Logbuch // 10sep26


// ABC-Alarm

Sie bekamen es vielleicht mit: heute war bundesweiter Warntag. Katastrophenschutzsirenen und Alarme auf Mobiltelephone wurden auf Funktion getestet. Gut, dass jemand im Bundesministerium des Inneren das Feingefühl hatte, das nicht am morgigen 11. September durchzuführen.

Ich, Nachtarbeiter, befand mich zu dem Zeitpunkt noch im tiefen Schlaf der Hilfsbereiten und Gerechten. Das Telephon sollte man ja eigentlich zur besseren Schlafhygiene nicht mit im Schlafzimmer haben, aber ich bin irgendwann Nachts bei einem youtube-Video eingepennt. Somit riss mich das aufgeregte Piepen meines (Achtung, kleine Werbeunterbrechung:) uralt-fairphones (möglichst keine Resourcen aus Sklaventreiberproduktion und dafür recycelt) aus dem Schlaf.

Ich bin von der Arbeit so meldergeschädigt, ich habe nichtmal die Benachrichtigungen für eingegangene Anrufe oder SMS (ja, es gibt noch Leute, die solch archaische Kommunikationswege nutzen) an. Ich habe mehrere Freunde, die in Freiwilligen Feuerwehren aktiv sind. Das schließt das Tragen des Melders im Alltag mit ein. 24/7 alarmierbar. Ich könnte das nicht. Schon auf Arbeit macht mich der Gedanke, jederzeit sofort abrufbar zu sein, inzwischen ein bisschen kirre (Zeit für einen Berufswechsel), aber ich weiß, dass der Zustand morgens irgendwann zwischen 0615 und 0645 Uhr endet. Und sowas dann im Alltag? Oh je oh je ohje.

Das nicht unterdrückbare Alarmsignal des Telephons lies mich sofort aus meinem Bett hochschnellen, ich wollte sogar nach den Schuhen greifen, die sonst neben dem Bett meines Wachenruheraumes stehen. Alarm quittiert, ein leises „Aalteeeeeer, bist du durch, Junge“ flüstern und dann realisieren, dass ich wieder liegen kann. Ich schlafe wieder ein.

Bis dann irgendein Vollhonk an der Wohnungstür klingelt und dann klopft. Ich bleibe liegen. Dann stehe ich auf und schleiche mich zur Tür, um zu spionieren, welcher Vertretersack hier wieder rumlungert. Keiner mehr da. Wer lässt eigentlich immer diese Leute ins Haus?
Ich kann nichteinmal an der Klingel ein Schild anbringen „Nicht klingeln, nicht klopfen, hier wohnt der Wachenvampir!“, weil man damit nur Leute mit strafrechtlich relevanten Bedürfnissen zu Spontanbesuchen der Wohnung animiert.

Ich kann das alles nicht mehr.

Wenn Sie übrigens als Schichtdienstmensch Schlafprobleme haben, sind alle guten Ratschläge der Apothekenrundschau hinfällig. „Sorgen Sie für konsistente Schlafzeiten“. Tja, guter Witz. Ich meine, der Rat ist sinnvoll, aber sorgen Sie mal für konsistente Schlafzeiten bei einem rotierenden Dienstplanmodell, wo teils Nachts, teils Tags gearbeitet wird. Ich habe das ja für mich gelöst, in dem ich nur Nachts arbeite, was den Dienstplaner in den Wahnsinn treibt (und weil ich in meiner Freizeit nie auf seine Anrufe reagiere!). Ich war schon immer eher die Nachteule. Das ist entwicklungsbiologisch bedingt, denn es muss im Dorf immer einen geben, der nachts auf das Feuer aufpasst und die wilden Tiere vom Kornspeicher fernhält. Das bin ich.

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