// Logbuch: 05feb26


Eigentlich wollte ich über etwas ganz anderes schreiben, aber die Sonnenwinde trieben mich woanders hin. Shit happens!

//

Als allererstes ein Anliegen, das mir ehrlich wichtig sind. (Das erst Wort ist „als“. ah ell ess. Nicht ÄÄY EY! Wenn Sie ChatGPT nutzen, dann sollte man Ihnen Internetverbot erteilen.)

Das Land Berlin hatte mal wieder eine fixe Idee, die sich jetzt, gut durch Steuergelder bezahlt, die wir woanders eher bräuchten, in Form von Werbekampagnen und Meetings und berauschter Vorfreude in diverse Gehirne leider auch leitender Angestellter dieses jungen Startup-Bundeslandes (örrrgs) ergossen hat.

Berlin will Olympia ausrichten. 2036. Genau hundert Jahre, nachdem die erste Durchführung schon so ein wunderbares Fanal der Völkerverstän… Was? Hitler? Wie er da hospitalistisch auf der Tribüne sitzt. Ja, der Hitler.

Olympia 2036. In einer nicht nur finanziell maroden Stadt, die nichts innerhalb eines aktzeptablen Rahmens gebaut bekommt. Silvester ist das Häuschen auf dem S-Bahnhof Wedding abgebrannt; bisher tut sich da wenig, die Ringbahn fährt durch und man darf sich während der Fahrt mehrmals den Hinweis dazu anhören. Oder: der Flughafen (Punkt. Muss man noch was dazu sagen?) Der Bau der S- und Fernbahn an der Perleberger Brücke oder Tangentiale Ost. Die Verlängerung der Straßenbahn in die Westsektoren. WOHNUNGEN. WOHNUNGEN WOHNUNGEN WOHNUNGEN. Nichts bekommen die hier gebacken, aber in 10 Jahren soll der Reichs-, also hier der Kanzler dann im Olympiastadion (immerhin schon fertiggstellt) abfreaken. Wie lange bauen die jetzt schon am Gevatter Jahn-Sportpark? Was ist, wenn in den runtergerockten Sporthallen, die innen immer mehr dem Inneren des Sarkophages von Chernobyl ähneln, seltene Frösche gefunden werden? Ganz abgesehen von der Frage, ob sich diese Stadt den Zirkus überhaupt finanziell leisten kann.

Oder ob man die korrupten Säcke vom IOC belutschen will, damit diese dann für die Zeit der Austragung (und davor) hier sich als Aristokraten aufspielen können. Wenn Sie übrigens einen kleinen Kiosk oder Laden haben, dann sollte Sie genau darauf achten, wirklich nichts im Schaufenster zu haben, was als Werbung für die Spiele ausgelegt werden kann und Sie die (horrenden) Lizenzen nicht gezahlt haben. Dann kommt die IOC-Polizei. Und dann, als leicht autoritär angehauchter Mensch, würde ich mir ja wünschen, dass eine Berliner Beweis- und Festnahmeeinheit (die mit den Helmen und Knüppeln) mal das echte Gewaltmonopol gegenüber dem IOC durchsetzt. Denn Leute, die nicht gefragt wurden, mit Lizenzen zu gängeln ist auch eine Art des Zwanges, vulgo Gewalt.

Und freuen Sie sich auf das Verkehrschaos.

Es gibt also mehrere Argumente gegen Olympia in Berlin. 1. Das IOC ist widerlich. 2. Man geht wieder nur der arbeitenden Bevölkerung auf den Sack. 3. Berlin kann es sowieso nicht. 4. Hitler.

nolympia.berlin Unterschreiben Sie, sonst leiden Sie!

//

So, die Bundestagswahl ist lange vorbei und es war genug Zeit, um sich an das Wahlergebnis zu gewöhnen, bis auf dass ich mich daran nicht gewöhnen kann und es auch weiterhin ganz furchtbar finde. Allein, dass die Wirtschaftsministerin den Nachnamen „Reiche“ trägt, lässt in mir die klischeehafte Frage aufkommen „Was darf Satire?“. Mein Fazit der bisherigen Legislaturperiode: Roter Burgunder ist gut. Hauptsache Rot und Hauptsache Trocken und ohne Zimtnote. Es gibt viele Weine mit etwas, was für mich nach Zimtnote schmeckt und irgendwie macht es den Wein, sogar wenn man dafür nen blauen Schein hinlegte, billig. Es gilt folgende Weisung: Lieber Rot als Tot.

Rainer Balcerowiak hatte mal einen Blog, der hieß Genuss ist Notwehr. Er schreibt dort seit Jahren nicht mehr, aber es war stets eine schöne Verquickung aus Solidarischem und leckerem Gesöff. Zu dem ich nicht mehr komme, denn sich in der Morgenfrühe nach der des Nächtens verrichteten Werktätigkeit an meinem Arbeitsplatz, Kampfplatz für den Frieden, eine Flasche Rotwein aufzumachen, ist etwas, was sich irgendwie falsch anfühlt und tatsächlich auch sehr schnell in Abgründe führen kann und sich noch mehr verbietet, sollte man in der folgenden Nacht wieder seinen Mitbürgern dienlichst zu Hilfe sein zu dürfen.

Es gibt so zwei Tage an denen die post-coitale-dienstliche Heimfahrt besonders schön ist: Sonntag Abend und Montag Früh. Ich habe großes Mitspracherecht bei meinem Dienstplan; ein Zustand, den ich mit meinem Leben verteidigen werde. Wenn ich Sonntags arbeite, ist Montag frei, denn das ist im Restaurant oder im Museum auch so. Und ich möchte diese schönen Momente auch auskosten können, denn ansonsten macht man ’ne Menge mit im Dienst für die Mitmenschen. Mach ich ja gerne, ich hadere viel mit meinem Beruf, aber er fühlt sich einfach richtig an. Und dann, sorry not sorry liebe Mon-Fr-0900-1700-Menschen, ist es an einem Montag Morgen nach einer Sonntagnachtschicht, die auch mal 13.5h dauern kann, in der mich Bürger und Leitstelle vielleicht sogar zwischendurch 45 Minuten ein Nickerchen haben machen lassen, aber in der 5 Minuten vor Wachablösung noch mal so ein richtig dickes Einsatzding reingefaxt wird, einfach geil, an Ihnen allen in meinem wunderbaren low-tech Auto, in dem nix piept, vorbeizufahren und auch ohne Radio selbstverständlich mit sehr schräger Stimme Schlager zu singen (zum Beispiel so Klassiker wie JEDENTAGSTIRBTEINTEILVONDIRJEDENTAGSCHWINDETDEINEZEIT, oder UNDWÜNSCHMIR,DASSICHEINEBUTTERHÄH-TE:MOTTER,DÜHDÜHDÜÜH).

Ich rolle dann so an die Haltelinie, nach einem durchgerollten Nachtdienst auch leicht manisch und schaue in die super freudlose Familienkarre neben mir. Frustfresse, weil die Scheiße wieder losgeht. Er trägt, was man, glaube ich, business casual nennt. Irgendwie ein Hemd, drei oberste Knöpfe offen, dazu ein etwas lockeres und im Sitzen im Fahrzeug sich verziehendes Jackett. Ich glaube das ist ein Jackett. So eine Anzugjacke halt, die vielleicht etwas sportlich aussehen soll, wenn man nicht gerade in einem grauen, kurzen Hochdachkombi mit Schiebetüren sitzt. Was macht er den Tag über?

Meetings oder so? Was macht man da im Büro? Sitzt man am Computer? Ja, meine Einblicke insbesondere in Bürotätigkeiten sind äußerst begrenzt. Dann und wann finde ich mich zwar in einem dieser Großraumbüros wieder und lasse dann meine auszubildende Einsatzkraft schalten und walten, um den Freiraum zu haben, die Umgebung in mir aufzusaugen. Aber der bloße Anblick erklärt ja nicht alles. Und mein Gegenüber über seine Tätigkeit zu verhören, wie ein NKWD-Offizier in der Lubjanka, ist ja auch nicht zielführend. Aber ich würde so gerne bohrende Fragen stellen.

Klar, ich lasse das jetzt hier, als nicht uniformierter, aber in sehr eindeutiger Funktionskleidung, die besser sein könnte, gekleideter Mensch so richtig mal raushängen. Die ganzen Anzugträger. Pinguine will ich sie nicht nennen, weil ich Pinguine witzig finde und Anzugträger eher mit einer neugierigen Distanz betrachte. Ich musste vor ein paar Jahren zu einem sehr unschönen Anlass einen Anzug kaufen. Es sollte ein Kleidungsstück sein, dass zu unterschiedlichen Zwecken einsetzbar ist, komme ich doch eher selten in die Gelegenheit so etwas zu tragen. Eigentlich brauche ich so etwas nicht. Sogar zu dem Anlass wäre eine praktische dunkle Hose und eine schwarze, schnittige Fleecejacke vollkommen in Ordnung gewesen.

Es war eine Beerdigung und die zu beerdigende Person hätte einen Anzug über einem sich, vor allem in diesem Kleidungsstück, sichtlich unwohl fühlenden Wesen humorvoll zu Kentniss genommen, aber keinerlei Unehre in praktischer, aber gut sitzender, Kleidung empfunden; auf jede der vier Iterationen meiner Dienstbekleidung war sie sichtlich Stolz. Aber Schneid sollte man schon haben. Hier ergehen die dankbarsten Grüße.

Und Schneid hatte ich noch nie in Anzügen. Es gibt sogar Etikette, wann man welchen Knopf öffnet. Mit Merkelsätzen, die ich mir nicht merkeln kann.

Und ich hab noch nicht mal von den bescheuerten Schuhen angefangen. Was sind das für Treter? Ich besitze sogar ein Paar zu dem Anzug passender Schuhe, dich ich bisher einmal trug. Ganz ehrlich: ich trage mein zum Anlass gut poliertes zweites Paar Einsatzstiefel. Wenn ich schon so ein furchtbaren Fummel mich umgeben lassen muss, will ich mit SIcherheitsnorm S3 geerdet sein. Mir ist egal was Leute darüber denken. Ich hasse einfach den Anzug als Konzept an sich und ich brauche das um dieses Gefühl irgendwie abzuleiten, sonst werde ich wirklich fuchtig. Und ich kann den anderen auf die Füße treten und die mir nicht. Ist ja ne Stahlkappe dazwischen.

Fuchtig wurde ich auch beim Kauf des Anzuges. Die solidarische Person, die mich geduldig begleitete, durfte Aussagen wie „Leider bin ich für die Junge Union zu alt!“ oder „Warum geht die Hose bis zu meinen Knien hoch, wenn ich mich hinsetze?“ oder „Sowas würde auch Jens Spahn tragen“ (würde er nicht, für den wäre das viel zu billig oder auch nicht) oder „Ich seh aus wie ein Wehrmachtsoffizier, soll ich mir noch solche hohen Reiterstiefel dazu kaufen?“ (und natürlich darf gesch… was?) ertragen. Es wurde ein schwarzes Jackett und eine Hose, die jetzt irgendwo liegt.

Diese Schuhe, Junge! Ich mag das nicht, wenn Schuhe unter dem Sprunggelenk enden. Und dann zieht sich beim Sitzen diese Anzughose hoch und dann werden die Beine kalt, was bei mir schnell passiert, denn ICHBINFROHDASSICHNENDÜRRERHERINGBINDENNDÜNNBEDEUTETFREIZUSEINYEEEEAH (kann man auch geil im Auto singen). Man könnte Socken tragen, die entweder schwarz sind oder so ironische Motive (was gibts da so?) oder in blau-gelb für Zelensky oder, was geiler wäre, Socken, auf denen einfach FUCK YOU steht.

Ich trage auf Arbeit Thermosocken aus Merino-Wolle (fancy!) in S3-Markenstiefeln. Ich hab mit den Dingern schon Türen eingetreten und ja, das fühlt sich geiler an, als wenn einem die Hose hochrutscht und die Beine kalt werden oder die Spitzen der Schuhe an dem Zeh drücken oder man mit dem Knöchel (dürrer Hering!) immer gegen das Stuhlbein stößt.

//

Wenn so ein Kapitän eines, zB Container-Feeders, bei schiet-Wetter und Nachts gekonnt seinen Kahn an den Kai in Rostock-Warnemünde bringt, fühlt sich das, wette ich drauf, auch so richtig gut an.

Oder wenn so eine Busfahrerin eines BVG-18m-Gelenkbusses eine sonst hoffnungslose Kreuzungssituation mit einem gekonnten Fahrmanöver rettet. Ich hab dieses Grinsen schon gesehen, hatte sie sich redlich verdient!

//

Ende der Durchsage.


Hinterlasse einen Kommentar