//
Nun, die Binsenweisheit ist natürlich, dass nicht alle Einwohner eines Landes die gleichen Ansichten und Einstellungen haben. Nicht alle Touristen sind planlose Wesen, welche die Definition von „intelligentem Leben“ in Frage stellen, nicht alle Ureinwohner sind den (extraterrestrischen?) Besuchern völlig abgeneigt.

Tatsächlich trifft man sehr hilfsbereite Norweger. Zum Beispiel ein Mitarbeiter auf einer Fähre, der augenzwinkernd die Maße des Fahrzeuges kleiner einschätzt, als sie sind und die Fährfahrt somit um ein paar norwegische Kronen günstiger gestaltet. Grundsätzlich scheinen Norweger auch bei Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sehr reservierte Menschen zu sein. Ich mag das. Es wird erwartet, dass man sich nicht zu Nahe kommt. Ein freundlicher Umgang macht das Leben besser, aber es sollte nicht zur Wutzi-Butzi-DuDuDu-Orgie verkommen, wie es zB gern unter Prenzlmoms gelebt wird.
Grundsätzlich sehe ich bei Reisen immer zu, der lokalen Bevölkerung so wenig wie möglich auf die Nerven zu gehen. Wie Die Kolporteure so korrekt singend anmerkten: „Nichts sollte man biegen bis es bricht!“
Ich wünschte, andere würden das auch tun. Dazu gehört, nicht seinen Müll überall liegen zu lassen, sich auf öffentlichen Toiletten hygienisch zu verhalten. Die meisten der vielen kleinen Rastplatz-WCs in Norwegen sind recht sauber und sie merken immer, wenn deutsche Reisende kurz vor ihnen da waren. Anscheinend muss man sich außer Haus benehmen wie ein läufiger Hund, der Reviere markieren muss.
//
Warum darf man eigentlich einige Völker stereotypisieren und andere nicht?
//
Vielleicht sollte man als Deutscher auch nicht vergessen, dass Norwegen im zweiten Weltkrieg durch Nazi-Deutschland besetzt war und man sich nun dann auch entsprechend wie ein Nazi-Besatzer verhielt. So richtig kann ich keinem Volk, vor allem in Europa, eine Abneigung gegen uns vorwerfen. Zumal sich deutsche Touristen auch gerne im Ausland weiterhin übergriffig und rücksichtslos benehmen, nur halt ohne die Autorität, die das Bajonett verleiht.
Der spätestens Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Typus des „hässlichen Deutschen“ lebt und gedeit.
Dieser Kriegsschauplatz wird auch häufig ignoriert, genau wie die deutsche Besatzungszeit in Dänemark, gab es nur wenige große Schlachten. Aber der Einsatz in Norwegen besiegelte quasi das Ende der Überwasserflotte der deutschen Kriegsmarine, abgeschossen durch die britische Royal Navy. In Norwegen wurde der (ansonsten auch sehr untaugliche) deutsche Weg zur Plutoniumbombe durch ein Kommandounternehmen verhindert (dies immerhin verfilmt).
Das Bundesland Finnmark wurde dann 1945 durch die Rote Armee befreit, in andern Landesteilen ergab sich die Wehrmacht nach dem Zusammenbruch des Naziregimes. Die Kapitulation wurde durch den norwegischen Fähnrich Terje Rollem, einfache Feldkleidung tragend, abgenommen; einem beschmückten Wehrmachtsmajor gegenüberstehend.

In ganz Norwegen finden sich Denkmäler zum Zweiten Weltkrieg. Die Stadt Kristiansund N wurde von deutschen Bombergeschwadern fast vollständig niedergebrannt.
Denken Sie daran als Deutscher im europäischen Ausland! Die Lehre aus dem Wahn der deutschen Überlegenheit sollte nicht sein, dass die BRD „aus historischer Schuld“ alle Waffengänge der damaligen westlichen Siegermächte (und ihrer Anhängsel, *räusper*) abnickt und wir uns in Europa politisch wieder benehmen, als würde uns der Kontinent gehören. DIe Lehre hätte sein sollen, das „wir als Volk“, so schräg es sich anhört, ruhiger, bedachter, besonnener Handeln. Was wir nicht tun. Fragen Sie die Griechen, die wegen dem merkelschen „Austerität“ genannten Wirtschaftsblitzkrieg immernoch Scheiße fressen.
//
Aus Gründen, die nicht auf diese Seiten gehören (ich wurde remigriert), endete mein Aufenthalt leider sehr frühzeitig. Die Besatzung des Abschiebefliegers war sehr nett, vom Norges Røde Kors gab es Wasser mit Zitronengeschmack. Etwas schräg ist es, wenn man beim ersten Stopp im Nachbarland erstmal mit Salaam Alaykum begrüßt wird. Welcome to the Islamic Caliphate of Swedenistan. Alaykum salaam.
Es folgen noch ein paar lose Beobachtungen und Verallgemeinerungen. Denn Verallgemeinerungen sind natürlich immer zutreffend!
/
Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, alle mir auf den Straßen entgegenkommende Kollegen quasi per Busfahrergruß zu, äh, grüßen, was natürlich nur zu verwunderten Blicken führte. Nun gut, ich war ja auch in zivil. Viele in meinem Berufsfeld tragen Klettpatches, die gerade im Kontakt mit ausländischen Kollegen gerne gegenseitig getauscht werden. Ich hatte sogar zwei dabei, sollte sich die Gelegenheit bieten, was sie aber nicht tat.
/

/
Während norwegische Männer eher so hagere, teils schlacksige Typen sind, sind norwegische Frauen schon recht proper gebaut. Einhellige Meinung im Kollektiv: die müssen ja auch die Kinder gut durch den Winter bekommen. Einigen steht es, anderen nicht.
/
Der größte Teil der norwegischen Verkehrsinfrastruktur besteht aus meist recht gut ausgebauten Landstraßen. Auf Europastraßen dürfen sie 90km/h fahren, ansonsten ist eine Vmax von 70 oder 80km/h angesagt. LKW dürfen das übrigens auch, was dazu führt, dass ein 40Tonner kein so derbes Verkehrshindernis darstellt wie hier. Und gerade bergab reizen norwegische Trucker gerne den Begrenzer aus. Anders als in Schweden müssen Blitzer übrigens nicht angekündigt werden, häufig geschieht das aber. Halten Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, denn, wie bereit geschrieben, sind die Strafen dafür hart. Interessanterweise finden sich die meisten Geschwindigkeitsüberwacher auf den Landstraßen und nicht in Ortschaften.

Sie sind übrigens dazu verpflichtet, anderen Platz zu machen, sollte sich eine Kolonne hinter Ihnen bilden.
Das ist in der BRD auch so (STVO §5 Absatz 6), macht aber niemand. In Norwegen gibt es dazu sogar Furten an Landstraßen. Auch die Kultur, auf für Überhohlmanöver geeigneten Strecken und ohne Gegenverkehr die Möglichkeit eines gefahrlosen Überholens per Fahrtrichtungsanzeiger (vulgo: Blinker) rechts anzuzeigen, ist weit verbreitet.
Es gibt wirklich viele Kreisverkehre und ich bin mir nicht sicher, ob ich diese oder Kreuzungen mit Lichtzeichenanlagen (vulgo: Ampeln) bevorzuge. Ein Kreisverkehr hat im Gegensatz zur LZA nun den Vorteil, dass er inerte Infrastruktur ist. Fahren Sie in den Kreisel herein, dann blinken Sie so lange links, wie Sie sich im Kreisel aufhalten und dann bei der Ausfahrt wieder rechts. Außerhalb dieser beiden Beispiele scheinen die Nordtypen aber eher blinkfaul zu sein.

Viele größere Straßen sind Mautstraßen! Für eine Fahrt von Süd- nach Nordnorwegen legen Sie um die 200€ auf die Theke. Die Erfassung erfolgt automatisch.
/

Norwegen ist kein Eisenbahnland. Die Topographie gibt das auch nur bedingt her, denn Züge mögen Steigungen gar nicht so gerne. Sehr aufwendige Hoch- und Tiefbauten wären für ein dichteres Netz nötig. Die Höchsgeschwindigkeiten auf den Strecken sind auch nicht viel höher als auf den Europastraßen. Auf der Bahnstrecke zwischen Bodø und Trondheim gibt es pro Tag pro Richtung anscheinend nur einen Zug. Eingesetzt wurden bis vor kurzem noch Bombardier Talent mit Winterausstattung, etwas großzügigerer Inneneinrichtung und Neigetechnik, aber die Kisten machten wohl nur Ärger.
/
Auch in Norwegen hat sich das Stadtbild (er hat es gesagt, ohje ohje!) geändert, jedeoch nicht in dem Maße wie in Schweden. Ich hatte keine Gelegenheit einen Norweger zu fragen, wie das so ankommt.
Ich versuchte bei einem Syrer in einem mittelnorwegischen Kaff eine Pizza zu bestellen, was auf Grund von Sprachbarrieren beider Seiten gründlich misslang. Man muss aber auch sagen, dass Keule mit viel Akribie jede einzelne Zutat sorgsam auf dem Teig verteilte, sodass man wirklich ewig hätte warten dürfen. Da bin ich zu Hause beim Pizzabacken aber zackiger! Die anderen Kunden warteten übrigens nicht im Laden, sondern draußen in ihren Autos.
/

/
Ich habe keinen einzigen Lieferando-Fahrer gesehen. Dafür jede Menge Teslas. Und Geländewagen. So richtige Geländewagen mit Leiterrahmen und Frontschutz und Zusatzbeleuchtung und Geländereifen und so weiter. Klar, da wo ich wohne sind die unsinnig, aber ich hab einen Faible für sowas. Toyota Hilux an jeder Ecke. Ich will das auch!
/
Wenn man nach Norwegen fährt, macht man ja ggf eher Urlaub von Menschen und will in die Natur, aber irgendwie zieht es mich dann doch immer in die Behausungen des homo sapiens, zumindest kurzzeitig. Das war dieses Jahr nicht so recht möglich, also überlege ich, ob ich da nicht einmal komplett allein hinfahre. Denn irgendwohin zu fahren, ohne Begleitung, ist absolut unterbewertet.
Aber ich liebe doch alle Menschen!
/
Alkohol ist in Norwegen natürlich sündhaft teuer und sie bekommen ihn fast nur im Spezialgeschäft. Im Supermarkt gibt es Bier, aber ich trinke kein Bier. Rauchen ist auch eher nicht verbreitet.
Der norwegische Staat möchte schon, dass der Norweger gesund lebt. Aber ich glaube, das ist nur ein vorgeschobener Grund. Wahrscheinlich würde bei angemessener Promillelage der Wikinger herausbrechen und dann müssten sich Dörfer auf der schwedischen Seite der Landgrenze und Städte an der schottischen Nordseeküste wieder warm anziehen. NATO-Mitgliedschaft hin oder her.

A pro pos Germanentum. Norwegen wurde gründlichst christianisiert und irgendwelche Runenfans werden hier eher nicht auf ihre Kosten kommen. Hinweis: Wenn Sie nach Walhall möchten, dann müssen sie aufrecht und im Kampf durch Waffengewalt abtreten. Ich möchte schon gerne ehrenvoll, aber lieber ohne Amputations-, Penetrations- oder Schädel-Hirn-Trauma im Dreck liegend sterben. Oder wie die Toten Hosen mal sangen: Ich will nicht nach Walhalla, wenn der Weg dorthin so trallalla… oder so.

In Odins Trinkhalle gibt es außerdem nur Bier und Met und es gibt nur Wildschweinfleisch und man muss den ganzen Tag zur Freude Odins mit anderen Kämpfen und es gibt zwar die Walküren, aber anonsten steht da nix von Frauenbegleitung für andere Nahkampfarten. Ich glaube, mit toxischer Männlichkeit ist sowas wie Walhalla gemeint, wahrscheinlich geht es dann aber um Sitzpositionen in der U-Bahn und dass er einfach nicht zuhört und nicht emotional vulnerabel ist.
//

Mir graut es schon vor der Heimatstadt, vor allem, wo es jetzt bald Sommer wird und alle wieder abdrehen werden.
//
Det var alt for nå. Farvel!
