Eigentlich ist alles gut oder sogar noch besser


Eigentlich ist alles gut.

Klar, finanzielle Sorgen, wer hat die nicht, in einer Zeit, in der über Steuererleichterung und Strom-preisbremsen für Großfirmen Thema und Hoteliersleistungen weiter nur mit 7% MWST beaufschlagt sind. Für Sie und mich, Bürger dieser schönen Republik, hat die Paprika trotzdem noch 19% Mehrwertsteuer. Ist klar, sonst wäre die Paprika wohl weniger wert. Schmeckt dann vielleicht auch nicht mehr so gut.

Weil, was brauchen Sie mehr: Fressen oder ein Hotel mit fleckigen Matratzen, naaaaa? Aber zurück zum Bremsen:

Die Logik mag auf den ersten Blick vielleicht sogar schlüssig sein. Ein Unternehmen zahlt weniger Stromkosten, kann damit günstiger, billiger, geiler produzieren und gibt die gesunkenen Kosten über preiswertere Produkte an den Endkunden weiter.

Wenn Sie den Absatz mit ohne entweder/oder Lachen oder Grummeln gelesen haben, dann tut es mir Leid für Sie. Nix is mit Endkunde: Endstation ist angesagt.

Zugausfall, Schienenersatzverkehr, Fahrkartenkontrolle, estutmirleidderScannerkannihreDeutschlandcardleidernichteinlesen, bittebegleitenSiemichaufdenBahnsteig.

DIE 50€ KRIEGST DU NICHT, ALTER!

Was passieren wird – und laut Verbraucherzentrale bereits passiert – ist Komma dass Unternehmen sich einfach freuen günstiger, billiger, geiler zu produzieren und die Produkte trotzdem zu überhöhten Preisen an Sie und mich, die Endstationskunden, weitergeben. So formulieren es die Nachrichten (TM), denn „Weitergeben“ hört sich so viel mildtätiger an, als „Verkaufen“. Quasi der St. Martin, der einen Teil seines Mantels an einen armen Bettler gibt; der ehrenamtliche Katastrophen-schützer, der auf schneeverwehter Autobahn diesen irre süßen Krümel-tee ausgibt; der Rotarmist, der sich zum Schutze von deutschen Zivilisten auf eine deutsche Volks-sturmgranate wirft (wahre Geschichte, so hat ein Teil meiner Familie den WK2 überlebt; andere waren nicht so übervorteilt).

Wir sollten den Firmen also dankbar sein, dass sie uns, auch betreffs des bereits einsetzenden roten Terrors (Weinachtsmann, nicht Wagenknecht), ihre Gaben feilbieten und uns mit so viel Freude eindecken, zudecken, abdecken.

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Eigentlich ist alles gut. Ja, okay, der Arbeitgeber, der sich eher wie eine schizophrene Emotussi benimmt. Wer hat den nicht?

Kommen Sie zum Dienst, kommen Sie nicht zum Dienst. Sie hätten heute Dienst gehabt, warum sind sie nicht auf Ihrem Arbeitsplatz? (Kleiner Verbrauchertipp: Weil ich, der Arbeitnehmer, nicht dazu verpflichtet bin in meiner Freizeit irgendwelche Dienstpläne zu prüfen!). Oder Mann erscheint zum Dienst und dann fuhr der geneigte Arbeitnehmer da umsonst, aber nicht kostenfrei, hin, weil jemand anders den Dienst macht. Deshalb prüfe ich den Dienstplan dann doch in meiner Freizeit, um Fahrkosten und -zeit zu sparen. Für später.

Immerhin kommt die Kohle super pünktlich. Das ist dem Vernehmen im Bekanntenkreis anscheinend auch wieder keine Selbstverständlichkeit mehr.

Immerhin ist der Beruf sinnstiftend. Mir fällt da ein Anzugträger ein, der in einem dunklen Kollektiv arbeitet und sich stets regenerieren muss. Ggf auch länger.

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Eigentlich ist alles gut. Oder sogar noch besser. Klar, die Mieten steigen. Wenn Sie Glück haben, ist Ihr Vermieter vielleicht etwas sozial veranlagt oder in der glücklichen Position, die Mieteinnahmen nicht als einzige Einnahmequelle zu haben. Dennoch müssen Kosten abgedeckt werden. So ein Haus, das steht ja nicht von alleine (oder?), bzw. es gibt Dinge, die zu reparieren sind. Und das Hausreparaturzubehör ist auch teurer geworden.

Dankenswerterweise Ich habe so einen Vermieter. Aber auch hier ging der Mietsteigerungsbescheid bereits ein. Leute mit sozial prekärerer Situation als meine und fieseren Vermietervereinen geht es da wohl deutlich schlechter.

Und: wie eine Ringbuslinie um den Dorfanger kehren wir zurück zu Strom- und anderen Energiepreisen. Denn die sind deftig gestiegen, was sich auch dieses Jahr wieder in der Nebenkostenabrechnung wiederspiegelt, falls Sie das nicht mitbekommen haben. Das Tanklager Seefeld ist leider sehr gut geschützt, sonst hätte man ja…. wie früher…

Hier wird leider nicht gebremst. Hier wird noch ein bisschen am Gaspedal (ha!) rumgespielt und geschaut, was noch so geht. 180, 190, 200, naaaa knacken wir die 220 auf der BAB2?

Intervention ist nicht zu erwarten. Eigenverantwortung, Eigeninitiative sind gefragt (Tanklager Seefeld)! Oder frieren. Wenn Sie übrigens mehr Arbeiten gehen, sparen sie Heizkosten zu Hause! Oder ziehen Sie sich doch einfach einen Pullover mehr an.

LECKER!

Ein Soze hatte auch mal sehr gute Ernährungs-ratschläge. Sie können eigentlich für weniger als 4 (vier) Euro am Tag ausreichend Nahrung zu sich nehmen! Ohne Ratten im Stadtpark jagen zu müssen!

So kann man „beispielsweise zum Frühstück zwei Brötchen, Marmelade, eine Scheibe Käse, einen Apfel, ein Glas Saft, sowie zwei Tassen Tee“ zu sich nehmen. Wehe Sie machen Zucker in den Tee, das übersteigt Ihre Ration.

Mittagshunger? Es gibt „eine Bratwurst für 38 Cent mit 150 Gramm Sauerkraut für 12 Cent und Kartoffelbrei für 25 Cent plus Gewürze und Öl für 20 Cent“. Jeden Tag.

Wahrscheinlich muss man das jetzt aber mit der Inflation verrechnen und dann kostet der Einkauf doch wieder doppelt oder dreifach so viel wie vorher.

Aber die Inflation verlangsamt sich, sagt das IFO-Institut. Und hey, wenn das IFO-Institut…. jajaja ich sag ja nix.

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Fassen wir zusammen: Alles ist gut. Richtig gut. Oder sogar besser.

Geld, Beruf, Wohnung. Ich hab Glück. Viele andere nicht.

Der Bedarf an meiner Tätigkeit war niemals so hoch und das Personal so knapp, sodass Pausen im Dienst selten werden. Die Wohnung ist halbwegs warm und ich habe gleich zwei Ratten erlegen können, welche jetzt auf dem Balkon (Luxus!) abgehängt wurden. Für Sonntags.


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