// Ein Trauerspiel
Es ist endgültig in Berlin angekommen: Fentanyl. Ein sehr starkes Opioid, eigentlich zur Schmerzstillung bei akuten schweren Verletzungen oder bei chronischem Schmerzleiden. Es ist billig herzustellen und bereits kleinste, wirklich kleinste, Mengen haben bereits große Wirkung. Ich hielt neulich erst eine Probe dieser Substanz in flüssiger Form in einer Spritze in der Hand, aber ich darf das. Das ging danach auch direkt in einen Menschen rein; ich konnte dem Menschen dabei zusehen, wie sehr sich das ganze Organsystem entspannte, sich zurücklehnte und einen kleinen Seufzer der Schmerzfreiheit hervorbrachte.

Westberlin hatte seit den 60ern (und wohl auch schon davor) eine recht bekannte Drogenszene in der vor allem Cannabis und Heroin vertreten waren. Siehe Christiane F. und die anderen Kids vom Bahnhof Zoo. Ist seit dem nicht besser geworden, die Gegend, aber anders.
In der Hauptstadt der DDR war dies nicht vorhanden. In der DDR wurde sich mit billig industriell herstellbarem Weinbrand und legalen Mitteln der Pharmazie, wie zB Barbiturate und Benzodiazepine, weggeschossen und zwar in der Kneipe oder den eigenen vier Wänden, aber nicht vor dem heutigen Ostbahnhof, der im Jahr 2026 dem Westpendant Bahnhof Zoo in nichts mehr nachsteht. Würde ein heutiger Junkie 1979 vorm Ostbahnhof (damals Hauptbahnhof) abhängen, käme aber in Windeseile die Volkspolizei.
Auch durch die so wunderbare Globalisierung und die ebenso wunderbare Berliner Clubkultur (our tax dollars at work, by the way) fanden auch andere Rauschmittel zu der Berliner Drogenszene und den geneigten Konsumenten. Ist Ihnen mal aufgefallen, dass Globalisierungskritik jetzt nicht mehr fester Bestandteil von „Linkssein“ ist? Aber ich schweife ab.
In Berlin kriegen Sie eigentlich alles. Auch ich hatte schon den Flyer vom Drogentaxi im Briefkasten. Whatsapp genügt; es ist einfacher, sich das Zeug nach Hause liefern zu lassen, als einen Personalausweis zu beantragen. Ich habe kein whatsapp. Das Drogentaxi ist, wenn man das mal beobachtet, super auffällig. In meinem Muttibezirk bezeugt: Irgendein richtig fahrig wirkender Typ steht am Straßenrand, ein Audi mit Araber drin hält an. Typ steigt ein, beide fahren 50 Meter die Straße herunter und der fahrige Typ steigt wieder aus, um einiges fröhlicher wirkend, weil er jetzt seinen Stoff hat. Dann gönnt er sich eine kleine Nase, direkt auf der Straße. Leben kann so schön sein.
Bahnhof Zoo, Leopoldplatz, kleiner Tiergarten: drei der größeren öffentlich sichtbaren Drogenkonsumräume in der Berliner Republik. Aber sie sind inzwischen überall. Auch, weil man am Leopoldplatz die Nase voll hatte. Die Platzbewohner die Nase voller Drogen, die bürgerlichen Anwohner die Nase voll vom harten Geruch der drogenbegleitenden Obdachlosigkeit. 2024 war es, meiner Meinung nach, am Schlimmsten. Meine Kollegin und ich stiefelten mit Sack und Pack die Stufen zum U-Bahnhof Leopoldplatz herab mit dem Auftrag, einen hilf- oder gar bewusstlosen Obdachlosen zu suchen. Auf der Bahnhofsebene angekommen fragten wir uns, welcher denn jetzt gemeint war, so viele lagen da herum.
Seit dem wurde am Leo aufgeräumt und die Drogenszene verlagerte sich einerseits zum kleinen Tiergarten und anderseits einfach in alle der angrenzenden Nebenstraßen. Im Görlitzer Park versuchen die Stadt und der Bezirk irgendwie dem sehr offenen Drogenverkauf entgegenzuwirken und das mit nicht einmal nur mäßigem, sondern gar keinem Erfolg, was auch daran liegt, dass Stadt, Bezirk und Bürger vor Ort alle irgendwie gegeneinander arbeiten, auch aus ideologischen Gründen. Laut den Grünen zB wären größere (und auch nur kurz wirksame) Polizeieinsätze bspw purer Rassismus, weil die Drogendealer häufig nicht-weiße Hautfarbe haben. DIe CDU wollte einfach einen Zaum drumherumbauen und dann würde sich das Problem schon irgendwie von selbst lösen. Das Land Berlin als Entität hat keine Ahnung, wie es den immer weiter steigenden Zahlen an Drogenkonsumenten und -Toten noch begegnen will.
Aber das Problem ist hausgemacht. Jahrzehntelange laissez-faire-Attitude, das Alles-was-geht-Prinzip Berlins und auch die sehr drogenaffine, teils mit Steuergeldern unterstütze, Partyszene führten zu den heutigen Zuständen. Achtung Häresie: Die Berliner Clubkommission mag einerseits Kultur sein, ist andererseits aber auch einfach nur eine gut vernetzte hedonistische Drogenszene. Der Unterschied zum Tweaker vom U-Bahnhof Osloer Straße zum Clubkommissionsmitglied ist so in etwa wie der Unterschied vom Weißweinalkoholiker im Borchart zum Spritti vom Aldiparkplatz in Bernau.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich hab absolut nichts dagegen, dass Leute Drogen konsumieren. Das Leben ist so wie es ist und unsere Gesellschaft auch und das ganze dann dauerhaft nüchtern ertragen?! Wer’s mag! Das Problem ist halt leider, dass alles Handeln immer auch Risiken und Nebenwirkungen zweiten und dritten und vierten usw Ranges hat (fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker).
Organisierte Kriminalität gehört auch zu den Risiken und Nebenwirkungen, denn was glauben Sie, woher die ganzen Pillen und Pulver kommen?
Zum Heroin (1898 von den Bayer-Werken synthetisiert und patentiert), das recht billig aus Südostasien und dem mittleren Osten bezogen werden konnte und eher ruhig stellt, sollte man denn nicht entzügig sein, gesellten sich dann in der Straßenszene auch Aufputschmittel, welche zu wahrlich psychotischem Verhalten führen. Crystal Meth aus Osteuropa überschwemmte ab so den 2010er Jahren die Drogenszene. Leute, die wild schreien oder mit sich selbst oder mit Ampelmasten reden oder kämpfen, gehörten von nun an zum Berliner Alltag. So ziemlich jeder Bürger hat die Erfahrung mit einem völlig der Realität entrückten Menschen in der S-Bahn gemacht. Dazu kam auch Kokain, schon sehr lange eine Modedroge der Besserverdienenden, in der prekären Drogenszene an.
Der Nachschub an Heroin aus dem so genannten Goldenen Dreieck (Südostasien) und dem Goldenen Halbmond (dem mittleren Osten) wurde schwieriger. Der Bezug aus Afghanistan brach mit dem Kollaps der westlich gestützten Regierung in Kabul und dem etwas panischen Rückzug der NATO-Truppen aus dem Land komplett weg, denn die Taliban gingen sofort gegen den für das Heroin benötigten Schlafmohnanbau vor.
Somit brauchte die nicht so legale globale Pharmaindustrie Ersatz und den fand sie im richtig billig synthetisierbaren Fentanyl. Dazu braucht man nicht einmal eine unterstützende Argarwirtschaft, wie sie für Schlafmohn nötig ist. Kann man alles im Labor machen. Die so gennanten Precursors, also die Stoffe, die man für die Synthese braucht, sind in Massen aus zB der VR China bezugsfertig. Fentanyl lohnt sich für die Drogenlogistiker auch, weil bereits kleine Mengen große Gewinnmargen versprechen. Fenta wird zum einen als Streckmittel, aber auch als vollwertig angesehenes Rauschmittel als Heroinersatz verwendet. Das Problem mit dem Fentanyl ist halt, dass sehr kleine Mengen die große Wirkung erzielen. Das macht es auch sehr schwer zu dosieren. Im legalen medizinischen Bereich ist das recht gut machbar; man verdünnt einfach so lange, bis man gut handhabbare Dosen hat. Bei größeren illegalen Laboren, die teilweise dem Schering-Werk im Wedding in nichts nachstehen, ist das auch noch möglich, aber bei kleineren und auch dilletantisch ausgeführten Operationen sieht das wieder anders aus. Somit sind in der Szene teueres Heroin mit unbekannten Mengen billigem Fenta als Streckmittel im Umlauf. Überdosierungen werden somit sehr wahrscheinlich.
Und dazu kommt noch ein Problem: Kreuzkontamination. Es werden gerade bei den kleineren Laboren nicht nur eine Droge hergestellt, sondern mehrere. Werden Geräte, Verpackungsutensilien oder auch nur Hände und Arbeitsflächen nicht wirklich ordnungsgemäß gereinigt, geraten Spuren oder gar Bröckchen des Opioids auch in andere Rauschmittelzubereitungen, vor allem Kokain und Ketamin, welche ebenfalls meistens in Pulverform vorkommen. Der Konsument nimmt dann unwissentlich ein Opioid in ungewisser Menge zu sich und gerät ebenfalls in die lebensbedrohliche Überdosierung.
In der letzten Woche hatte Berlin Fälle, in denen die Konsumenten von THC-Gummibärchen zusammenbrachen. In Neukölln starb dadurch ein 42-Jähriger. Denn THC-Gummibärchen sind de facto hier nicht legal und werden entweder aus der THC-Industrieproduktion aus den USA hergeschleust oder aber lokal hergestellt. Das Industrieprodukt wird sicher für den Konsum sein, die lokale Variante nicht. Meine Vermutung ist, dass die Charge an THC-Gummis, die gerade im Umlauf ist, genau diese Kreuzkontamination aus einem eher unprofessionellem Herstellungsbetrieb vorweist. Ich bleibe bei den Saftgoldbären, danke.
Das Betrifft natürlich auch alle anderen illegalen Drogen, egal ob Gummibär, Pülverchen oder Pille. Der Drogenkonsum ist damit wieder gefährlicher geworden für den Nutzer.
Akut kann man bei Opiatintoxikationen recht gut handeln, handelt man denn früh genug. Es gibt ein einfach zu applizierendes Antidot namens Naloxon (im Englischen auch als Narcan bekannt). Naloxon besetzt die gleichen Rezeptoren wie ein Opiat, aber besser. Wir nennen das einen kompetitiven Antagonisten. Das Problem ist, dass Naloxon eine kürzere Wirkdauer (ca 30min) hat, daher muss bei der Opiatintox irgendwann das Antidot nochmal nachgeschossen werden, ansonsten fällt der Patient wieder in seine Intoxikation. Die Gabe kann im Erstangriff über ein Spray oder eine Spritze mit einem Vernebleraufsatz appliziert werden, denn das geht schneller als das Finden einer geeigneten Stelle für den peripher-venösen Zugang bei jemandem, der sich ggf durch intravenöse Drogennutzung schon alle gut erreichbaren Venen zerstochen hat und jetzt nicht atmet. Die Zeit läuft.
Erkennen lässt sich die Opiatintoxikation auch gut: Schwer erweckbar bis komatös, flache bis gar keine Atmung und sehr enge Pupillen, bei größeren Dosen tatsächlich Stecknadelkopfgroß. Diese so genannte Atemdepression ist auch das Gefährliche an der Überdosierung. Denn, wer hätte es gedacht, wenn man nicht atmet, stirbt man. Aber auch wenn man überlebt, kann diese Hypoxie zu neurologischen Folgeschäden führen, was nicht hilfreich ist, wenn Körper und Geist durch die Drogen schon so geschädigt sind.
Was tun? Laut ansprechen, schütteln. Wenn keine Reaktion, dann Atmung überprüfen. Bei vorhandener Atmung in Stabile Seitenlage, bei nicht vorhandener Atmung Herzdruckmassage. Den frühzeitigen Notruf 112 nicht vergessen. Achten Sie stets auf Ihren Eigenschutz. Wenn der Rettungsdienst ankommt, rennen Sie nicht sofort weg, sondern warten Sie beim Patienten, bis die Kollegen mit samt dem Material neben Ihnen sind. Bleiben sie für eventuelle Nachfragen anwesend, aber mit etwas Abstand. Thank your for your cooperation.
Vor der hochpreisigeren Kaufhalle in meinem Muttibezirk steht ein Mann, dessen Oberkörper so heftig nach vorgebeugt ist, dass man denkt, er müsse jeden Moment nach vornüber fallen, er tut es aber nicht. Er steht nur so, seine Atmung ist etwas schnarchend. Ein Kind fragt seine Mutter, was er da macht. Sie weiß es nicht. Aber ich weiß es, sage nur nichts. Er ist eine Fentanylzombie, die gebeugte Haltung klassisch. Opiatsüchtige, die von Heroin gezwungenermaßen auf Fentanyl umsteigen, berichten, dass die Droge nicht nur stärker in der akuten Dosis ist, sondern auch geistig viel mehr abfuckt, als das klassische Heroin. Der Mann schüttelt sich ein wenig im Wind, aus seiner Brusttasche fällt eine kleine Glaspfeife, denn Fentanyl kann man auch rauchen. Die Mutti macht nichts. Ich mache auch nichts, denn es gibt hier nichts zu tun. Wir wüssten auch gar nicht, was wir tun sollten. Mein Zuständigkeitsbereich ist erst dann berührt, wenn er umfällt, was er nicht tut. Und die Stadt tut auch nichts.
Mutti, Stadt Berlin und ich haben alle keinen Ansatz, wie wir dem wirksam begegnen können. Es gibt Drug Checking, wo sie ihre Substanzen abgeben und in einem Labor prüfen lassen können, doch das dauert Wochen und bei Pulvern können sie trotzdem nicht sicher sein, dass nicht gerade die Probe kein Fenta hat, aber irgendwo anders doch ein Krümel davon drin ist. Und richtige Junkies machen kein Drug Checking, sie haben Suchtdruck, sie brauchen Ihren Stoff JETZT.
Die Drogenhilfsangebote sind auch nur Symptombekämpfung. Ich bin mir nicht so sicher, ob diese Angebote die offene Drogenszene nicht sogar verfestigen. Was sie auf jeden Fall tun, ist eine Gefahrenreduktion, in dem Drogensüchtige sauberes Spritzbesteck bekommen und sich zur Epidemie der Obdachlosigkeit und Drogensucht nicht auch noch eine der Infektionskrankheiten gesellt. HIV und Hepatitis haben bis in die 2000er viele Leben gefordert, wenn es vorher nicht schon die Drogen taten. Auch heute noch haben vor allem Nutzer intravenöser Aufnahmemethoden HIV.
In den USA, dem Mutterland der Opiatkrise, sind einige „progressive“ Städte von der Ausgabe von sauberen Spritzbesteck dazu übergegangen, an Drogennutzer einfach direkt fentanylfreie Opiate abzugeben, was ein totaler Fehlschlag war und die Drogenszene nur konsolidierte. Straßen und Parks voller Fentanylzombies – und das ist keine Übertreibung – werden einfach hingenommen.
Sämtliche Drogenhilfsprogramme haben auch in Berlin in keinster Weise dazu beigetragen, die Zahlen an Drogennutzern einzudämmen. Es ist einfach nur ein Managen des Verfalls. Diese Programme sollen unter der möglichen neuen linken Regierungskoalition in Berlin ausgebaut werden, aber ich befürchte, auch das wird nicht helfen. Was sie absolut nicht tun sollten, ist es, ebenso mit der ungeprüften Abgabe von Suchtmittel zu beginnen. Aber ich bin auch ratlos, habe keine Lösungen. Ich helfe auch nur beim Managen, versorge die Betroffenen und bringe sie in Notaufnahmen, aus denen sie dann später entlassen werden oder selbst wieder auf die Straße fliehen. Die Krankenhäuser haben keinerlei Kapazitäten für diese Menschen und um ehrlich zu sein, beim Rettungsdienst und in den Notaufnahmen schwindet auch die Empathie. Diese Menschen sind, auch auf Grund der Drogen, eine im Umgang durchaus schwierige Klientel. Stellen Sie sich vor, sie könnten vor dem abgefuckten Schreier in der S-Bahn nicht einfach in den nächsten Wagen fliehen, sondern Sie müssten sich aktiv mit ihm auseinandersetzen, mit ihm Reden oder ihn sogar berühren und untersuchen.
Die Drogenhilfsprogramme wollen auch ein Tor zur möglichen Therapie sein, aber wie bei den meisten Süchtigen ist der Wille zur Genesung eher gering. Und sie können hier niemandem zum Entzug zwingen. Dazu können auch die Orte der Drogenhilfe zu einem Umfeld zunehmender Verwahllosung führen. Ein Hamburger Hilfsprojekt an einem Park machte diesen für alle anderen unbenutzbar, am Zaun und vor dem Eingang einer nahe gelegenen Kindertagesstätte fanden sich gebrauchte Nadeln, Spritzen, menschliche Hinterlassenschaften und bewusstlose Drogensüchtige.
In autokratischeren Ländern werden solche Leute zwangseingewiesen und weggesperrt. Die Todeszahlen sind hoch, die Behandlung meistens nicht menschenwürdig, sollte es denn überhaupt eine Behandlug geben.
Die polizeiliche Bekämpfung der Drogenkriminalität, also vor allem dem Schmuggel und dem Handel, ist ein Kampf gegen eine Hydra. Dieser Kampf kann eigentlich nicht gewonnen werden. Für jede Ladung Pulverschnee, der von der Hamburger Hafenbehörde hochgenommen wird, kommen mehrere andere Container durch. Es steckt viel Geld im Drogenhandel. Und viel Leid.
Ich hatte ein bisschen gehofft, dass die Legalisierung von Cannabis der Drogenszene etwas Einhalt gebietet. Einerseits weil Leute dann irgendwo legal ihr Gras kaufen oder selbst wachsen lassen können und somit über Dealer nicht auch an andere Stoffe herangeführt werden. Andererseits war meine Hoffnung, dass Leute somit sich einfach die Birne wegbuffen könnten, ohne dazu harten Stoff zu brauchen. Aber verschiedene Drogen wirken anders und das harte Zeug macht auch hart euphorisch, was in einem Leben voller Leid wohl dringend gebraucht wird.
Wir haben keine einfachen Lösungen. Zudem ist das Drogenproblem auch in einem Kontext mit Armut, Obdachlosigkeit und psychiatrischen Erkrankungen zu sehen. Hier wirklich wirksam vorzugehen würde eigentlich einen Umbau des gesellschaftlichen Systems bedeuten, was aber keine Wahlpolitik in Legislaturperioden leisten kann.
Berlin ist aber auch ein Magnet. Viele der Patienten, die ich versorge, stammen nicht aus Deutschland, häufig aus Osteuropa, vor allem Polen, wo solche Umtriebe in der Öffentlichkeit nicht geduldet werden und man hart dagegen vorgeht. Das verdrängt vor allem. Wie im Kleinen, wo die Drogensüchtigen dann vom Leopoldplatz zur bereits bestehenden Szene im kleinen Tiergarten übersiedeln, so im Großen und Obdachlose aus anderen Staaten suchen dann Zuflucht in Berlin, wo sie in der Öffentlichkeit zumindest ignoriert werden, aber auf jeden Fall schlägt die Polizei sie hier nicht in einer dunklen Ecke zusammen. Meistens.
Ich prophezeie, dass es nicht besser werden wird. Weder für die Drogennutzer, noch für Sie und mich.
Denn während der Zustand für Süchtige wirklich schlimm ist, ist er es auch für die normale Bevölkerung. Sich täglich mit Leuten auseinandersetzen zu müssen, die nicht mehr Teil der irdischen Realität sind, ist anstrengend. Einfach nur mit der U-Bahn fahren, ohne entweder durch Wolken von gerauchtem Crack oder Meth laufen oder sich mit dem Entrücktem den Park zu teilen ist keine schöne Lebensqualität. Zudem diese Leute auch gefährlich werden können, sorgen Drogen auch für erhöhtes Aggressionspotential und auch für Beschaffungskriminalität. Diese könnte man tatsächlich etwas durch die freie Abgabe von Drogen mindern, aber dieses Konzept hat dann halt wieder andere Nach- und Nebenwirkungen.
Ich befürchte, dass der Zug schon abgefahren ist. Wir haben keine guten Lösungen.
