// Logbuch: 28mar26


Das Logbuch ist weiterhin einfach die Kategorie für meine unsortierten Gedanken und Beobachtungen.
Themen heute: Dienstlich-privates, Gesundheitstipps an die Jugend. (que: Intro ARD-Morgenmagazin)

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Ich finde das Wort „Arbeitsmarkt“ sehr lustig. Ein Markt für Arbeit. Ein Jahrmarkt mit Karussel, Achterbahn mit Sicherheitsmängeln, zB wie die Fahrgeschäfte des unvermeidbaren Weinachtsrummels an der Landsberger Allee auf dem Möbelhausparkplatz, wo gefühlt jedes Jahr einer oder mehrere Besucher sterben. Stellen Sie sich vor, Sie sterben auf dem Weinachtsrummel in einer kaputten Kleinachterbahn, weil der Schausteller mutmaßlich zu sehr auf Alk und Meth war, um die Schrauben richtig anzuziehen und außerdem die Sicherheitssplinte akute Materialermüdung aufweisen. Furchtbar. Kommt man bei so einem Tod eigentlich nach Valhalla? Vielleicht, immerhin hatten Sie die Courage, da mitzufahren.
Und der Arbeitsmarkt ist eigentlich auch genau das. Ein Arbeitsrummel mit Sicherheitsmängeln und manchmal kratzt dabei einer die Kurve. Bei meinem „Arbeitgeber“ (noch so ein Wort) haben die Sicherheitssplinte auf jeden Fall Materialermüdung und ich, zumindenst, weiß, dass ich auf jeden Fall nach Valhalla komme. Oder StoVoKor, wenn Sie es etwas fantastischer haben möchten.

ZUSTAND NACH NACHTDIENST

Bei einer Berliner Dienststelle ist mal eine Toilette eine Etage tiefer gerauscht, weil das Gebäude so marode war. Der Fußboden ist einfach eingebrochen und ZACK hing das Klo unten. Ohne Verletzte. Es gibt auch noch Toilettenanlagen, die schon so lange nicht mehr renoviert wurden, dass neben dem Pissoir noch ein rostiger Wandaschenbecher hängt. Wir haben Dienstgebäude aus denen Sie nur die Einrichtung herausräumen müssen und schon finden Sie sich im Berlin der 20er Jahre wieder. Ich mag das Kapitel Weimarer Republik nicht. Löst in mir, als sehr an Geschichte interessierten Menschen (Leistungskurs!), nix aus.

Ich habe übrigens weder Babylon Berlin, noch Ihre Lieblingsserie geschaut. Oder einen Tatort mit Christian Ulmen. Aber ich mag Ulmen generell nicht, Tannen finde ich viel besser!

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Eigentlich, eigentlicheigentlich, wollte ich ja hier gar nichts über berufliche Dinge schreiben, aber es hat sich eingeschlichen, spätestens, nachdem ich meine Gedanken über einen nicht so schönen Einsatz auch mal schriftlich ordnen musste. Denn eigentlicheigentlicheigentlich tendieren zur privaten Veröffentlichung bestimmte Schriftsätze von Einsatzkräften eher zum Fremdschämen. Blogbeiträge gehen noch, finde ich ganz uneigennützig (ähem), aber spätestens wenn aus der Psychotraumaaufbereitung ein Buch wird, dann wird es ganz schlimm. Keines dieser Bücher ist gut oder führt zu Erkenntnisgewinn.

Kleiner Hinweis: Sollten Sie Einsatzkräfte jeglicher Uniformfarbe in ihrem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis haben, schenken Sie denen auf keinen Fall Einsatzkräftedinge. Ganz im Gegenteil. Natürlich möchten diese Leute (wie ich ja auch) über ihren Berufsalltag oder auch die mannigfaltigen kuriosen Situationen sprechen (das müssen wir auch, weil man sonst abdreht) und Sie als Angehörige sollten durchaus ein Gespür dafür entwickeln, wann es bei ihrem uniformierten Familienmitglied gerade knirscht, aber setzen Sie klare Grenzen. Nein, der Abendbrottisch ist NICHT der richtige Ort für die grausamen Details. Erinnern Sie daran, dass es ein Leben außerhalb der Wache und des Dienstes gibt. Nein, diese Berufe sind nicht wie alle anderen Berufe und dennoch sind sie genau wie andere Berufe. Und sollten Sie ein Kollege sein, erinnern Sie sich selbst daran, dass es ein Leben außerhalb der Wache und des Dienstes gibt und arbeiten Sie kontinuierlich daran, dass es auch so bleibt.

Aber die Arbeit (rabota rabota) ist halt doch ein großer Teil des eigenen Seins. Somit werden auch meine dienstlichen Beobachtungen weiter Teil dieser losen Textesammlung sein.

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Der Monat ist bald um, es naht der 1. April. Ich habe mir an diesem Tag absolut frei genommen, weil es wirklich Bürger gibt, die das ganze „April, April hahahaha so lustig“ tatsächlich witzig finden. Fasching und Halloween sind ebensolche Termine, in denen es man als Träger von Einsatzkleidung wirklich Kalauer-geprüft sein muss.

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Kids, männliche, kurze Frage: woher kommt dieser zwanghafte Griff ans eigene Gemächt? Das ist mir privat, als auch dienstlich (buuuuh!) schon häufig aufgefallen. Steht da so ein junger Kerl vor mir und er kann es nicht lassen. Juckt es? Falsche Unterhose an? Sticht der Hafer, wie man früher sagte?
Neulich stand eine ganze Gruppe von Jungs mit Brokkolifrisuren vor der Kaufhalle (Kaufhölle, um ehrlich zu sein) und jeder faste sich frequentiert an den Schniedel. Leute! Leute, ehrlich. Wenn es juckt, dann geht zum Arzt und wenn es bei Euch allen in der Gruppe juckt, dann – es ist das 21. Jahrhundert – kauft Kondome. Ist heutzutage kein Ding (haha!) mehr.

Vielleicht ist das ja ein Ausdruck der Angst um die eigene Männlichkeit, sodass geprüft werden muss, ob das Mannesorgan noch vorhanden ist.

Im Viererabteil einer S-Bahn saß mir ein junger Mann gegenüber, dessen Hand sich qausi gar nicht mehr von seiner Hose wegbewegte und der zog und rückte und zog. Das war so dermaßen auffällig, weg- und aus dem Fenster schauen half nicht. Innerlich wollte ich ihm schon an den Oberarm greifen, um seine Hand von seiner Hose wegzuziehen. Jüngst ermahnte ich dann tatsächlich einen derselben. „Wenn Sie gleich vor der Krankenschwester stehen, dann fassen Sie sich bitte nicht immerzu in den Schritt.“ Immerhin peinlich berührt. Vielleicht fällt es ihm ja auf.

Machen die das auch, wenn sie vor ihrer Mutter stehen?


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