Logbuch // 05sep26


Kurzlage:

Morgen, am Sonntag dem 06sep26, könnte zum ersten Mal die AfD in einem Bundesland die Regierungspartei werden. Als Alternative ist eine diffuse CDU-SPD-Grüne-Linkspartei-Koalition als Verhinderungsregierung angedacht. Dass eine solche Koalition tatsächlich irgendetwas im Bundesland Sachsen-Anhalt voranbringt, ist extrem unwahrscheinlich und wohl auch undemokratisch, spiegelt sie nicht den Wählerwillen wieder, so unappetitlich der auch sein mag. Möglicherweise würde eine solche Koalition nichteinmal die ganze Legislaturperiode überstehen und auf jeden Fall der AfD noch mehr Zustrom bescheren. Zugegebenermaßen bringt so ziemlich alles, was die Parteien tun, der AfD mehr Stimmen. Das politische Establishment ist am Verlieren und das weiß es auch und es ist die blanke Panik.

https://dawum.de/Sachsen-Anhalt/#Koalitionen Scrennshot 05sep26

Interessant, dass das BSW, das gerade aktiv am Zerfallen ist, in jeder Umfrage immer mit 4% präsent ist. Neun Thüringer Landtagsabgeordnete des BSW haben gerade die Partei verlassen, darunter die Finanzministerin des Bundeslandes, Frau Katja Wolf, die sich mit ihrer BSW-Fraktion zusammen fast gänzlich mit der Parteigründerin überwarf. Das kam einen Tag nach einem 3h-Interview der Parteigründerin bei einem Interviewpartner, bei dem auch bereits die Herren Höcke und Siegmund (AfD Sachsen, respektive AfD Sachsen-Anhalt) zur Klärung diverser Sachverhalte vorstellig wurden. In dem Interview ging die BSW-Parteigründerin das BSW Thüringen hart an. Ich wüsste gerne, ob es einfach die Rotkäppchenflasche war, die das Weinfass zum überlaufen brachte.

Dass jemand Leute wie die oben genannten einläft und die einfach reden lässt, finde ich übrigens ausgesprochen gut, auch wenn der Interviewer manchmal etwas flach auf mich wirkt. Ja, ich habe mir 4h Bernd Höcke, 3h Ulrich Siegmund und auch jeweils zweimal 3h Sarah Wagenknecht angetan. Es war ausgeprochen lehrreich. Das Interview mit Frau Kepetry hielt ich aber nicht aus, die redet genauso schnell wie die Chefin der PDL und verrennt sich dabei ebenso häufig. Und ich habe wirklich wirklich keine Probleme mit dem Stilmittel des ungebremsten Gedankenstromes, wie die inzwischen 3 Leser dieses Blogs vielleicht bemerkten.

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In Bööörliin (Zitat Touristin mit scharfer S-Laut-Aussprache: „Wow, die haben sogar Straßenbahnen hier, das ist hier alles so schön ostig, zis is soooo Börlin!“) wichse…. Tippfehler, wechseln sich CDU und PDL in den letzten Umfragen in der Spitzenposition immer wieder ab und alle Hauptstadtjournalisten (und ich!) gucken wie gebannt auf die neuesten Umfragewerte (die eigentlich belanglos sind), wie auf ein Schildkrötenrennen. Wahlkampfbeobachtung ist wie Katastrophentourismus: man freut sich am Elend anderer. Ich bin Besuchen in Katastrophengebieten auch nicht abgeneigt, aber ich bekam immerhin eine Aufwandsentschädigung fürs Sandsäckeschleppen und Teeausteilen in Einsatzkleidung.

https://dawum.de/Berlin/ Screenshot 05sep26

Jetzt sind sie gerade gleichauf. Aber es sind noch zwei Wochen, da kann noch einiges passieren, zum Beispiel der Auftritt von irgendwelchen Rappern mit Ushanka mit Sowjetstern drauf und „Yalla yalla intifada“-Rapversen. Nicht. Gut.

Und, nochmal: Intifada ist kein guter Slogan für reibungslosen und pünktlichen öffentlichen Nahverkehr. Wenn der Bus gesprengt wurde, fährt erstmal nichts. Dann hat auch keiner mehr Lust, da mitzufahren.

Aber das ist halt auch die PDL. Auf der Zielgeraden sich noch den Stock in Lastenradspeichen stecken.

Was man an der Umfrage sieht, ist, dass Berlin um einiges „konservativer“ bzw rechter ist, als weitläufig angenommen wird. Fast 40% der Berliner würden CDU bzw AfD wählen. Das kommt vor allem aus den Stadtrandlagen, die in der Landespolitik gerne vergessen werden. Leider endet für viele Aktiven der „progressiven“ Parteien die Stadt drei Querstraßen außerhalb des S-Bahnringes. Ein Vorwurf, der nicht neu ist. Berlin ist immernoch geteilt, nur nicht mehr ganz so in Ost und West, wie es früherTM einmal war. Nicht alle haben eine Buslinie mit 10-Minuten-Takt vor der Tür oder gehen hier supergerne in die coolen Clubs um die Wochenenden durchzufeiern. Der Eigenheimbesitzer ist ja schon qua Klischee ein konservativer Sack mit Gartenzwerg. Und Berlin hat eine Menge Eigenheime. Was könnten linksgerichtete Parteien diesen Menschen anbieten?

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Ich bin auch schon ganz aufgeregt. Tatsächlich wirken die politischen Tage vor den drei Landeswahlen etwas wie eine Ruhe vor dem (Volks-)Sturm, trotz der vielen händeringend nach Erklärungen suchenden oder warnenden Medienberichte. Ich gebe zu, dass ich den wohl kommenden Umwälzungen mit größtem Interesse entgegensehe. Aber irgendwie fühlt es sich eher wie das Schauen einer dieser neuartigen TV-, respektive Internetserien an, wo keine der einzelnen Serienfolgen einen klassischen Handlungsstrang mit Aufbau, Mittelteil, Höhepunkt und Ende mehr hat, sondern alles irgendwie zusammenfließt, weil der Folgen- und Staffelübergreifende Handlungsstrang alles bestimmt, damit sie binge watching betreiben. Also so lange gucken, bis Sie es wieder hochwürgen, um dann weiterzukonsumieren. KAUFEN KAUFEN KAUFEN KAUF MICH, wenn du mich benutzt hast, schmeiß mich einfach weg.

Es ist natürlich nicht gut, Politik, die ja auch mein Leben aktiv beeinflussen kann, wie eine TV-Serie zu betrachten. Aber ich fühle mich einfach nicht beteiligt. Wie bei einer TV-Serie.

Die erste TV-Serie mit so einer Staffelübergreifenden Handlung war übrigens die Science Fiction-Serie Babylon 5 um die namensgebende Raumstation. Hier sollten nach einem (für die Menschen) verheerenden Krieg alle Völker zusammenkommen, um diplomatisch ihre Streitigkeiten auszudiskutieren. Nur damals hatte jede Folge noch eine Handlungsstruktur.

Die Serie ist aus den 1990ern, also schon voll letztes Jahrtausend und als erste Serie mit computergenerierten Effekten ist sie visuell auch nur bedingt gut gealtert. Was sie aber sehr gut und auch furchteinflößend akkurat und ohne fingerzeigendes Moralisieren beschreibt, ist der Weg der Erde in eine faschistische Diktatur, mit allen den kleinen und großen Nebeneffekten im täglichen Leben. Das geschieht nicht in ein oder zwei Folgen, sondern kommt im Rahmen oder neben der Haupthandlung hier und da immer mal wieder vor. Es schleicht sich ein.


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