Logbuch // 08aug26


Es stehen wieder Wahlen an. Ich freue mich. Nicht.

BSW, al-Qaida und die Tierschutzpartei. Ich weiß ja nicht. Das ist übrigens der Wahl-O-Mat (eine furchtbare Wortkomposition) für Sachsen-Anhalt, denn für Berlin gibt es noch keinen. Was auch egal ist. Ich bin unentschieden, ob diese Wahlwebseiten, die irgendwie an solche Persönlichkeitstests erinnern („Welcher Monat passt am besten zu Deiner Persönlichkeit?“ „Hast du autistische Züge?“ Ja, Züge habe ich, Spurweite 9mm), wirklich Erkentnissgewinn bringen oder nur Spielerei sind. Für die Kids ist das Ding wahrscheinlich recht hilfreich. Es wurde ihnen im Fach Sozialkunde (oder wie man das heutzutage nennt) von dem grün-liberal eingestellten Lehrer oder der immernoch an die Sozialdemokratie glaubenden Lehrerein mit der Heidemarie Wieczorek-Zeul-Gedächtnis-Frisur gezeigt, welche beide dann mit Horror auf die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler (kurz: SuS) starren: 55% der Klasse haben eine Übereinstimmung von 72,3% mit der AfD. Der Rest zersplittert in die Grünen, die PDL und die SPD, zwei richtige Spaßvögel würden als junge Menschen suizidalerweise die CDU wählen und der Klassenclown allen ernstes die FDP. In 30 Jahren hält der sich aber auch mühsam und im Zustand nach 4 Herrengedecken am Stehtisch vom Imbiss (wenn es denn dann noch welche gibt) fest, um nicht umzufallen, so, wie es der Kubicki zB besser tun sollte, als zu versuchen in der Berliner Republik irgendwo Anschluss zu finden wie ein 40jähriger auf einer Abiturfeier. Einfach nur unangenehm, der alte Sack.

Den Kubicki dürfen Sie so nennen, der hat sich da nicht so. Und das finde ich wiederum gut an dem. Der weiß, dass Politiker auch was abkönnen müssen. Politiker und ich im Nachtdienst haben eines gemeinsam: wir müssen damit klarkommen, dass sich Leute so richtig auskotzen.

Tatsächlich kommen die Einschläge der Politikeranzeigen näher. Im erweiterten Bekanntenkreis ist mir eine Person bekannt, die jüngst 3000 Euro für doch recht derbe öffentliche Verfluchungen in den „sozialen Medien“ abdrücken durfte. Nicht gut. Nicht schön. Dreitausend Tacken für das Wort „Arschloch“.

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Nun, man sollte sich vielleicht auch zurückhalten. Ich tätigte neulich selbst in dem Kommentarbereich des Kiezneurotikers eine unüberlegte und recht antihumanistische öffentliche Äußerung, jedoch nicht gegen einen Menschen gezielt gerichtet. Und ich bekam dafür ebenfalls sehr groben und aber auch sehr gerechtfertigten Gegenwind. Tatsächlich schäme ich mich sogar für den Ausfall, unter anderem auch, weil er schon heftig nahe an die Lingua Tertii Imperii kam, der ich mich sonst eher aktiv verweigere. Ich sollte wohl den Klemperer wiedermal aus dem Regal nehmen. Und wenn überhaupt, dann geht man eher Versicherungs-, Werbe-, oder Immobilienfutzis so an.

Dennoch finde ich es schräg, das Leute eine Hundesitterin für den Alltag brauchen. Wenn Sie keine Zeit für einen Hund haben, schaffen Sie sich keinen an. Reflektionsfähigkeit ist wichtig! Gilt für uns alle.

Das musste mal raus, das beschäftigte mich schon eine Weile.

Deshalb bin ich auch ungern wirklich unfreundlich zu Leuten. Es hinterlässt in mir immer so ein dreckiges Gefühl, jemanden ggf ungerecht behandelt zu haben und in der Retrospektive war es auch immer irgendwie eine Art des Kontrollverlustes. Ich wurde vom dienstlichen Gegenüber schon als „streng“, „forsch“ oder „humorlos“ (We at the FBI do not have a sense of humor we’re aware of.) betitelt, aber „unfreundlich“ war noch kein Teil der Beschwerden.

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Aber wo wir bei Sprache sind: Ich las die Tage erst die Formulierung „schleichender Rechtsruck„. Und ich frage mich, was denn ein schleichender Ruck ist? Ein Ruck ist eine kurze kraftvolle Bewegung, zum Beispiel um etwas schweres eine sehr kurze Strecke zu bewegen. Dabei beginnt und endet die Aktion schnell und dauert nicht lange.

Was der Journalist wohl eher meint, ist ein „Abdriften“ (auch sehr gerne genutzt bei den Schreibern) oder „Gleiten“ oder „Rutschen“. Aber Rechtsrutsch hört sich weniger gefährlich an.

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Zurück zum Wahlkrampf. Klar bin ich für eine Demokratie, für Bürgerbeteiligung in der einen oder anderen Art. Dieses Wahlkampfding ist zwar streckenweise unterhaltsam, denn Politik verkommt ja zu Entertainment, aber es ist vor allem nervig.

Derzeit hängen wieder die Wahlplakate an Laternen und Verkehrsschildern. Und ich halte das für völlige Verschwendung von Geld, Resourcen und auch Arbeitskraft. Ich würde gerne mal den Bürger sehen, der durch absolut unkreative Plakate von Gesichtern mit Spruch daneben wirklich in seiner demokratischen Willensbildung beeinflusst wurde. Meistens feiern die eigenen Parteimitglieder ihre Plakate doch am meisten ab. Schlimm ist auch dieser Trend zu riesigen Plakatwänden, welche gerne so aufgestellt sind, sodass so genannte Sichtdreiecke oder Sichtachsen im öffentlichen Raum verdeckt werden, was nicht der Sicherheit im Straßenverkehr beiträgt. Ich habe eine große Kreuzung im Ausrückebereich, welche so schon mit und ohne Sondersignal gefährlich zu befahren ist – und jetzt ist das alles dazu auch dank Plakatwand noch beschissen einzusehen. Dafür sehe ich einen nicht sehr photogenen Sozen, der mir allen ernstes weiß machen will, dass sie sich DIESMAL ABER WIRKLICH um die horrenden Mieten kümmern wollen. Ist klar.

Oder stellen Sie sich vor, Sie haben genau den Politiker der Partei, der sie am meisten abgeneigt sind, direkt im 1. Obergeschoss vor Ihrem Fenster hängen. Und dann dürfen Sie noch nichteinmal etwas dagegen tun, weil dann kommt der polizeiliche Staatsschutz vom Landeskriminalamt.

Ich denke, nur Kleinstparteien profitieren tatsächlich von der Plakatiererei, weil anderweitig niemand von ihnen Notiz machen würde. Außer vielleicht beim Wahlomaten. Wählen Sie MLPD. Oder BüSo.

Überhaupt hat der Wahlkampf die komplette Politik übernommen. Kaum ist die Wahl durch, denken Parteistrategen bereits an die nächste. Es geht wahrscheinlich vielleicht möglicherweise auch um das, was man diffus als Politik bezeichnet, aber vor allem um das Sichern der eigenen Mehrheiten. Nur stellt man damit halt leider nicht viel an. Oder wenn doch, dann wissen Sie als mündiger Bürger, dass es für Sie nichts gutes bedeutet.

Die Wahlkampfisierung (hahaha jawoll ein furchtbares Wort für einen furchtbaren Zustand, ich werde es nicht noch einmal benutzen) des Politbetriebes hat vor allem dazu geführt, dass sich die meisten Parteien wie ein lagebedingter Drehschwindel verhalten (wenn ich liege, gehts) oder wie ein Karoussel. Das sorgt für massiven Vertrauensverlust bei den Bürgern und dann braucht man sich auch nicht wundern, dass es da Leute gibt, die ihre Holzschuhe Sabot in das Getriebe des Karoussels stecken um den Laden mal anzuhalten. Sabotage.

Deshalb ist mein Vorschlag: Das Wahlkampfgedöns hat verfassungsrechtlich so klein wie möglich gehalten zu werden. Große Parteienpolitrunde im Fernsehen ok, Wahlomat ok, umfangreiche Wahlprogramme natürlich auch und Wahlplakate nur für Kleinstparteien und in kontrolliertem Rahmen. Ansonsten haben sich die Herren und Damen ergebnisorientiert zu verhalten. Und ja, ich bin dafür, dass Politiker für groben Unsinn haftbar gemacht werden können. Ein Fahrdienstleiter bei der Bahn wird im Schadensfall härter belangt (bis zur Vernichtung der wirtschaftlichen Existenz) als jeder korrupte Bürgerdeputierte.

Fragen Sie mich nicht, wie man das in ein Gesetz gießt und wie die Details aussehen sollen. Ich bin Populist, kein Jurist (Gottseidank!).

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Wenn Sie gerne Diagramme aller Art UND Horrorkino mögen, dann klicken Sie mal auf http://www.dawum.de. Die Webseite ist nicht das Horrorkino, die finde ich sogar richtig gut. Einfach, klickbar, man kann screenshots machen, die Seite braucht keine 500 megabyte-Flash-Animationen um simple Datensätze zu zeigen. So muss Internet sein.

Aber der Inhalt ist es schon.

Ich habe mich bereits an die große Möglichkeit gewöhnt, dass es in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zu AfD-Regierungen kommen wird. Klar, es kann sein, dass es da noch wilde Koalitionsverhandlungen der, wie die AfD sie nennt, „Kartellparteien“ (na da sind wir wieder bei der Lingua Tertii Imperii) kommt, aber das macht die Parteien nur noch unglaubwürdiger als sie es so schon sind. Schwarz-Hellrot-Rot-Koalition, CDU und Linke mit der SPD als Anhängsel. Klar. Wer’s glaubt, dass daraus irgendetwas konstruktives erwächst, der wird auch von CBD-Blüten ausm Spätverkauf high oder von Bionade betrunken.

https://dawum.de/Sachsen-Anhalt/#Koalitionen Stand 08aug26

Aber gut, die Parteien sind alle vollkommen ratlos. Alles was sie machen, kommt der AfD zugute, so sehr ist der Bürger vom Gebahren der Politklasse abgefressen. Dann im öffentlichen Raum auch noch von ausländisch aussehenden Jugendbanden aggressiv angegangen werden und zack! sind die Leute bei der AfD. Ich schreibe es vorsichtshalber nochmal: ich werde diese Partei niemals wählen und ich lehne sie ab. Aber WARUM andere diese Partei wählen ist für mich nicht so ein Geheimnis, wie es gerne zB im ÖRR dargestellt wird. Zudem haben gerade so Linksliberale keinerlei „theory of mind“ für andere politische Ansichten. Geht nicht in deren Kopf rein, warum nicht alle so sind wie sie. Da gab es einen Radiobeitrag, in dem dem Land Sachsen-Anhalt gedroht wurde, dass beim AfD-Wahlsieg quasi 70% der Migranten das Bundesland sofort verlassen würden und dann würde das Bundesland schon sehen, was es davon hat! Nur: beim AfD-Wähler ploppen bei der Vorstellung doch schon die Sektkorken!

https://dawum.de/Mecklenburg-Vorpommern/#Koalitionen Stand 08aug26

Mir gefällt der AfD/PDL-Vorschlag. Da könnte man ein Buddy-Movie oder eine Polit-Romantic-Comedy draus machen. SozPäd-Leon mit Palituch und Bauunternehmer-Marianne mit L’amour toujours-Klingelton müssen meine Zweitheimat voranbringen, weil der Wähler jetzt auch für Koalitionen stimmen darf. Es gibt kaum Ausländer zum Abschieben in MV, also streitet man sich über Solar- und Windkraftanlagen. Bis Leon von seiner Lastenrad-Sonja verlassen wird (Selbstfindungstrip Goa/Berlin, man kennts) und er eine Affäre mit einer Frau anfängt, welche, wie sich herausstellt, die Büroleiterin der AfD-Chefin Marianne ist, die insgeheim zur Höcke-Naturfreunde-Fraktion gehört. Dabei wird beiden klar, dass es nicht nur sexuelle Schnittmengen gibt (Kostenlose Kita, Deutschlandticket, Rekommunalisierung privater Krankenhäuser). Marianne findet derweil heraus, dass man mit Windkraft und Solarstrom auch als Bauunternehmerin eine Menge Geld machen kann. Am Ende ist MV das erste Bundesland, was die Klimaziele der ehemaligen Ampelkoalition erreicht.

Eine AfD-Regierung ist nicht schön und hat Splatterfilm-Potential, aber ich sehe dem allen ersteinmal gelassen entgegen. Ich kann aber auch nur schwer bis gar nicht abgeschoben werden, denn ich bin so Deutsch, da würden den migrantischen Mitgliedern der AfD aber die Ohren schlackern.

Das Gebaren der etablierten Parteien (nun gut, die AfD ist jetzt auch eine etablierte Partei) ist einfach nur die blanke Panik vor dem Kontrollverlust.

Zusätzlich musste ich an diesen Tagen an einen alten Spruch von Dietmar WIschmeyer denken: „Der Faschismus wird in Deutschland eher vom Föderalismus als von der moralischen Integrität der Abgeordneten aufgehalten.“

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„Wehret den Anfängen“ ist jetzt schon so 25 Jahre vorbei. Bleiben Sie integer!


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