Elon hat angerufen


2025. Das Jahr Zweitausendfünfundzwanzig ist da und ich habe jetzt schon keine Lust mehr. In etwas über einem Monat wird in unserer schönen BRD eine Bundestagswahl stattfinden, deren Auswirkungen – Unabhängig des Wahlausganges – maximal unappetitlich werden.

Dass diese Wahl um ganze 10 Monate vorgezogen wurde verkürzt immerhin einen für mich jedes Mal stark nervigen Faktor dieses demokratischen Systems: Den Wahlkampf. Kann man weg lassen. Grundsätzlich tendiere ich dazu, die Partei zu wählen, die mir ideologisch an Nächsten steht und die mich auch wenigsten abnervt. Damit fallen zB die GrünenFPDAfDCDU schonmal weg. Die CSU steht da nicht, weil ich ein Berliner bin und ich die eh nicht wählen kann. Dennoch würde ich bares Geld dafür zahlen, nie wieder etwas von dieser Separatistenbewegung zu hören. Können wir die durch den SSW (Südschleswigscher Wählerverband) ersetzen?

Überhaupt könnte man Wahlkämpfe inzwischen komplett einstellen, weil der ganze Ablauf nur zum substanzlosen Fingergezeige degeneriert ist. Wir haben nichts vorzuweisen, aber guckt mal wie schlecht die anderen sind.

Ein Vorgang, der mir dabei auffiel, löste durchaus eine gewisse Erheiterung in mir hervor, verschwand dann aber wieder im Hintergrundrauschen. Bis mich meine Azubine darauf ansprach. Ja, geneigter Leser, es tut sich hier Ihnen der Horror auf, dass ich auf meiner Arbeitsstelle neben Einsatztaktik anscheinend auch der Ansprechpartner für politische Bildung der Jugend bin. It takes a village to raise a child.

Es ging um: Elon Musk.

*seufz*

EEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEE-Lon

Ich fahre garantiert keinen Tesla und eine Falcon9-Rakete wird, auch wenn die payload cost per kg durch SpaceX um einiges günstiger wurden, für mich auch eher unerschwinglich bleiben. Sonderlich viel Sympathien für einen internetsüchtigen Multimilliardär, der unglaublich auf den Buchstaben „X“ steht, sind bei mir nicht zu finden. Haben Sie mal gesehen, wie er auf den ebenso absurden Wahlkampfevents in die Lüfte springt, um ein aus seinem unförmigen Körper bestehendes X zu manifestieren. Es ist obszön.

Solche Absätze sind heutzutage als Disclaimer übrigens scheinbar nötig um sich unverdächtig zu halten. „Findest Du den Musk etwa gut?“. Beim Thema Hunde ist das sehr ähnlich. Ich bin da auch im Freundeskreis unapologetisch mit meiner Meinung, dass … weg machen halt. Andere müssen sich da immer vortasten, sie wollen am Ende doch nicht etwa als derangierter Hundehasser da stehen. Und dann relativiert man seine Aussage schon vorher. Und das habe ich jetzt auch gemacht.

Elon Musk hat in Deutschland angerufen und gesagt, wir sollen die AfD wählen.

Aha. Für mich selbst hätte ich da erst drüber gelacht und es dann vergessen, aber ich höre immernoch, entgegen meinem besten Wissen und Gewissen, den rbb und damit größtenteils auch das podcast-Programm der ARD. Weil der rbb ausgehölt wurde und durch die sowiesoschon produzierten Sendungen der ARD ersetzt wurden. Und die sind grottig und sie können von Elon Musk nicht lassen. Egal was der Typ macht, die jungen „Journalistinnen“ (die ihre Arbeit anscheind vor allem mit hate scrolling auf XvormalsTwitter verbringen) empfinden es anscheinend als Affront persönlichster Natur. Im wilhelminischen Preußen wurden bei sowas Duelle ausgetragen. In den USA auch, übrigens.

Elon hat in der BRD angerufen und gesagt, wir sollen die Goldman-Sachs-Bankerin Alice Weidel wählen. Weil sonst geht die BRD verloren. (Fundbüro der BVG: https://www.bvg.de/de/service-und-kontakt/fundbuero oder Rudolfstraße 1-8, 10245 Berlin).

Und jetzt kommen wir zum substanzlosen Fingerzeigen. Für viel zu lange wurde seine dämliche Wahlkampfhilfe – die anscheind übrigens völlig verpuffte – durch die Medienlandschaft getragen. Journalisten hyperventilierten ihre gewohnten Phrasen bis zu Pfötchenstellung. Kurz hingucken, weg gucken, gut wäre es; aber an Stelle dessen wird mit der Kamera auf den Verkehrsunfall Musk+Weidel draufgehalten. Es ist doch allein schon ein taktischer Fehler: je mehr darüber gefaselt wird, desto mehr Leute erreicht es doch! Die ÖRR-Phrasendrescherei drumherum kann man dabei völlig weglassen, die Konsumenten bilden sich auch entgegen dessen ihre Meinung.

Es ist übrigens für Elon Musk nicht verboten seine Meinung zur Bundestagswahl kund zu tun und die Kritik daran ist für mich spätenstens dann völlig absurd, wenn eine, zugegebenerweise weniger bekannte und vielleicht weniger gut betuchte, Person deutscher Staatsbürgerschaft extra zum Wahlkampf in die Vereinigten Staaten, ähem, fliegt, um dort aktiv Klinkenputzen zu betreiben. Ja, Luisa Neubauer hat wieder Bonusmeilen gesammelt. Wie jetzt, sie wollen mit dem Auto zur Arbeit weil Sonntag zu 0600 Dienstbeginn eher kein Bus fährt und sie nach dem Dienst am Bürger halt auch so richtig keinen Bock mehr haben mit anderen Menschen U-Bahn zu fahren?

Das Auswärtige Amt hat sich sogar recht klar positioniert, wer ihrer Meinung nach der bessere Kandidat für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist. Und da habe ich gar kein Problem mit und finde es auch sehr verständlich, dass einem Staat die eine oder andere Richtung bei einem Bündnispartner gefällt. Aber dann muss man das Geheule weglassen, wenn andere das auch tun.

Musk wird es übrigens einen Scheiß interessieren, ob die BRD verloren geht oder nicht, so lange Keule genug seiner hochpreisigen Schrottkisten verkauft und mit seinem Medienkonzern genug Kohle einfährt.

Was auf XvormalsTwitter so rumgeistert ist schon arg geschmacksunverträglich. Das hat sich nach Übernahme durch Musk wahrscheinlich tatsächlich verstärkt, war aber auch schon vorher so (Wieder so ein Vorwort zur Meinung. Um einen Angriffsvektor auszuschließen.) Der Vorwurf, Musk würde dies nun nutzen, um politische Trends in die von ihm gewünschte Richtung zu lenken, ist auch völlig korrekt. Aber den Vorwurf mache ich allen anderen auch. Was denkt Ihr denn, was die Bertelsmann-Stiftung ist? Friede-Springer-Stiftung (überhaupt das ganze Axel-Springer-Verlagshaus)? Der öffentlich-rechtliche Rundfunk? Beim letzteren wurde ja überhaupt erst eine zweite Anstalt gegründet, weil die erste der CDU zu weit links war. Rotfunk hat man die ARD damals noch genannt. Heute ist das alles (Oliv-)Grünfunk vom aller feinsten.

Was Musk gegebenenfalls wirklich interessieren würde, darüber wurde kein Wort verloren. Keines. Es war nur ein oberflächliches Auftischen seiner social media-Eskapaden, garniert mit dieser hyperbesorgten Stimme und fünfzigmal dem Wort „problematisch“ als fader Beilage.

Musk will billige Arbeitskräfte, will Lockerungen von Arbeitsschutz, weniger Partizipation im Betrieb. Musk will niedrige Steuern, vor allem für Reiche und Konzerne, „schlanken Staat“ mit wenig Regularien, zB für Umweltschutz. Überhaupt sollte der Staat quasi nur als Möglichmacher, ggf Geldzahler, für Unternehmen dienen. Alles andere sei nur teure Steuergeldverschwendung. Und das auch als Warnung an möglicherweise etwas nationalistisch eingestellte Personen: Wirklich, ob Europa „untergeht“, „verloren geht“ etc, interessiert einen multinationalen Musk in keinster Weise. Könnte er alle Brandenburger Arbeiter in der Tesla-Fabrik Grünheide von heute auf morgen durch Indische Staatsbürger mit Arbeitsvisa ersetzen, er würde es sofort tun.

Das hat eine kleine Weihnachtsepisode 2024 gezeigt. Er und sein Speichellecker Vivek Ramsawadingens (mal von einem Mitrepublikaner als „redet wie ChatGPT“ beschrieben) twitterten ganz ungeniert ihre Abneigung dem Amerikanischen Arbeiter gegenüber. Musk mehr so auf seine wirtschaftsfreundliche Art und Vivek auch ganz kulturell. Kurz: Der Amerikaner arbeitet nicht genug und verbringt zu viel Zeit mit schönen Sachen im Leben. Das hat übrigens die rechtsnationale Trump-Fanbase („MAGA“) in höchste Aufregung versetzt und einen großen Riss in die derzeitige Koalition aus solchen Vivek-Musk-Technologiebrüdern und der nationalistisch-traditionellen Rechten gerissen. Der Riss ist leider nicht groß genug, aber das kann ja noch werden!

Das blüht der AfD übrigens auch noch. Der Höcke, ein Nationalist, wird irgendwann Alice Goldman-Weidel den Fehdehandschuh hinwerfen. Die Nationalisten in der AfD sind, denke ich, nicht ganz so finanzwirtschaftsgläubig wie die Frau Weidel, die ihre Steuern wo zahlt? In der Schweiz? So wie unsere deutschen Sporthelden auch, ja?! Haha.

Und, liebe Nationalisten: Traut keinem Ausländer in Eurer rechten Partei. Dass Ihr Euch das überhaupt sagen lassen müsst, auch noch von so einer roten Socke wie mir! Habt Ihr nichts gelernt?

Andererseits sind Leute anscheinend wirklich dazu bereit, solche Gegensätze auszuhalten, so lange die durchgeführte sonstige Politik „den richtigen Leuten weh tut“ („as long as it hurts the right people“).

Wir merken: Der Witz „Steckste 3 Linke in einen Raum, entstehen 4 Splittergruppen“ gilt auch für die da drüben, die halten es nur länger miteinander aus.

Schönen Restsonntag.


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