Logbuch // 01sep26


Guten Tag. Die Ferien sind vorbei und Berlin ist wieder voll geworden.

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Der erste Tag im September läutet auch immer irgendwie das Ende des Sommers ein. Die Tage sind bereits kühler geworden, Gewitter und Regen zogen bereits über die Stadt.

Ich bin immer etwas froh, wenn der Sommer in Berlin vorbei ist. Es sind nicht die Temperaturen, auch ich freue mich durchaus über sonnensatte heiße Tage, es sind, wie immer, die Leute. Sommer in Berlin bedeutet, dass die Mitbürger alle etwas frei drehen. Sommer in Berlin bedeutet, Menschen lassen allen ihren Trieben freien lauf und die Hemmschwelle, andere abzunerven sinkt erheblich. Die Partytiere, die Schizobrüller, die dadaistischen Jugendgruppen, die aufdrehenden Frauengruppen in Mutticafes, die Psycholastenfahrradterroristen und andere Fahrradfaschos und natürlich alle Arten von Assis auf eScootern.

Überhaupt eScooter. Wenn Sie eScooter nutzen, dann sind Sie verloren. Die meisten Leute, die ich auf diesen Scheißdingern rumfahren sehe, könnten die Bewegung, die man „Laufen“ nennt, wirklich gut gebrauchen. Entweder super dürre Beine, die keinen Einkauf ins 3. OG geschleppt bekommen (dafür nutzt man arbeitsprekäre Lieferdienste) oder auslandende Fettwampe in zu kleinen Jogginghosen, sodass der Bauch über der Hose hängt und die Hinternritze herauslugt.

So sehen Sie aus, wenn Sie eScooter fahren. Sie alle, keine Ausnahme. eScooter und Menschenwürde schließen sich gegenseitig aus.

Leider ist der Herbstbeginn nicht das Ende der öffentlichen Jogginghosenträgerei.

Ich bin links und aber kein Anarchist (spuckt auf den Boden) und mir fehlt heutzutage etwas preußischer Ordnungssinn. Wenn man raus geht, sollte man sich ordentlich kleiden, gewaschen sein, Geduld (und Hilfsbereitschaft) seinen Mitmenschen gegenüber zeigen, sich in der Öffentlichkeit nicht zu wichtig nehmen und ja, manchmal sollte man auch den Anweisungen des Personals folgeleisten. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.

Ich weiß, dass das nicht nur bei vielen unserer neueren Mitbürger rar gesähte Tugenden sind, sondern inzwischen auch bei weiten Teilen der indigenen Bevölkerungsgruppen. Frei nach Marx: Es ist nicht (nur) eine Frage der Herkunft, sondern der Klasse. Aber das Lumpenproletariat prägt weiter rasant zunehmend die Kultur unserer Gesellschaft. Ich sag nur DISLIKE!

Eigentlich war es immer so, dass, wenn man in einer Stadt mit vielen anderen Menschen zusammen lebt, man wusste, wann man die Klappe zu und die Lautstärke niedrig zu halten hatte.

Die Solidarität geht immer nur so weit, wie man sich nicht selbst einschränken muss. Aber auch im Sommer ist es asozial bis weit nach 2200 Uhr Werktags laute Hinterhof-WG-Party zu veranstalten, weil es auch in den Sommer/Semesterferien noch genügend Leute gibt, die um 0500 (oder früher) aufstehen dürfen, um hier den Laden am Laufen zu halten.

Jawoll, liest sich jetzt nach konservativem Stock im Hintern, vor allem wenn Sie eine*r dieser (Achtung Klischee) linksparteiaffinnen radikalliberalen Problemponyträger*innen sind, die jegliche gesellschaftlichen Konventionen dekonstruieren wollen (und somit die ultimative antisolidarische low trust society schaffen) und für die alles „deutsche“ so schwer erträglich ist, wie Nussschokolade für Nussallergiker*innen. Klicklaut. Etwas Decorum macht das Zusammenleben aber wirklich netter. Gehen Sie lieber zu dem Bäcker, wo man Sie freundlich begrüßt oder wo Sie sich erstmal rechtfertigen müssen, warum sie die Aufmerksamkeit der Verkaufsperson einfordern? Genau! Qualität ist übrigens egal und kein Unterschied, richtige Eigenbäcker gibt es nur noch zwei in Berlin und der Rest ist Aufbackware, die Sie auch in der Kaufhallentiefkühltrue bekommen.

Klar, es darf nicht zu extremen Konformitätsdruck verkommen. Ying und Yang. Ich stehe auch erst irgendwann um kurz vor 12 auf, wenn man mich lässt. (Ich arbeite aber auch Nachts.)

Ein kleines Beispiel: Gucken Sie sich mal Berliner Parkanlagen an.

Sehen Sie, was ich meine? So ein grüne Wiese ist doch schön und Sinn so einer Anlage. Aber weil Mensch bequem ist und immer bequemer wird (siehe Lieferdienste und eScooter) und es zu viel verlangt ist, zwei Meter Wegstrecke mehr zurückzulegen, zertrampelt man das Grünzeug, schafft Brachfläche und der Park sieht nicht mehr so schön aus.

Oder ich werde einfach älter. Aber ich bin eine Rote Socke, weil ich meine Heimat liebe.

Diese Theorie der zerbrochenen Fenster aus der New Yorker Stadtgeschichte stimmt halt leider. Das können Sie auch an jedem Kleidercontainer sehen, bei dem die erste Siffmatratze abgeladen wird. Innerhalb von kurzer Zeit generiert sich weiterer Müll, denn wenn es sowieso schon vermüllt ist…

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A pro pos Personal.

Ich saß in einer sehr sauberen Berliner S-Bahn (wirklich!) und es war sehr schön ruhig im Zug (wirklich!). Typ im Blaumann mit AfD-Schlüsselbund und Mehrwegkaffeebecher, Ökomutti mit Wegwerfplastik-Latte-Machiatto, eine dicke Putzfrau und ein dünner Nachtarbeiter (ich).

Dann stieg das Personal zu. DB-Sicherheit. Jetzt präsent, wegens des Sicherheits-Crash-Programms der neuen Bahnchefin Evelyn Nikutta. Palla. Der Nikutta-Kelch ist an dem Staatsunternehmen diesmal vorbeigegangen.

Vorbei war es mit der Ruhe. Zwei standen im ersten Eingangsbereich, einer flätzte sich über zwei Sitze des Kinderwagenabteils, zwei weitere fanden sich im entfernteren Türbereich ein. Das tat ihrer Konversation leider keinen Abbruch und so unterhielt man sich durch den ganzen Wagen einfach weiter, während der Kinderwagenabteil-Typ allen ernstes sein Phon aus der Tasche zog und recht laut Kurzform-Videos mit den unsäglichsten KI-Stimmen und Geräuscheffekten schaute.

In einer Stadt sollte man wissen, wann man die Fresse zu halten hat. Zum Beispiel am frühen Morgen in einer Stadtschnellbahn und vor allem, wenn der Sinn des beruflichen Daseins die Einhaltung gewisser Etikette ist.

Der AfD-Schlüsselbundblaumannmann schaut mich an und verzieht das Gesicht. Ich kann nur kurz mit den Schultern zucken und etwas den Kopf schütteln. Brandmauer: gefallen.

Er weiß, warum er einen AfD-Schlüsselbund hat. Und ich weiß auch, warum er den hat. Nur die Medien und Parteien wissen es nicht, oder wollen es nicht wissen.

Sicherheitsgewerbe hat leider sehr niedrige Einstiegsvoraussetzungen und rekrutiert sich aus genau dem Klientel, dem etwas Einhalt geboten werden soll. Das kann funktionieren, tut es meist aber nicht. Immerhin sprechen sie bereits die gleiche Prollsprache mit „Isch“, „Disch“ und „WAS WAS WAS?“

Der Typ, der jüngst aus einem 120km/h fahrenden Zug geschleudert wurde (und überlebte!) war auch so ein Securityproll.

Nun, um den Anweisungen des Personals folge zu leisten, sollte das Personal aber mit gutem Vorbild vorangehen. Und deshalb bin ich Autofahrer.

Andererseits hatte ich seit Ewigkeiten mal wieder eine Fahrkartenkontrolle auf der gleichen S-Bahnlinie. Der Personeninhalt des halbvollen Wagens war multikulturell. Die Kontrolleure auch. Und sie waren ordentlich, korrekt, freundlich, aber bestimmt und fahrkartenkontrollierten die Reisenden akribisch. Bis auf mich. Er mustert mich von oben bis unten, ich will meine Papierfahrkarte (JA! Das gibt es noch!) hervorholen, aber der Kontrolleur winkt nur ab.

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In zwanzich Tagen is übrijens Abjeordnetenhauswahl.

Meine Ex, also ex-Partei, hat Chancen, diesmal ganz groß rauszukommen. Endlich. Und Berlin könnte damit auch die erste Regierende Frau Berlins wer… hups, ne das war schon Franzi Giffey mit der Muttistimme. Franzimom.

Ich sag Ihnen schonmal, wer es nicht wird. Der Krach von der SPD. Das war von vornherein klar und spätestens als er sich auf einem Wahlplakat bereits als „der nächste Regierende Bürgermeister“ bezeichnete, besiegelt. Außerdem dümpeln die gerade bei so Umfragen-13% rum.

Same energy. Dass das Bild nicht zentriert ist, fuckt mich ab.

Dunklem Munkeln nach zu Urteilen, wollte die Berliner SPD wohl den Kevin Kühnert haben, aber der ist weggerannt. Verständlicherweise. Ich muss aber zugeben – die Hölle friert zu – dass ich den gewählt hätte, würde ich denn diesmal wählen gehen.

Dabei wäre ein schwuler SPD-Bürgermeister, der nicht komplett hirntot ist, das, was die Stadt vielleicht bräuchte. Inhärentes Problem der Sozen ist leider, dass sie seht gut daran sind, antisoziale und antisolidarische Politik zu machen, die von der CDU kommen könnte. Nur der CDU würde die Stadt um die Ohren fliegen, bei den Sozen bleibt nur Schulterzucken.

Wer es, hoffe ich, nicht wird, ist der Ersatzkandidat der CDU. CDU-Senate sind sowieso immer eine Katastrophe für diese Stadt. Entweder werden Studenten durch Jubelperser weggeprügelt und durch Zivilpolizisten erschossen (HALT! Das war unter SPD-Albers!) oder es kommt zu irgendwelchen Bankenskandalen, an denen die Stadt auch 30 Jahre später noch leidet. Oder aber man will Magnetbahnen nach Spandau bauen. Völliger Irsinn. Spandau hat abgeschottet, nicht besser angebunden zu werden.

Sowieso ist der Evers eine Painlichkeit vor dem Herren. Und die Wahlplakate der CDU erreichen Niveaus, wofür Sie ein Tiefbauunternehmen brauchen. Die können ja mal bei Roland Koch anfragen, vielleicht hat der noch einen Kontakt bei Bilfinger. „Goethes Faust statt linker Haken“. Der Evers hat doch nie und nimmer den Faust gelesen. Ich auch nur einmal und damit einmal mehr als der Evers, aber ich werbe damit auch nicht auf Plakaten. „Ich bin konservativ und das ist auch gut so!“. Also der Spruch stieß mir sauer auf. Der Evers ist ja auch schwul und hielt sich hier wohl für ganz clever. Aber ich weiß, der Urheber des Bonmots sieht das locker. „Endgegner vom Schlendrian“. Der Evers ist auch schon so ein Endgegner. Endgegner von Grammatik. So formuliert bedeutet das Plakat, dass der Endgegner aus dem Schlendrian kommt. So wie bei Adelsbezeichnungen wie beim Herrn Fürst von Metternich (trinkbar!). „Endgegner des Schlendrians“ müsste es heißen. Also ist es auch bei der CDU nicht so gut bestellt mit der deutschen Sprache, für die die FDP wirbt. Endgegner. Endkampf. Endsieg.
Den witzigsten Kandidatennamen hat aber die CDU Westend mit einem Versicherungsfutzi namens Arturiel HACK.

A pro pos Fürst von Metternich. Was, meiner Meinung nach, ein Regierender Bürgermeister in Berlin heutzutage können muss, ist, auch nach zehn Gläsern Sekt noch eine Großlage zu führen. Wenn man hier RegBM wird, sollte man auch schonmal eine Pille geworfen haben und in der Ringbahn eingepennt sein. It is Berlin, after all.

Der von den Grünen wird es übrigens auch nicht. Und die von der AfD auch nicht. Interessanterweise hat die AfD wirklich hohe Umfragewerte, aber keiner kennt deren Personal. Sogar Leute, welche die AfD wählen wollen. Ich habe nachgefragt. Ich frage mich auch, wie eine AfD in Berlin regieren wollen würde. „So jetzt ist aber mal Schluss mit den ganzen Ausländern hier!“ und dann was?

Wer es werden könnte, wäre Frau Elif Eralp. Ein Münchenerin, in Hamburg studiert. Den SPD-Krach haben sie aus Hannover importiert. Hannover ist furchtbar. Der Evers kommt aus Heidecke and where the fuck is Heidecke? Der grüne Graf kommt aus Neumarkt in der Oberpfalz und sein Sidekick Bettina Jarasch aus Augsburg. Jetzt mal ehrlich, Leute. Findet Ihr niemanden, der hier irgendwie aus der Region kommt und einfach ein bisschen auch wie ein Berliner wirkt? Warum diese ganzen Süddeutschen mit ihren Süddeutschen Allüren und Befindlichkeiten. Stellen Sie sich mal vor, der Hamburger Bürgermeister wäre Stuttgarter. (Anm.d.Red.: Der Ahlhaus kam aus Heidelberg, war aber nur für ein Jahr Bürgermeister der Hansestadt.)

Ich unterstelle dem Spitzenpersonal der Berliner Parteien, dass es ihnen gar nicht so um die Stadt geht, sie liegt ihnen nicht am Herzen. Ansonsten würden Sie sich abrackern, bis die Augenringe die Nasenspitze erreichen. Sie sind bourgeoise Kosmopoliten, ihr Wirkungsort ist rein zufällig.

Also Frau Elif Eralp kann sich durchaus Hoffnung auf das Regierende Amt zu machen. Sie sollte sich dem aber nicht zu sicher sein. Eine PDL-SPD-Koalition spaltet sich an der „Wohnungseigentümer enteignen“-Frage und der Krach, bei dem ich mir gut vorstellen kann, dass er nach der Wahl einfach wieder in den Westen rübermacht, ist vielleicht zu beleidigt um als kleiner Koalitionspartner mitzumachen.

Aber vielleicht wird es Frau Eralp. Ein Teil in mir wünscht sich, sich mit Freuen zu können. Hey, die Linke, endlich an der Regierung. Endlich soziale Politik machen, Berlin solidarisch gestalten. Aber ich habe Zweifel. So sehr ich gerne diese ganzen privaten Wohnungskonzerne per Miliz vor die Stadttore scheuchen würde, so sehr bin ich skeptisch, ob das wirklich funktioniert oder nicht krach-end (ha ha!) scheitert. Ich wünsche ihnen viel Glück, dass es klappt; ich mache einen Sekt auf, wenn es von Erfolg gekrönt ist.

Generell hätte ich lieber Frau Katja Kipping als Kandidatin gehabt, als Frau Eralp. Frau Kipping gibt bei der DLRG ehrenamtlich allen Kindern Schwimmunterricht und hat ein ausgeprägtes Sozial- und Wohlfahrtsprofil. Frau Eralp ist Anwältin, vor allem durch Identitätspolitik aufgefallen und kommt aus dem unsäglichen Neuköllner Kreisverband. Aber auch Frau Kipping hat wohl recht schnell das weite ergriffen. Schade.

Was mich wieder skeptisch gegenüber der PDL macht, ist wieder und erneut die Eigenschaft der Partei vor Problemen die Augen zu verschließen. Die Berliner PDL ist derzeit stark durch den genannten Neuköllner Kreisverband geprägt und das ist nicht gut. Der Kreisverband, der es nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day nicht schaffte, den Tathintergrund klar zu benennen und irgendetwas von rechten Kräften schwurbelte. Die PDL ist im Bereich „Innere Sicherheit und Gefahrenabwehr“ eine einzige Katastrophe, weil sie zB präventive und repressive Polizeiarbeit für Unterdrückung hält. Die derzeitige Generation der Berliner PDL-Mitglieder ist, was öffentliche Unsicherheit angeht, sehr permissiv. Es gibt im Vorstand der Berliner PDL sogar eine Frau (die aus dem genannten Neuköllner Kreisverband kommt), die direkt sagt, „Clankriminalität gibt es nicht“. Das ist, bei mehreren Verletzen und ggf auch Toten pro Woche, Realitätsverweigerung. Es gibt bereits Beispiele für Städte, in denen Polizei und Justiz dazu angewiesen wurden, bei bestimmten Deliktfeldern samtene Handschuhe zu tragen und das hat zu einer massiven Verschlechterung der Lage im öffentlichen Raum geführt, was vor allem zu Lasten der normalen Bevölkerung ging. Ich will gute Sozial- UND Sicherheitspolitik. Die beste Sozialpolitik hilft nicht, wenn man abgestochen wird. Und glauben Sie mir: ich habe die Abgestochenen gesehen und behandelt und wurde selbst schon bedroht, daher geht mir das Thema nun einmal so Nahe wie die Messerklinge.

Ich denke, ich muss mich dazu nicht nocheinmal auf diesen Seiten hier auslassen. Ich werde es aber wohl doch tun.

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Schöne Woche. Wählen Sie nicht die PDL. Und auch nicht die AfD. Oder die CDU. Oder die Grünen. Oder die SPD. Ich bitte Sie. Gehen Sie einfach gar nicht hin.

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