Logbuch: 07mar25


Es ist schon März… Junge, wie die Zeit vergeht. Servicemeldung: Wir, also ich, machen das hier jetzt so: Logbucheintrag auf und dann schreibe ich da meine hochgradig innovativen Gedanken rein und drücke einfach auf „Veröffentlichen“. Kann gut sein, dass dann im Laufe des Tages oder Folgetages noch etwas dazukommt. Erwarten Sie nur mittelmäßige Struktur und erwarten sie bitte generell keine Verlinkungen auf irgendwelche hintergründigen Artikel, um meine Ansichten hier zu untermauern oder ähnliches. Kann dann auch sein, dass der Artikel abrupt endet. Aber hey, fuck you, das ist mein Blog.

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A pro pos Zeit vergeht. Ich war beim Friseur: ein Termin, welchen ich stets so ewig vor mir herschiebe, wie den leider manchmal nötigen Umgang mit Bank- oder Versicherungsfutzis (Gulag). So sehe ich dann mitunter mehrere Wochen so aus, als ob man mich gerade aus dem tiefsten Alaska für eine letzte spezielle Militäroperation rekrutierte, nachdem ich schon vor mehreren Jahren den Dienst quittierte. Diesmal traf es mich nach dem Scheren doch richtig: ich werde grau. An den Schläfen, auf der Strähne über der Stirn. Und: sieht gut aus. Mag ich so.

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Okay, wir machen noch etwas Wahlnachlese. Uwaga: ich habe nicht alles verfolgt, was seit dem passiert ist. Habe ich auch gar keinen Bock drauf. Sich jeden Tag Nachrichten reinzuziehen oder sogar vielleicht noch die ganzen Zusatzsendungen, die das Geschehen für mich erleutern, einordnen. Da würde ich nur irre bei werden.

Es ist die Zeit des großen Personalwechsels. In der SPD haben die Akteure der dritten Reihe die Chance ergriffen und sich nach vorne gedrängelt, auch wenn es da Parteiintern durchaus Widerstand gab. Der komische Lars Klingbeil hatte im richtigen Moment den richtigen Riecher und das Kalkül sich an Scholz und Pistorius vorbei an die Spitze der SPD zu putschen. Die Esken taumelt da irgendwie hinterher, gerade die will wirklich keiner mehr haben, aber sie ist halt da.

So richtig witzig, wie ich finde, lief es aber bei den Grünen ab. Das war auch schon nach den brandenburger Landtagswahlen so. Wirklich verschlechtert hat sich die Partei in ihrem Ergebnis nicht, sie sind halt voraussichtlich nur nicht mehr an der Regierung beteilgt. Für die Partei selbst, welche sich für den einzig wahren und richtigen Weg hält, wie eine Sekte, denn das sind die Grünen, ist das natürlich eine schockschwere Not und jetzt bricht erstmal ihre Führung weg. Der Robert, der zuverlässige, nette, so bodenständige Familienpapa aus dem (und das jetzt ohne Sarkasmus) sehr, sehr schönen Schleswig-Holstein (Grüße!) ist vom Regieren und dem Wahlkampf und den Medien total fertig. Ja, wenn man in der ZDF-Talkshow sitzt und mit „Herr Habeck, sind Sie der Kanzler der Herzen?“ begrüßt wird, das geht aufs Gemüt. Das schlaucht, das zehrt, nächtelang nicht schlafen, Potenzprobleme, die Verdauung, dazu wieder Müsli mit Wasser essen müssen. Da kann man nur solidarisch sein und einen möglichst langen, stillen Urlaub wünschen! Haste Dir verdient, Robert. Danke (für nichts)!

So einfach sollte es für den Kerl aber nicht werden, forderten doch gleich Parteimitglieder medienwirksam „Robert, Du musst bleiben!“. Sein Bundestagsmandat hat der Robert auch verloren, die CDU-Kandidatin hat mehr Stimmen geholt und… zieht nicht in den Bundestag ein. Wie bitte? Erklär mir, wie das auch unter den hiesigen Demokratiestandards, in den der Bürgerwille generell gerne ignoriert wird, demokratisch sein soll? Antwort: Wahlrechtsreform der „Ampel-Regierung“ um den Bundestag zu schrumpfen. Dadurch fallen Mandate, welche durch die Erststimme gefüllt werden, weg. Warum hat man nicht eher das unsägliche Listenwahlsystem abgeschafft? Wie kann das demokratisch sein, dass der gewählte Abgeordnete es nicht in das Parlament schafft, dafür irgendwelche parteiklüngelnden Listenpleppos, die ja außerhalb ihrer Partei keinerlei Legitimation durch die Wähler haben, schon? Wozu überhaupt der Zweitstimmenblödsinn? Warum nicht eine Stimme für ein Abgeordnetenmandat pro Wahlkreis und damit war es das dann. Sie sehen, ich habe die ganzen medialen Nachrichtenzusatzprogramme nicht konsumiert, dort würde man mir garantiert darstellen, warum das demokratisch ist. Aber halt in diesem Duktus der „Sendung mit der Maus“.

Und wo wir bei Wählern und deren Willen sind (kurze Geduld, bitte): Nachdem Robert Habeck keine Lust mehr hatte, wurde man sich bei den Grünen gewahr, wer in der Parteirangfolge folgte. Annalena Baerbock. (lautes Lachen aus unsereren Redaktionsräumen).

Und das konnte keiner wollen. Während ich mir hier vier Jahre lang anhören durfte, wie resolut und kämpferisch und eloquent diese Person mit den Widrigkeiten der internationalen Politik umgegangen ist, war das auf einmal sehr schnell vorbei und man machte sich Gedanken, ob unsere Annalena denn dafür geeignet sei. Die 180-Grad-Wende (bei Frau Baerbock waren es noch 360°) erfolgte innerhalb von 36h; es war großartig anzusehen. Ja, Orwells 1984 ist leider wirklich ausgelutscht als Vergleichsmaterial, weil das Buch immer zur falschen Zeit zum falschen Thema herangezogen wird, aber gerade hier ist es sehr passend. Gerät macht so, Medien machen so. Umfall. Bei der Ukraine das gleiche playbook: Im Dezember 2021 noch das korrupteste shithole Europas, mit Nazis, die Gewerkschafter in Kirchen sperren und Anzünden, im März 2022 das leuchtendene Fanal Europas, die Nazis mit dem Brandbeschleuniger (und den eindeutigen Nazisymbolen auf der Uniform) die Verteidiger Europas gegen das nie dagewesene Böse.

Offen aussprechen tat es auch niemand, aber diese Woche stand hinter jeder Säule des Bundestagseinganges ein Grüner, der einem Journalisten seine Annalenasorgen ins Ohr flüsterte. Es hat gewirkt. Frau Baerbock möchte nicht mehr Fraktionsvorsitzende der Grünen in der kommenden Legislaturperiode werden. Aus „privaten“ Gründen. Müsste ich über Annalena Baerbock etwas gutes sagen, dann sägte ich: Sie hatte den Stumpfsinn (andere nannten es „Mut“) das Ungesagte doch laut auszusprechen. „We are at war with Russia.“ Sehr erhlich. Nur sollte sie ein bisschen eingrenzen, was „we“ heißt. Denn ich für meinen Teil befinde mich in keinem Krieg mit irgendjemandem, außer mir selber und vielleicht meinem Arbeitgeber und vor allem keiner Atommacht wie zB Russland. Russland hat auch mehr Panzer und Artillerie und strategische Raketentruppen als ich. Aber es war ehrlich, denn das illiberal-liberale Establishment aus „Denk“fabriken, Transatlantikbrücken, Waffenschmieden, Verteidigungs-organisationen befindet sich durchaus im Krieg mit Russland, man möchte es selber nur nicht ganz so nennen. Erst später konnten westliche Politiker auch sehr offen sagen, dass die Situation für sie ja ideal sei. Mit wenig Geld möglichst viele Russen killen (und Ukrainer, aber pssssst Kollateralschaden), im Namen der regelbasierten Weltordnung. Und die Russen nennen ihre Invasion der Ukraine ja auch nicht Krieg.

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Als ich das erste Mal die Wortkombination „feministische Außenpolitik“ (das ist irgendwie mit der regelbasierten Weltordnung verbunden, sorry not sorry) las, dachte ich erstmal an Valerie Solanas. Genau. Die mit dem SCUM-Manifesto und dem Revolver. KILL ALL MEN. Das sind mir als Männerschwein persönlich auch die liebsten Feministinnen, weil Mann einfach weiß, woran Mann ist. Sie steht da, sie hat die Waffe in der Hand. Mimik und Gestik signalisieren, wer hier das Ziel ist. Kein wischiwaschi-Geknödel á la „Muuuh Feminismus ist auch gut für Männer“, sondern klare Kante. In der Situation gibt es mehrere Möglichkeiten: die Waffe funktioniert nicht, Frau Solanas überlegt es sich anders, sie trifft nicht … oder ich kassiere den Kopfschuss.

Und lieber habe ich das Blei in meinem Cranium zu stecken, als heutigen „feministischen“ Diskussion beizuwohnen, ob die Privatpornoseite onlyfans für Frauen Empowerment oder Ausbeutung ist. (Es ist Ausbeutung. Körperlich, seelisch, moralisch.)

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Ich habe in Zusammenhang mit der Bundestagswahl den Spruch gehört „Wenn die Ampel aus ist, gilt rechts vor links“.

Und das stimmt einfach nicht! Sollte die Lichtzeichenanlage defekt oder ausgeschaltet sein, gelten die an jeder mit einer LZA ausgerüsteten Kreuzung angebrachten Vorfahrtregelungsschilder. Mir fällt wirklich keine LZA-geregelte Straßenkreuzung ein, an der nicht eine der Straßen benachrangigt wurde und dies auch per entweder per VZ 205 „Vorfahrt Gewähren“ (das weiße, nach unten zeigende Dreieck mit dem roten Rand) oder VZ 206 „Halt. Vorfahrt gewähren“ (das Stop-Schild) für die nachrangige Straße und dem VZ 306 „Vorfahrtstraße“ (gelbe Raute mit breiten weißen Rändern) für die, nun ja, Vorfahrtstraße eindeutig geregelt ist. Und ansonsten gilt folgende Authoritätsabfolge: verkehrsregelnd tätige Polizei -> Lichtzeichenanlage -> Beschilderung. RechtsvorLinks gelte somit nur, wenn jemand alle Schilder der Kreuzung geklaut hätte, die LZA ausfiele und keine Polizei da wäre.

In dieser Theoriefrage ist der Teilnehmer leider durchgefallen. Aber so wie die Leute wählen, fahren sie auch Auto (oder Fahrrad) oder vice versa.

Manche fahren dauerhaft mit ’33 bis ’39 rum, das lehne ich ab. Ist bei meiner Gangschaltung in einem beschissenem Drehzahlbereich. Muss man gegenhalten.

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