Es ist kaum zu glauben. Endlich wird etwas getan. Gegen schlechte Moral, Kündigungswellen, fehlenden Nachwuchs, schlechte Einsatzbereitschaft, sogar gegen eine Epidemie von durch den Dienst traumatisierten Mitarbeitern.
Bei der US Navy darf man nun endlich mit den Händen in den Taschen herumlaufen. Per NAVADMIN 031/24 (pdf) ist dies nun erlaubt, insofern man damit nicht die nationale Sicherheit gefährdet oder Gruß- und Ehrenbezeugungen darzubieten hat.

USS Four Sambucas, US Navy 7th Fleet
Doch nicht nur das! Leggings für den Sportraum, um die Zoomer bei der Stange zu halten und künstliche Wimpern für die Bimbos (sry, aber isso). Es gibt eine Längen-begrenzung von 14mm from the eyelid to the tip of the eyelash.
Ich frage mich, wie sie auf die 14mm gekommen sind. Gab es da eine Pentagon-Komission? Wer saß da? SecNav, Chief of Naval Operations (CNO hat schließlich die NAVADMIN herausgegeben), der Surgeon General, Lt.Col. Mackenzie vom JAG-Corps? Update: Die Antwort ist tatsächlich ganz praktisch. Frau muss auch bei aufgesetzter Schutzbrille ihre Augen effektiv schließen und öffnen können. Weapon System Mark I Eyeball.
Aber im Ernst: Die US Navy plagt das gleiche Phänomen wie jeden deutschen Mittelständler. Irgendwie finde ich es ja schon witzig zu sehen, dass viele Menschen der jungen und jüngsten Generationen sagen „Wir haben keinen Bock auf Euren Scheiß“ und sie haben ja auch recht. Es löst halt leider aber auch keine Probleme.
Außer wenn sich die Jugend der Welt global dazu entschließt, einfach nicht mehr zum Militär zu gehen. Billigste Polemik, in diesen Zeiten natürlich widerlichster Vulgärpazifismus der übelsten Sorte: Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.
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Das führt mich hierzu: Ich habe eine NDR-Doku gesehen, weil ich von meinen GEZ-Gebüren ja auch was haben will. Es geht um Air Defender 23, eine etwas ausgedehnte Art der Flugschau. Es sind meine Tax Dollars At Work – genau wie die GEZ – und deshalb muss man sich das ja auch mal ansehen. Wenn auch leider nur am Bildschirm.
Der NDR versuchte tatsächlich alle Ecken der Übung ein bisschen zu beleuchten. Der etwas nach zuverlässigem Familienpapa aussehende Tornado-Pilot, seine Waffensystemoffizierin, die resolute Bundeswehr-köchin, die dem WSO zum verwechseln ähnlich sah, die Kaufhallenleiterin, welche auf Lieferung von Energy Drinks für die US-Soldaten wartet. Und dann: der Zottelbart. Mit seinen kleinen Sonnenblumen-Windrädern (Sie wissen es, wenn Sie es sehen), den altbekannten ATOMKRAFT NEIN DANKE-Aufklebern, Ossietzky-Heften. Dahinter der Zaun des Fliegerhorstes Jagel und direkt an dem Zaun sind sogar die Transparente (Nicht Transpis, ihr lieben Antifas. Diminutive sind in der revolutionären Bewegung strengstens untersagt. -gez J.S.) angebracht.
Weil die Bundeswehr weiß, dass der Protest harmlos ist. Nichtmal der NDR hat ihn am Ende wirklich ernst genommen. Und dann singen sie auch noch.
Aber wissense watt?
Der Mann hat recht.
Krieg ist schlecht und nicht nur menschenrechtstechnisch eine absolute Katastrophe. Auch Natur und Umwelt werden heftig in Mitleidenschaft gezogen. Oder Zivilbevölkerung noch Jahrzehnte nach dem Krieg. Beispiel: An der Mündung der Themse, vor Sheerness, liegt die SS Montgomery, ein Munitionsfrachter aus dem WK2, auf Grund. Noch an Bord: ca. 1400t TNT. TEEE ENNN TEEE DYNA MITE. Dynamight explode, wenn das Schiff oder die Ladung rutscht oder einer dagegen fährt. Boris fucking Johnson wollte einen weiteren Londoner Flughafen drüberbügeln. Wenn die Kiste hochgeht, geht es den anliegenden Gemeinden schlecht. Fachbegriff: UXO, unexploded ordnance.
Und der Mann mit dem Zottelbart steht schon seit mindestens 50 Jahren immer wieder, nicht nur am Fliegerhorst Jagel, sondern wahrscheinlich auch vor den Atomwaffenlagern der US-Streitkräfte in Deutschland, Aufbereitungsanlage Wackersdorf, was weiß ich, Startbahn-West.
Vor Jahren war es noch absolut undenkbar, dass die Friedensdemonstranten ihre Transparente direkt an den Zaun mit den Schildern MILITÄRISCHER SICHERHEITSBEREICH knüpften. Teilnehmer von Mahnwachen und Friedensdemos wurden durch die Polizei häufiger verhaftet als einige Clan-Mitglieder in Berlin-Neukölln. Auch in der NDR-Doku sieht man die holsteinische Landespolizei stehen.

Ich verstehe durchaus, warum es Militär gibt. Ich kann mich sogar für den ganzen Krempel interessieren. Ich würde an der Friedenswache teilnehmen und dann da Planespotting betreiben. Aber im Herzen sage ich mir auch: „Für mich muss niemand sterben. Für mich als Bürger braucht Ihr die ganzen scheiß Waffen nicht kaufen.“
Und meine Söhne geb ich nicht. Töchter auch nicht.
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Fragment
Was mich wirklich annervt an den Nulpen von der AfD selber, also der Partei an sich, ist, dass sie berechtigte Kritik – auch von links – an Programmen der Standardparteien und lang gehegten Dogmen der deutschen Politik, als vollkommen wahnsinnig erscheinen lassen.
Beispiel: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Ich war jahrelang aufmerksamer Höhrer des Deutschlandfunks einerseits und des rbb-Inforadio andererseits. Und ich hab in dieser Zeit einen merklichen Qualitätsabfall beobachtet, bzw abgehört. Im DLF war die Kulturredaktion mit einem eigenen Sender (DLF Kultur) nicht zufrieden und kaperte auch den Rest des Senders. Gefühlte 3 Kultur- und 2 Studentenmagazine am Tag. Berichterstattung irgendwann eher nachdem, was die Redakteurinnen so fühlten. Überhaupt ganz viele Gefühle.
Witzig finde ich auch, dass man sich für eine umfassende Friedenspolitik einsetzen möchte und einem das als fieseste Kriegstreiberei ausgelegt wird. ‚Wir müssen uns für ein Ende des Tötens und Sterbens einsetzen!‘ – ‚Warum hassen Sie Babyrobben?‘
Frieden schaffen durch noch mehr Waffen. Leo 2, IRIS-T, Flakpanzer Gepard, Bradley-Schützenpanzer. Deutsche Journalistikstudentinnen, die offensichtlich vollkommen sachkundefrei das Programm der ard und des rbb gestalten, mussten in den letzten zwei Jahren so viel über Militärgerät lernen, über Krieg. Aber die Geschichte und das Wesen des organisierten Tötens dringt nicht wirklich bis zu ihnen vor. Und sie fragen sich: warum so viel Artillerie? Und Fernlenkwaffen? Das setzt diesen Krieg ja schon von anderen Kriegen ab! Erstaunt zeigte sich die Besatzung eines „podcasts“ des ÖRR, dass Krieg doch eigentlich „Männer mit Gewehren“ und nicht Drohnen, 155mm-Artilleriegranaten, Minen, Sprengfallen etc bedeutet. Nein, liebe Journo-Ersties, das ist „normal“. Mindestens seit 1864, auf jeden Fall seit 1871, ist Artillerie der große Killer auf dem Schlachtfeld. Fix the enemy in place and let it rain hell. Musste keiner von Euch „Im Westen nichts neues“ in der Schule lesen? Noch nie Bilder vom Niemandsland des Ersten Weltkrieges gesehen? Hat es was gebracht, mehrere Geburtenjahrgänge effektiv auszudünnen? Jahrzehnte industrieller Produktion für das irrsinnige Töten aufzuwenden? Hat es etwas gebracht?
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An dieser Stelle feuern wir noch kryptischerweise 9 Salutschüsse aus so einer Kanone aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg zu Ehren eines kompetenten Menschen.

