Vor längeren Aufenthalten auswärts bin ich immer angespannt. Ich mag Sicherheit im heimischen Gefilde, ein Gefühl der Kontrolle und auswärts zu sein bedeutet, diese Kontrolle abzugeben. Wenn Mann etwa 3000 Kilometer entfernt ist, kann Mann das Geschehen in der Heimat nicht mehr so Recht beeinflussen, auch wenn das mit modernen Kommunikationsmitteln durchaus in gewisser Weise möglich ist. Deshalb bin ich auch ein halbwegs schlechter Beifahrer. Ich mag es, eingreifen zu können.
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Sie mögen uns hier nicht. Das war vor vier Jahren noch anders, auf Wanderwegen freuten sich die hier lebenden Bürger noch, dass man sich an der lokalen Natur erfreute, man auch nette Worte wechseln könnte, aber das ist jetzt so vorbei, wie meine Beziehung zur Linkspartei. Selber Grund: es gibt einfach Leute, die sich nicht benehmen können. Und es sind zu viele.

Sehen Sie das? Ein Schiff voller Touristen in einem norwegischen Fjord. Das Schiff hat mehr Passagiere als das Dorf, an dem es anlegt, Einwohner. Geld lassen sie auch keins da, denn sie werden direkt mit Bussen irgendwohin gekarrt, wo sie kurz Fotos schießen und ein oh so nice! da lassen um sich dann zurück fahren zu lassen, auf dem Schiff zu fressen und danach, sollte es das Alter noch hergeben, danach neue Touristen zu erzeugen. Bunga Bunga Bums Bums How much is ze Fisch?! Die Reederei zahlt Anlegegebühren und der Busunternehmer hat Fahrten aber das war’s dann.
Als Berliner kennt man das. Man kennt auch die andere Variante, bei der die so genannten Individualtouristen den öffentlichen Personennahverkehr fluten und dabei gar nicht mal so individual sind, sondern vor allem im Wege stehen und ratlos gucken. Während Sie oder ich zur Arbeit wollen oder nach der Arbeit einfach nur eine fucking Packung Käse kaufen wollen, während der spanische Touri in seiner Fetzenkleidung und dem großen Rucksack vor dem JETZTIMKÜHLREGALDERNEUESCHEISSKAPITALISTENKÄSE steht und zwei Verkaufseinheiten des gleichen bekloppten Kaufhalleneigenmarkenkäses Geschmacksrichtung NICHTS begutachtet.
Ich verstehe die Norweger in voller Gänze und dennoch bin ich hier. Ich bin das Verkehrshindernis, über das ich mich selber aufrege.
Aber es ist unglaublich schön hier.




Es tut mir leid, dass ich hier eine innere Ruhe wie sonst vielleicht nur in Vorpommern finde und Ihr Norweger deshalb mit einem Typen klar kommen müsst, der nicht ganz versteht, wann und wo hier der Blinker genutzt wird. Aber ich lasse Euch alle gerne auf der Landstraße vorbei, denn Ihr wisst, wo hier die Blitzer mit den drakonischen Strafen stehen.
Liebe Norweger, Ihr habt ein sehr schönes Land, viel schöner als meine Heimat und ich verstehe, warum Euch die ganzen rücksichtslosen Externen wahrscheinlich so richtig auf die norwegischen Nüsse gehen.
gez.: ein ebenso abgenervter Berliner.

