Wetterwechsel


Ja, so, nun ist es geschehen. Vorwort: erneut, ich wähle die AfD nicht und ich werde sie niemals wählen.

https://dawum.de/Sachsen-Anhalt/

Schon wieder eine Balkengrafik auf dieses Blockabsatzseiten. Aber ich kriege von der Balkenmafia für jede Balkengrafik kickbacks. Kaufen Sie mein Cryptocoin!

Ich sage: es gibt Neuwahlen. Entweder jetzt oder in zwei Jahren. Alle meine vorherigen Prognosen waren vollkommen unzutreffend, also wird diese wohl stimmen. Siegmunds AfD hat die absolute Mehrheit knapp verpasst und die anderen Parteien bekommen ebenfalls keine ausreichende Mehrheit für eine Regierungskoalition zusammen, die eh innerhalb der nächsten Jahre scheitern oder zumindest keinerlei politischen Fortschritt und Verbesserungen für die Bürger Sachsen-Anhalts bringen wird. Und dann hat die AfD ihre Mehrheit.
Eine AfD-Regierung ist, denke ich, für Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen in der Zukunft sicher.

Derzeit wirbt Herr Siegmund noch bei Abweichlern anderer Parteien, vor allem der CDU, um ihre Stimme oder gar ihren übertritt. Anonsten wartet er halt ab. Für ihn kann es gar keinen falschen Weg gegen, der wird schon Ministerpräsident; ob 2026 oder 2028 kann ihm fast egal sein. Dann hat er halt noch eins komma fünf Jahre mehr für effektiven Wahlkampf.

Oder aber es kommt zum dritten Wahlgang im Parlament und das BSW enthält sich. Einfache Mehrheit genügt und Herr Siegmund wird in diesem Monat noch der erste AfD-Ministerpräsident.

Ich war jüngst in Thüringen und Sachsen-Anhalt unterwegs und ich sage Ihnen: keine Partei ist so sichtbar, wie die AfD. Das hat auch der langsame Untergang der nicht-urbanen Sparte der PDL als Ursache. Die PDL, damals noch PDS (und viel sympathischer als die heutige PDL) war, neben der CDU in den südlichen und der SPD in den nördlichen Ostlandesteilen, die „Kümmerer-Partei“. Viele kleine Wahlkreisbüros, wo sich Bürger hinwenden konnten und die PDS zuhörte, Hilfe anbot (bei kleinen Bürgerbegehren, bei Bürgern, die mit Bürokratie nicht klarkamen, etc pp). Mit der Runderneuerung der PDL fiel das langsam weg, weil man sich mehr auf die urbanen Akademikertypen konzentrierte. Und ist so ein Weg erstmal eingeschlagen, dann perpetuiert der sich auch. Zudem waren viele der ländlichen PDSler auch schon recht betagt. Einige hat man per Stasi-Erlass aus Ämtern gekegelt.
Und dadurch entsand auch ein politisch-soziales Vakuum, dass irgendwann gefüllt wird. Jetzt ist die AfD wirklich in fast jedem kleinen Dorf vertreten. Die Parteifunktionäre belassen es nicht bei einem mäßig launigen Auftritt auf dem Bahnhofsvorplatz des größten Ortes der Kommune, sondern die gehen in jedes dieser Kleckerdörfer und hören sich die Sorgen an. Ob sie auch etwas machen, weiß ich nicht, denn ich lebe nicht in Thüringen oder Sachsen-Anhalt oder Sachsen. Aber sie sind da. Und sie sind sich nicht zu Schade zu sagen „ja, lieber Bürger, dein Anliegen ist berechtigt“, fast egal um was es geht.

Der ganze Auftritt der AfD ist um einiges Bürgernäher, als der anderen Parteien.

Der moralisierende Hinweis, warum man denn in Regionen mit wenigen Migranten eine migrantenfeindliche Partei wählt, man habe dort doch gar keine Berührungspunkte mit denen und wenn es so wäre, dann würde das Wahlergebnis anders aussehen, den Hinweis halte ich für nicht stichhaltig. Das ist eine präventive Stimmabgabe. Die Leute wollen einfach, dass ihr Landstrich genau so bleibt, wie er ist, aber mit besseren Lebensverhältnissen. Die Anhaltiner (oder Sachsen oder Thüringer) haben die Schlagzeilen aus den Migrationszentren der BRD gesehen, ob diese nun reißerische Propaganda waren oder nicht. Und außerdem: diese Leute besitzen Fahrzeuge, teils mit Elektroantrieb, und waren selbst durchaus schon in den großen Ballungszentren und fanden den Zustand scheinbar nicht wiederholungsbedürftig. Die leben gar nicht in Fellzelten, wie die Tschuktschen des Fernen Ostens. Und sie sind es auch Leid, so dargestellt zu werden. Ich habe wenig Berührungsängste, mit AfD-Sympathisanten zu sprechen und ich habe nachgefragt.

Die so genannte Kontakthypothese ist ein Konstrukt aus dem akademischen Wolkenturm. Ja, ist so. Wenn Sie etwas nicht mögen, müssen Sie nur mehr Kontakt dazu aufbauen und dann sehen Sie, dass ihre Vorurteile gar nicht bestätigt werden. Ja – und nein! Was ist, wenn man von etwas mehr sieht und mehr kennenlernt und dadurch befindet „das lehne ich ab!“? Oder die Vorurteile tatsächlich leider völlg bestätigt werden? Was dann?

Was ist, wenn Sie mehr Kontakt mit AfD-Personen haben und Ihre Vorurteile nicht bestätigt werden?

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Denn das ist jetzt die Frage: werden sich die Untergangsszenarien der, ähem, System-/Kartell-/Alt-/Mainstreammedien (wie man auch immer sie jetzt bezeichnen möchte) bewahrheiten oder nicht?

Mit und neben dem 100-Tage-Programm (link geht zum mdr, keine Sorge), der AfD stellen sich Fragen, wie: Fliehen von heute auf morgen alle ausländischen Ärzte aus den Magdeburger Krankenhäusern? Müssen sich die Redakteure des mitteldeutschen Rundfunkes neue Arbeitsplätze suchen? Holt die Landespolizei jetzt sonst unbescholtene migrantische Personen frühs um sechs Uhr aus ihren Wohnquartieren, um sie in Abschiebehaftanstalten zu stecken? Wird es wieder Gewalt gegen andersaussehende und andersdenkende Menschen geben? Werden Nazis, also so richtige Nazis, nicht das, was man in der taz so bezeichnet, wieder aufmarschieren und Asylantenheime anzünden, weil sie keine Angst vor Repressalien haben?

Das wissen wir alles nicht. Wir wissen nicht, ob die AfD hart regieren wird und tatsächlich beginnt, demokratische Strukturen abzubauen um den eigenen Machterhalt zu sichern, sollte die Bevölkerung mit der Partei doch nicht so zufrieden sein. Wir werden es nur herausfinden, sollte diese Partei irgendwo regieren. Aber das ist auch ein wirkliches Risiko, denn die Möglichkeit, dass sich hinter dem freundlichen Grinsen der Parteikandidaten sehr dunkle Gedanken verstecken, ist durchaus vorhanden. Oder dass deren Parteiprogramm, sollte es so umgesetzt werden können, wie versprochen, desaströse Folgen auch zweiten und dritten Ranges haben.

Demokratieförderungsorganisationen bangen in Sachsen-Anhalt natürlich um ihre Geldhähne und deren Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze. Allerdings muss man auch polemisierenderweise schreiben, dass ihre Arbeit ja nicht so sonderlich fruchtete, sonst wäre die AfD ja nicht bei fast 44% der Wählerstimmen gelandet. Tatsächlich hatte ich auch bereits Enblicke in solche Vereine und die Tätigkeiten bestanden vor allem aus Bürokratie und Selbstbestätigung, denn ich war mal als Auxilliartruppe in einem (hatte mal eine in diese Richtung geneige Lebensabschnittsgefährtin und einen großen Führerschein. Fahrerbaubnis. Wie auch immer. Föhrerschoin!) und glaubte tatsächlich, dass das irgendetwas bringt. Immerhin war es ein zertifiziert linker Lebensstil. Sie kriegen die Leute nicht mit migrantischem Hip-Hop-Battle oder LGBTQ-Seminar in der Mittelstufe. Das schreckt eher ab.

Und somit ist, das schrieb ich bereits, die fehlende „theory of mind“ linker Gruppen für AfD-Wähler mit einer der Ursachen für dieses für die etablierten Parteien katastrophalen Wahlergebnisses. Ihr habt Euch selbst in den Fuß geschossen und seid nichtmal dazu in der Lage, dem Unfallchirurgen die Wahrheit zu sagen, weil man zugeben müsste, in der Waffensachkunde geschlampt zu haben. Aus Hubris, aus Arroganz.

// Kommentierte Links:

taz: Lehren aus der Wahl in Sachsen-Anhalt

Aus den Zeilen der beiden Westdeutschen Autoren (oh ja, wir machen hier ein Ost-West-Ding draus, auch wenn die beiden Autoren davor warnen, denn Journalismus im Osten ist für die meisten größeren Organe quasi Auslandsberichterstattung) trieft die pure Verachtung und je mehr sie verachten, desto mehr Leute wählen die AfD.
Aber: ein paar gute Punkte führen die Autoren schon an. Ja, das Ost-West-Ding, zum Beispiel das Streichen von Geldern für Sachsen-Anhalt durch West-Bundesländer, wird der AfD nur helfen, weil es das „wir gegen die“ verstärkt. Ja, „Rechte haben bessere Laune“. Der AfD-Kandidat kam einfach fröhlicher und dynamischer rüber, als die graue-Anzug-Riege, die immerzu über die blöden Wähler weint.
Und ja, das Parteiensystem zerfällt. Kaputt. Totalschaden. Der Parteibus wurde von rechts gerammt, weil der Parteibusfahrer am Mobiltelephon tiktoks über Demokratieprojekte schaute.

Vollkommen hanebüchen: Die PDL und die CDU haben mehr Schnittmenge als zB die AfD und die PDL. Blödsinn, weil es durchaus einen kapitalismuskritischen Flügel der AfD gibt, aber niemals in der CDU, der Partei des Kapitals.

Zitate aus dem Artikel:
„Diese neue Frontlinie ist keine reine Notgemeinschaft, sondern inhaltlich begründet.“ Also ist es egal, ob ich CDU oder PDL wähle, ich kriege neoliberale Politik, oder was?
„Lange dachte man, eine hohe Wahlbeteiligung sei gut für die Demokratie. Heute kann man sich da nicht mehr so sicher sein.“ Also hier musste ich wirklich innehalten, zeigt es doch das Demokratieverständnis der Autoren. Es wäre besser, wenn der Pöbel nicht mitbestimmt, oder was?
„Im richtigen Moment Verteilungsthemen nach vorn zu rücken, ist viel effektiver als jede Brandmauer.“ JA, ACH WAS?! DAS HABEN WIR EUCH DIE LETZTEN FÜNFZEHN JAHRE VERSUCHT ZU VERKLICKERN UND VERTWITTERN, aber es wurde immer nur verächtlich als „Sorgen und Nöte ernstnehmen“ verkürzt. TOLD! YOU! SO!

Berliner Zeitung: Heute nacht kommt der Wetterumschwung

Wahrlich, wahrlich. Zwei Wahlen stehen noch an.

Betonneurotiker: Die Havarie

Eine sehr gute Beschreibung der meta-Ebene. Sie waren so unfassbar Siegesgewiss, it was the end of history, es konnte nur in eine Richtung gehen, auch wenn der Couscous-Salat, sorry, einfach unterwürzt war.

Ich hätte ja gerne noch ein paar andere Blogs verlinkt, aber die sind entweder inzwischen tot, KI-Müll oder so grün, dass das bereits durch den taz-Artikel abgedeckt wurde.

Nachdenkseiten: Weiter so hat sich erledigt

Immerhin schreibt Rainer Balcerowiak, der auch mal einen schönen Blog hatte, noch.

mdr: Dieser Wahlsieg ist erst der Anfang

Eine etwas nüchternere Betrachtung der Lage, mit vielen Binsenweisheiten. Zitat: „Das ist der Wille der Wählerinnen und Wähler. Die Menschen in Sachsen-Anhalt haben sich entschieden. Das gilt es in einer Demokratie zu respektieren, auch wenn man die Entscheidung für fatal hält.“ Korrekt. Auch wenn man die Entscheidung für fatal hält.

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Ich hab keinen Bock mehr, daher soviel erstmal dazu. Mehr, wenn mir noch etwas einfällt.
Achten Sie als Rechtsabbieger auf Fußgänger, die haben Vorrang.


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