdnusssoße. Klick. Das Gefällt mir!

Hühn-Chen guuuuut.
(Luc Besson, Das Fünfte Element)

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