// Logbuch: 12apr26 / Wat kiekstn so, Keule?


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Ich hatte einen Personalausweis in der Hand und er hinterließ auf meinen Handschuhen ein weißen, pulverigen Abrieb. Den Ausweisinhaber fragte ich, ob er denn damit gewisse Substanzen in kleine Bahnen portionierte. Die Antwort: „Nein, ich nicht!“ Daumen hoch für die Ehrlichkeit.

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Es gibt wirklich viel, an was man sich bei der BVG stören kann. Sicherlich. Von der Pünktlichkeit über die Mitfahrgäste bis zur Fahrgastinformation. Aber: derzeit bekommt die Berliner U-Bahn, eines der ältesten U-Bahnsysteme der Welt, neue Fahrzeuge für die beiden Teilnetze Groß- und Kleinprofil. Auf den youtube-Kanal UndergroundBerlin gibt es dazu ein kurzes und wie ich finde, sehr schön gemachtes Video. Viel Spaß!

Tatsächlich schaffte ich es bisher nicht einmal, mit den neuen Zügen mitzufahren und so viel Tagesfreizeit habe ich dann auch nicht, um an einem U-Bahnhof auf den richtigen Zugtyp zu warten.

Wenn Sie etwas zum Zocken neigen, dann können Sie sich auch selbst als Triebfahrzeugführer der Berliner U-Bahn versuchen. In dem Spiel „Subwaysim 2“ stehen ihnen die Zugtypen Hk und A3L für Dienste auf der U1 (Warschauer Straße – Uhlandstraße) und U3 (Warschauer Straße – Krumme Lanke) zur Verfügung. Es kann auch ein Blick über den Berliner Stadttellerrand gemacht werden, denn auch die Hamburger Ringlinie U3 ist enthalten. Was mich sehr freut: Angekündigt ist der modernisierte GI/E1-Zug der ehemaligen Ostberliner Verkehrsbetriebe als AddOn. Vielleicht wird es ja auch irgendwann die Linie U2 von Pankow nach Ruhleben geben. Wär’n Träumchen.

Und jetzte jehense mal ausse Lichtschranke raus und vasuchn nich imma die Türn uffzuhalten, ick hab hier ooch nen Fahrplan einzuhalten, meene Jüte, dit is unglaublich, benehmse sich zu Hause ooch so?

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Mir wurde in letza Zeit imma mal wieda jespiegelt, dass ich im Alltag wohl mittelmäßig starken Berliner Aktzent von mir gebe. Nun ja, schuldig im Sinne der Anklage und ich schäme mich dafür in keinster Weise! Ich weiß, dass kann auch sehr schnell ins prollige abkippen, davor vasuche ick mich schon zu bewahren und den Einschub des Buchstabens S in Worte wie „nicht“ oder „wichtig“ wäre mir ein wahrer Graus. Und Icke mir als Wortkombination vermeide ich dann doch, aber Dit, ooch und Icke werde ich mir wahrscheinlich im Leben nicht mehr abgewöhnen. Warum gilt eigentlich das Bayerische oder Schwäbische (letzteres eine Mundart, die zum HNO-Arztbesuch anregt) als Kulturgut, aber wenn icke hier rumditte isset wieda ne janz furchtbare Sache. Erklärnse mir dit mal. Persönlich empfinde ich das schon sehr viel sympathischer als Ahahah woischt, in Berlin da gibs nisch mal a rischdiges Weggle. Könnte daran liegen, dass mein Vermieter so spricht.

Ein Freund von mir ist gebürtiger Sachse, der seine Identität verleumdet, aber wenn er erstmal ne halbe Pulle Wein intus hat, dann kommt das wieder zum Vorschein und manchmal ist er dann etwas peinlich berührt. Icke kann ihn da aber nur bestärken, dit is doch ooch Teil von dem wo man so herkommt und außerdem gehöre ich wohl zur nicht-sächsischen Minderheit, die den Dialekt für sehr sympathisch, sehr ehrlich hält. Thüringisch auch. Glück auf, Jenossen!

Das Berlinerische ist übrigens sprachwissenschaftlich gesehen kein Dialekt, sondern ein so genannter Metrolekt. Er wird über die Stadtgrenzen hinaus, in der Metropolregion, gesprochen. Auch im tiefsten Brandenburgischen finden Sie Leute, die janz vergnüglich mit nem Lichtenberger Bauarbeiter mithalten können.

Also, jetz ma hier keene Fisimatenten und zum Mitschreiben: Icke berliner halt und wennse damit n’Problemchen habn, ja, dann könnse jerne am Ostbahnhof sich ne Karte Richtung woanders ziehen.

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Fisimatenten ist auch wunderbares Berliner bonmot. Das Berlinerische besteht ja nicht nur aus der lockeren Aussprache von Worten, sondern auch aus lokalen Redewendungen und speziellen Anwedungen von Worten. Fisimatenten stammt aus der Zeit der Besetzung Berlins durch Napoleon und ist eine fiese Einberlinerung des Französischen. Die Soldaten Napoleons sollen Berliner Mädels gerne mal die Aufforderung Visite ma tente an den Kopp jeworfen haben. Komm in mein Zelt. Ziel ist klar: Techtel-mechtel. Militärs werden sich nie ändern. Das fanden die Berliner, immer etwas antiauthoritär, allgemein nicht so dufte, war die Aufforderung ja auch durchaus nachdrücklich. So wurde Visite ma tente despektierlich zu Fisimatenten verkürzt und verballhornt und fand schnell Einzug in die städtische Sprache. Es steht bis heute für große und kleine Vergehen gegen das soziale Zusammenleben.

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So, jut is. Dit war dit Wort zum Sonntach. Ess Siebunvierzich nach Spindlasfeld Einsteigen bitte. Zrückbleimbitte! ZURÜCKBLEIM HAB ICK JESACHT! Abfahrt Gleis Zwo!

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