Ein paar Sätze muss man über den 15. Januar dann doch verlieren, denn an diesem Tag im Jahr 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von der „Wilmersdorfer Bürgerwehr“ festgesetzt und dem römisch-1A (im preußischen Militär der Erste Generalstabsoffizier) der Garde-Kavallerie-Schützen-Division vorgeführt. Weil sein direkter Vorgesetzter langfristig erkrankt war, führte der IA faktisch diese, auch aus Freikorpselementen bestehende, Einheit der Reichswehr. Der IA telephonierte also mit dem Bundesminister der Verteidigung Reichswehrminister Gustav Noske (SPD). Dieser wurde wohl durchaus über den durch Folter verursachten Zustand der Gefangenen informiert – und auch über die Absicht der preußischen Militärs, die beiden KPD-Politiker aus Gründen der nationalen Sicherheit „zu beseitigen“.
Jetzt kann man entweder sich die Hände mit Blut besudeln und muss sie danach gründlich waschen (Tipp: kaltes Wasser und Geschirrspülmittel, hilft aber nicht gegen moderne Spurensicherung) oder aber man macht sich die Hände einfach nicht schmutzig. So sagte der alte Noske, seines Zeichens erster sozialdemokratischer ziviler Vorgesetzter in der Geschichte des deutschen Militärs, dem IA, er solle sich doch nochmal mit einem seiner Vorgesetzten in der Kommandokette in Verbindung setzten, um sein weiteres Vorgehen bestätigen zu lassen. Dies unterblieb. Noske soll dem IA dann wohl auch den Spruch „Dann müssen Sie selbst wissen, was zu tun ist.“ mitgegeben haben. Und der IA wusste, was wohl zu tun sein.
Nachdem die Soldaten Karl Liebknecht weiter drangsalierten, wurde er im Berliner Tiergarten hinterrücks erschossen. Rosa Luxemburg wurde in ein Fahrzeug geworfen, mit einem Gewehr bewusstlos geschlagen und dann per Nahschuss getötet. Ihre Leiche verklappte man im Landwehrkanal, wo sie erst später entdeckt wurde.
Ganz so geplant war der Tathergang wohl nicht, worüber sich der IA, ein Hauptmann Waldemar Pabst, sehr ärgerte.
Das hätten Sie natürlich auch alles auf Wikipedia oder in einem Geschichtslehrbuch Ihrer Wahl nachlesen können.
Hätten die beiden den Spartakusaufstand und die gewaltsame Reaktion des Staates überlebt, wäre Europa vielleicht viel Leid erspart geblieben.

ROSA LUXEMBURG (1871-1919)
KARL LIEBKNECHT (1871-1919)
Der Sozialdemokrat Noske wurde bereits 1918 vom Kaiser entsandt, um den Kieler Matrosenaufstand im Zaum zu halten, was ihm allerdings nicht gelang. Nach der Ermordung Luxemburgs und Liebknechts segnete er das äußerst radikale Vorgehen von Reichswehr und Freikorps gegen den Spartakusaufstand ab, mehr als tausend Bürger vielen dem SPD-Mann zum Opfer. Sofortkorrektur: er segnete es nicht ab, er befahl es.
Kleiner Hinweis: Auch wenn sich andere die Hände schmutzig machen, wenn man daneben steht bekommt man die Blutspritzer trotzdem ab.
Einige der getreuen Befehlsausführer Noskes fanden sich dann irgendwann selbst vor den Gewehrmündungen des Militärs, beteiligten sie sich doch am Kapp- und später am Hitler-Ludendorff-Putsch.
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Nun ist es anscheinend wieder Mode geworden, seine Kritik an anderen politischen Auffassungen so radikal wie möglich zu äußern. Keine der vorhandenen Parteien oder politischen Gruppierungen (außer der LINKEN, was aber nicht an deren exzellentem politischen Auftreten liegt, sondern daran, dass diese Partei und ihr Umfeld an traumatic brain injury leiden wie ein Collegefootballspieler. Die Gewehrschläge gegen den Kopf wirken noch lange nach.) nimmt sich da sonderlich viel raus. Besonders unangenehm fallen aber Demonstrationen mit Galgen und Treffen, welche an die Wannseekonferenz erinnern, einerseits – und die Aburteilung von Bürgern, welche nicht Grün wählen als „dumm“, „zurückgeblieben“, „unintelligent“, „nicht demokratiefähig“ andererseits, auf. Die Gegnerkombination Grüne/AfD ist in diesem Land wirklich das effektivste Brechmittel, da kommt nichtmal der ehemalige Hamburger Bürgermeister (SPD) ran.
Zweiter kleiner Hinweis: Wähler beschimpfen bringt nicht viel. Dem Wähler vorzuwerfen, das Wahlprogramm nicht verstanden zu haben, wenn Kritik geäußert wird, auch nicht.
Das ausgerechnet Christian Lindner, seineszeichens Chef einer dieser Kleinstparteien, raushaut (sinngemäß:) „Wenn Sie mich nicht mögen, dann wählen sie doch eine andere Partei!“, ist wenigstens noch ein bisschen frischer Wind in diesem Gesamtzustand, in dem wirklich jeder für sich beansprucht, die pure Weißheit nicht nur mit Löffeln gefressen, sondern diese zubereitet zu haben. Der schmierige Typ mit den dornigen Chancen, der sogar schon eine Wahlempfehlung für seinen eigentlich erbitterten Gegner (die LINKE) gab, an Stelle den Rattenfängern hinterherzurennen.
Wahnsinn.
Haben die alle ihre Schizopillen nicht gefuttert – oder ich?
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Es hat geschneit heute. Das war wirklich, wirklich schön und ich konnte den Tag sehr genießen. Ich weiß auch, dass in Zukunft nicht jeder Tag so sein wird. Aber allein schon die Herstellung einer frühen Alarmstartfähigkeit, welche dann auch bereits gefordert wurde, bestärkt mich um so mehr.
Da darf man sich dann auch ein bisschen die derzeit metaphorische Sonne auf den Bauch scheinen lassen.
