Trauer // 25jul26 CSD


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Betrachten Sie dies als digitale Schweigeminute.

Mein Beileid allen Betroffenen.

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Aber man kann nicht nur schweigen, man muss etwas sagen.

Es ist kein Naturgesetz, dass wir so etwas zu ertragen haben. Es wird in einer Gesellschaft immer Kriminalität und Gewaltbereitschaft geben, aber es ist nicht zwingend, dass wir uns auf Veranstaltungen aller Arten oder allein beim Betreten des öffentlichen Raumes Sorge vor Terrorismus machen müssen.

Stimmen aus der LGBT-Bewegung sagen, dass sie sich jetzt nicht instrumentalisieren lassen möchten. Zum Beispiel für Fremdenhass oder für Wahlkampfrethorik rechter Parteien. Das ist, finde ich, vollkommen verständlich, ich würde mein Leid auch nur ungern solchen Menschenfängern zur Verfügung stellen.

Aber, bei aller Trauer, Ihr weigert Euch anzuerkennen, dass hier eine sehr reale Gefahr existiert, welche durch wohlfeile Statements nicht gebannt werden wird. Der Hass auf Euch, der sich hier in einer Gewalttat entlud, ist anschlussfähig in vielen Teilen der islamischen Gemeinschaft. Die Weigerung Tatsachen zu benennen, bringt keine Aura des quasi „über den Ereignissen und dem Hass zu stehen“ ein, sondern vor allem das Bild der Wehrlosigkeit.

Die Weigerung Tatsachen zu benennen, hat auch erst die so stark gemacht, von denen Ihr Euch nicht vereinnahmen lassen wollt und auch zu einer Abwanderung aus Eurer eigenen Bewegung geführt. Seit so mutig und erkennt an, dass nach fast 200 Jahren Kampf um reaktionäre religiöse Doktrinen aus unseren Gesellschaften zu drängen, wir auch als linke Bewegungen jetzt danach streben müssen zu verhindern, dass solche Ideologie wieder in unseren Gesellschaften verankert wird, aber diesmal aus einer anderen Richtung. Ich schrieb es bereits und ich werde es gerne wiederholen: uns steht eine religiöse Ideologie gegenüber, die unsere (auch sozialistischen) Werte grundsätzlich ablehnt, in der nicht-Anhänger nur sehr geringen Stellenwert haben und die bereit ist, die in den Grundlagentexten geforderte Vorherrschaft u.a. mit Gewalt zu erreichen.

Andererseits ist es vielleicht auch eine gebotene Deeskalationsstrategie, da die Euch ablehnenden ja durchaus zum kinetischen Handeln willens sind. Was würde passieren, würde man diese Leute antagonisieren?

Dieser Terroranschlag geht mir sehr nahe. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich feierfreudige schwule und lesbische Freunde und Kollegen anschreiben, fragen, ob es ihnen gut geht, bange warten, weil Antworten spät kamen. Aber es geht allen gut. Zumindest körperlich.

Ich hätte Dienst gehabt, wäre ich nicht wegen eines Arbeitsunfalles zu Hause, hätte ich dort gestanden, zwischen dem ganzen Leid. Das fühlt sich für mich in etwa so ähnlich an, als wenn man im Straßenverkehr den Beinaheunfall hatte, der tödlich gewesen wäre und man erstmal anhalten und durchatmen muss. Gleichzeitig kommt in mir ein Schuldgefühl auf, weil ich mit meinem Scheiss zu Hause saß und eben nicht da war und helfen konnte.

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Es ist kein Wunder, dass der Attentäter Abdul B. in Berlin-Spandau ausfindig gemacht wurde. Beim Zugriff der Polizeikräfte wurde er erschossen.

Spandau ist der Brennpunktbezirk Berlins, über den keiner redet, nichteinmal der King der Obstallee, Raed Saleh (SPD). Das ist hier meine Reisewarnung an Schwule und Lesben: Seien Sie in Spandau vorsichtig!

DIe Richtung aus der Hass auf zB Schwule und Lesben im öffentlichen Raum in Berlin (und nicht nur hier) kommt, hat sich geändert und die Intensität ist höher geworden. Tatsächlich hätte ich noch vor fünf Jahren nicht gedacht, dass das wieder so weit kommt. Wo doch sogar Spitzenpolitiker konservativer Parteien offen homosexuell sein können. Klaus Wowereits (dem die Szene dankbarer sein sollte, als sie es ist) geflügeltes Wort „Und das ist auch gut so, meine Damen und Herren!“ ist schon so lange her. Und doch ist die Gefahr für die seelische und körperliche Unversehrtheit wieder da.

Ich schreibe dies alles nicht aus Hass auf migrantische Personen, nicht aus Häme über Leute, die gerade über ihre eigene Ideologie stolpern und trotzdem nichts lernen, sondern aus Sorge um schwule und lesbische Freunde und Kollegen, aus Solidarität mit ihnen und auch aus dem Wunsch heraus, in einer friedlichen und aufgeklärten Gesellschaft leben zu wollen.

Passen Sie auf sich auf!

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Bildquelle: Sebastian Gollnow/dpa, bei der taz


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