Missliebige Personen wurden in der Geschichte Russlands stets nach Sibirien verbannt. Einerseits wurde man so die Querulanten los, andererseits konnte so eine gewisse Russifizierung des wilden Ostens erreicht werden. Sibirien wurde Teil des russischen Zarenreiches. Zusätzlich entstand so auch Weltliteratur.
Es gab mehrere Möglichkeiten, welche die Regierungen in Moskau oder St. Petersburg (Leningrad, stand noch in meinem Schulatlas, aber nicht weil es eine DDR-Schule war, sondern weil das Bildungssystem post-reunification hier einfach desolat ist) der Zielgruppe anboten; nur wenige dieser Möglichkeiten waren von der Freiwilligkeit des betroffenen Bürgers abhängig.
Zu den umfangreichen und harten Arbeiten (Bergbau, Forstwirtschaft, später Öl- und Gasförderung) kam in den 1890ern der Bau der trans-sibirischen Eisenbahn, später der Baikal-Amur-Magistrale.
Während also das Plätzchenbacken in der Küche angesagt war und ich als Deliquent auf- und des Mundraubes straffällig wurde, verbannte man mich postwendend jenseits des Urals. Zum Gleisbau.

Wollte ich eigentlich noch einen länglichen Eintrag zur fiktionalen Geschichte der Modellkleinbahn schreiben, geht es nun also erstmal praktisch los.
Auf einer L-förmigen „Platte“ in einer Zimmerecke befindet sich bereits ein Bahnhof und ein Stück Streckengleis. An den Bahnhof soll einfach eine ca. 80cm lange und 25cm tiefe Holzplatte ergänzt werden, auf der sich ein Strecken-gleis und ein Abstellgleis befinden. Hier sollen vor allem zwei Züge „zwischengelagert“ werden können.
Das Segment soll nicht größer durchgestaltet werden (erstmal), d.h. keine Häuser, keine Lichter oder keine ausufernde Landschaftsgestaltung. Aber zum Testen von Methoden und Material kann man das Segment ja trotzdem ein bisschen gestalten. Dazu aber später mehr, denn erstmal müssen überhaupt die Gleise liegen.

Die Holzplatte wird, abseits von ein paar Kabeln, keinen großen Unterbau haben und ruht derzeit einfach lose auf zwei Holzwinkeln, welche provisorisch, aber LEBE-Lage-sicher, per ablösbarer Kraftklebestreifen an der Wand hängen.
Mit der Verwendung einer elektrischen Weiche aus dem Bereich der Spurgröße N (hat auch 9mm Spurweite) entfällt die Notwendigkeit eines Unterflurweichenmotors (gottseidank). Weiteres Gleismaterial sind ein Stück H0e-Gleis und zwei verformte uralt-Flexgleise der Spur N, die ich mal auf einem Dachboden fand.
Die Gleise liegen auf einem Korkbett. Einerseits dämmt das wohl den Schall (das kann ich bei den leichten Fahrzeugen leider nicht beurteilen), vor allem bringt es aber die Gleise schonmal auf eine andere Höhe als die Unterlage. Somit lassen sich Böschungen und Schotterbetten schöner formen. Kork ist generell ein gutes Material für den Bastelspaß.
Nachdem ich mir über die ungefähre, projektierte Gleislage im Klaren wurde, klebte ich zugeschnittenes Kork (ca 2mm Stärke) mittels des klassischen Holzleimes auf den Untergrund. Das wurde dann mit den alten Lehrbüchern aus der Ausbildung beschwert und einfach über Nacht liegen lassen. Sollte sich beim Kork etwas wellen, können Sie einfach Entlastungsschnitte machen und es an der Stelle neu zuschneiden und verkleben. Ein gutes Cuttermesser lohnt sich.

Im Bild oben ist zu sehen, dass ich das einzelne H0e-Gleisstück bereits verklebte. Dies geschah „in-situ“, also am eigentlichen Platz des Segmentes, um einen reibereilosen Übergang zum Bahnhof zu gewährleisten. Der 2-achsige offene Güterwagen dient mir häufig als kleiner Behälter für Stecknadeln oder Kleinzeug, welches beim Bau anfällt, aber nicht weggeworfen werden soll. Sind die Gleise nicht frisch verklebt und sauber, kommt dazu gerne auch eine Zugmaschine.
Darauf folgte das erneute Probeverlegen und Zuschneiden der langen und flexiblen Gleisstücke. Diese Gleise lagen wohl bereits auf einer anderen Modellbahnanlage und überlebten den Abriss. Sehr vorbildgetreu. Gleismaterial wurde – und wird – nicht nur bei Schmalspur- und Kleinbahnen gerne wiederverwendet. Feldbahnschienen sind, je nach Bauart, sogar dazu da ortsveränderlich zu sein! The more you know.
Auch sehr vorbildgetreu: die Gleise haben bereits starke Verwerfungen.

Nicht so vorbildgetreu ist selbstverständlich das Schwellenband. Der Abstand der einzelnen Schwellen ist zu klein. Daher halbierte ich einfach die Anzahl der Schwellen und zog die einzelnen Schwellen dann zu einem aktzeptablen Abstand. Weitere überzählige Teile wurden dann ebenfalls entfernt. Selbstkritik: Ich hätte das auch ganz korrekt machen und ein Lineal ansetzen können. Hab ich aber nicht, sondern Augenmaß war angesagt.
Sollten Sie sich in der Situation befinden, solche Tätigkeiten auszuführen: nehmen sie zum Trennen kein Cuttermesser o.ä. Tatgegenstände. Sägen sie lieber mit einer feinen aber einfachen Säge. Anonsten bilden sich in den Schienen Querrillen, über welche sich die feinen Plastikschwellen nur schwer beschädigungsfrei schieben lassen. Frustrierend.

Eine irgendwann etwas eintönige Tätigkeit, aber das Resultat hat sich gelohnt, auch wenn es „nur die Abstellanlage“ ist.
Vor dem Verlegen verlötete ich am Gleis noch zwei Anschlüsse für die elektrische Kraft. Danach wurde die Weiche angelegt. Da alles zu meiner Zufriedenheit passte, verklebte ich das erste Teilstück mit dem allseits bekannten Holzleim. Doch nach dem Trocknen passte nicht mehr alles zu meiner Zufriedenheit. Dank unsachgemäßer Gleisfixierung durch den Gleisbaubetrieb (irgendwas mit „Die Leih-GmbH“ oder so ähnlich) hatte sich das Gleisstück in der Position verschoben. Da man den Holzleim aber sehr gut mit etwas Wasser wieder lösen kann, konnte ich die Gleislage korrigieren.

Hier links sieht man das Resultat des ersten Bauloses. Planübererfüllung! Seid bereit den Fünfjahrplan zu erfüllen in kürzester Zeit!
Zu dem Gleis sei angemerkt, dass es „in Echt“ sehr leichtes Gleismaterial wäre und schnell verformen würde. Für einige der Vorbilder des vorhandenen Rollmaterials wäre dieses Gleis viel zu fragil. Aber das ignorieren wir hier und sparen dafür lieber mehrere Euro.

Die Weiche selber wurde nicht nachbehandelt. Sie ist auch nicht mit dem Kork verklebt. Da der Stellmechanismus auch manuell sehr gut funktioniert, hat die Verkabelung und elektrische Ansteuerung derzeit keine Priorität. Beide angeschlossenen Gleise werden von der Weiche elektrisch getrennt und können einzeln zugeschaltet werden.

Der zweite Gleisabschnitt des Streckengleises ist verlegt. Auch hier wurden die Schwellen des Flexgleises ausgedünnt und zwei Kabel an das Gleis gelötet.

Fertig. Strecken- und Abstellgleis und die Weiche liegen und sind verkabelt. Ich warte allerdings noch, bis alles fest vertrocknet ist und nach erfolgter Reinigung der Schienen, geht es dann an die Probefahrten. Der Bauwagen selbst rollt, getrieben durch die Gravitation, schon recht gut über die Gleise.
In dem Zuge (ha!) werden beide Gleise am Segmentende noch einfache Prellböcke aus Holz erhalten, um ein Herunterfallen der Modelle zu erschweren.

Bisher wurden für dieses Segment etwa 4 Arbeitsstunden, unterbrochen von zahlreichen Pausen, in denen einfach nur der Klebstoff trocknete, aufgebracht.
Der nächste Schritt werden verschiedene Versuche zum Einschottern der Gleise sein. Bleiben Sie bis dahin auf Empfang!

